Allgemeine Heilpädagogik - Theorie der Heilpädagogik und Rehabilitation

Dissertationsprojekte

 

Robert Stöhr (abgeschlossen)

Behinderung und Technik. Eine phänomenologische Studie.

Arbeitstitel: Technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung - phänomenotechnische Perspektiven

In der Dissertation soll mittels Literaturanalyse herausgestellt werden, was in den Wissenschaften von Behinderung unter "Technik" verstanden wird, sowie welche Bedeutungen und Ziele mit technologischen Entwicklungen für behinderte Menschen implizit oder explizit verknüpft werden. Neben fachspezifischer Literatur wird Literatur aus der Medizin- und Orthopädietechnik einerseits (Stichwort Assistive Technologien), aus ingenieurwissenschaftlichen Fachgebieten wie Raumplanung und Innenarchitektur andererseits (Stichwort Barrierefreiheit) auf deren Technikverständnis hin untersucht. Frage ist, ob sich so ein oder mehrere Technikbegriffe herausfiltern lassen, bzw. welche Technikbegriffe sich reflexiv aus den mit technologischen Entwicklungen verknüpften Bedeutungen und Zielen ableiten lassen könnten.
Vor dem Hintergrund einer phänomenologischen Technikdeutung in Anschluss an B. Waldenfels (1990, 1999, 2002, 2005) sollen die Ergebnisse der Literaturanalyse kritisch unter der Fragestellung diskutiert werden, inwiefern die gefundenen Begriffe von Technik und damit verknüpfte Bedeutungen und Ziele evtl. in Widerspruch zueinander geraten könnten und wie diese Widersprüche in phänomenologischer Hinsicht letztlich vielleicht nicht aufgelöst, aber zu einem reflektierten und produktiven Umgang mit Technik für behinderte Menschen führen könnten.

 

Ina Scholz (abgeschlossen)

Das Konzept Lebensqualität in der Heil- und Sonderpädagogik – kritische Reflexion und philosophische Erweiterung

Zunächst wird vor dem Hintergrund einer gesellschaftskritischen Analyse elaboriert, wie die Heil- und Sonderpädagogik das Konzept Lebensqualität als ein gerechtigkeitsförderndes Leitziel verhandelt und beforscht. Hierbei werden insbesondere die in der Forschung liegenden Probleme und Ungereimtheiten, die auf ein verkürztes, empirisch-subjektivistischen Paradigma zurück zu führen sind, aufgespürt und in aller Deutlichkeit gewürdigt. Anschließend wird mit Hilfe philosophisch-ethischer Ideen der Versuch unternommen, die bisherige als unterkomplex zu bezeichnende Verhandlung von Lebensqualität zu erweitern. Dies gelingt indem die Auseinandersetzung mit dem guten Leben entlang der Aporie von Gerechtigkeit aufgespannt wird. In einem differenztheoretischen Sinne wird Gerechtigkeit als fortlaufender, unabweisbarer Auftrag begreifbar, der nicht nur stets jegliche Erkenntnisse und Gewissheiten in Frage stellt, sondern auch die Beziehung zum für ein erkennbares ‚Objekt‘ geglaubten Anderen unterwandert, indem er sie als asymmetrisch (re)formuliert.
Die Arbeit zielt darauf ab, einen offenen, achtsamen und reflektierten differenztheoretischen Diskurs anzustoßen, der insbesondere auch empirische, heil- und sonderpädagogische Forschung angesichts radikaler Differenz vor überhöhten Objektivitäts- und Wirksamkeitsansprüchen bewahrt und so gerechtigkeitsfördernde Leitziele wie Lebensqualität in all ihrer Ambiguität und Komplexität hervorhebt.

Link zur Veröffentlichung: https://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2510.html

 

Svenja Meuser (abgeschlossen)

Behinderung und Enhancement. Eine Analyse ethischer Positionen

Die Ausweitung biomedizinischer Handlungsoptionen durch die Entwicklungen in den so genannten Lebenswissenschaften ist seit jeher mit ambivalenten Implikationen für Menschen mit Behinderung verbunden. Neben den Chancen, die die Life Sciences bieten, stehen sie auch für eine zunehmende Technisierung, Biologisierung und Medikalisierung menschlichen Lebens und suggerieren ein Machbarkeitsdenken, das Behinderung als nicht mehr hinzunehmendes Schicksal betrachtet. Mit dem Rückgriff auf das Motiv der Leidvermeidung geht in den Life Sciences also zunächst das Versprechen eines therapeutischen Nutzens einher. Etwa Mitte der 1990er Jahre zeichnet sich dann allerdings eine Diskussion ab, die den nicht-krankheitsbezogenen Einsatz biotechnologischer Interventionsmöglichkeiten in den Blick nimmt. Seitdem werden unter dem Stichwort Human Enhancement Maßnahmen zusammengefasst, die weitreichende Eingriffe in die psychophysische Konstitution des Menschen erlauben und dabei auf die Verbesserung menschlicher Fähigkeiten bzw. des menschlichen Erscheinungsbilds abzielen.

Das Thema Behinderung stellt sich in der Enhancement-Debatte einerseits als unterrepräsentiert dar, andererseits fungiert es als Negativbeispiel, das der Nutzung von Enhancement einen entscheidenden Legitimitäts- und Plausibilitätsfaktor hinzufügen soll. Vor diesem Hintergrund geht es in vorliegender Untersuchung um eine rehabilitationswissenschaftliche Aufarbeitung der Enhancement-Debatte, die das Thema Behinderung in den Fokus rückt und dabei notwendigerweise auf die Philosophie, Anthropologie und Ethik zurückgreift. Dabei zeigt sich, dass die Debatte um Human Enhancement ein teilweise gravierendes Gefährdungspotential für Menschen mit Behinderung mit sich bringt. An dieser Stelle wird die hohe Relevanz der Arbeit für die Heil-, Sonder- und Rehabilitationspädagogik deutlich, die dringend und einmal mehr gefordert ist, einen ethischen Schutzbereich für Menschen mit Behinderung aufzustellen.

Link zur Veröffentlichung: https://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2500.html

 

Michaela Menth (abgeschlossen)

Heilpädagogische Haltung. Denkbewegungen zwischen Heilpädagogik und Philosophie

Der Begriff der heilpädagogischen Haltung zeichnet sich durch Ambivalenzen aus. Zum einen entzieht er sich objektiver Operationalisierung und somit empirischer Zugänglichkeit, zum anderen hält er sich hartnäckig im fachsprachlichen Gebrauch. Gleichzeitig wird das Adjektiv ‚heilpädagogisch‘ häufig als Feldbeschreibung verwendet. Entgegen dieses Umstandes wird heilpädagogische Haltung in der vorgelegten Dissertation als professionell gebundene Haltung verstanden. In einem ersten Schritt wurde eine begriffsgeschichtliche Analyse der bis dato veröffentlichten Ausführungen zu heilpädagogischer Haltung vorgenommen und drei verschiedene Modi identifiziert. Im Rahmen der Arbeit wurde in der Folge für eine Weiterentwicklung des Begriffs, basierend auf dem aristotelischen hexis-Konzept und erweitert durch die Haltungsphilosophie Frauke Kurbachers, ein Verständnis heilpädagogischer Haltung entwickelt, das sich als Beziehungsgeflecht zwischen Haltungsakteur:in, Haltungsadressat:in und Haltungsakt in einem Kontext vollzieht. Die Verlagerung des Denkortes in das Geschehen hinein konturiert heilpädagogische Haltung als einen kontextualisierten Prozess zwischen Personen, der Impuls und Antwort beinhaltet, und in dem die Fachkraft aus dem Ermöglichungsgrund aus Disziplin und Profession der Heilpädagogik schöpft, in Verantwortung für das Haltungs- und Handlungsgeschehen involviert und in ihrer Positionalität gefordert ist. Auf der Grundlage personen- und systembezogener theoretischer Erkenntnisse und im Bewusstsein der Uneinholbarkeit des Gegenübers wird Beziehung professionell gestaltet. Prozess und Antwort reflektieren auf die Fragen nach dem guten Leben, den Verständnissen von Person und Behinderung und bringen dies im Handeln zum Ausdruck.

https://kups.ub.uni-koeln.de/52693/1/Dissertation%20M.%20Menth.pdf

Leicht gekürzte Printfassung: https://bhpverlag.de/programm/heilpaedagogische-haltung/

 

Anika Wehling (abgeschlossen)

Männer im Schwangerschaftskonflikt. Erfahrungen nach einem beunruhigenden pränatalen Befund

Methoden der pränatalen Diagnostik werden seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Fachrichtungen diskutiert. Ethische Diskurse bewegen sich dabei vom Recht auf Selbstbestimmung der Frauen bis hin zum Lebensrecht des ungeborenen Kindes. Ebenso stellen Aspekte gesellschaftlicher Verantwortung und Tragweite eine Herausforderung dar.
Für die Disziplinen der Heil- und Sonderpädagogik ergibt sich der Gesprächs- und Handlungsbedarf insbesondere aus dem Umstand, dass es sich bei pränataler Diagnostik um vorgeburtliche Methoden handelt, mit deren Hilfe kranke oder behinderte Kinder immer früher „entdeckt" werden, was nicht selten einen Schwangerschaftsabbruch zur Folge hat.
Da eine pränatale Befundmitteilung mit einer starken emotionalen Belastung für die Betroffenen einhergeht, sind eine professionelle Aufklärung, Beratung und Begleitung unerlässlich. Dabei stellt es aus unterschiedlichen Gründen eine Herausforderung dar, die Betroffenheit der werdenden Väter zu thematisieren sowie für diese zu sensibilisieren.
Das Dissertationsvorhaben richtet sich daher an das Erleben bzw. Erinnern einer Befundmitteilung von betroffenen Männern, unabhängig vom letztendlichen Ausgang der Schwangerschaft. Das Erleben der Diagnosemitteilung, eines eventuellen Entscheidungsprozesses und der darauffolgenden „Zeit danach", welche von den Interviewpartnern erinnert wird, stellen wesentliche Inhalte dar.
Die 19 narrativ geführten Interviews wurden im Forschungsstil der Grounded Theory ausgewertet, um anschließend zu empirisch verankerten Ergebnissen zu gelangen.
Die Arbeit konnte Hinweise dafür liefern, welche Themen, Aspekte und Herausforderungen die Betroffenen für sich als bedeutsam herausstellen.

Link zur Veröffentlichung: https://www.transcript-verlag.de/author/wehling-anika-320027836/

 

Elena Brushinski (abgeschlossen)

Das Unbehagen am Rande des Bürgersteigs. Begegnung mit dem sozialen Phänomen Obdachlosigkeit.

Ursprünglicher Titel: Intersubjektive Anerkennung und Visibilität – Das Unbehagen am Rande des Bürgersteigs. Eine Theorie des Unbehagens am Beispiel der Begegnung mit dem sozialen Phänomen Obdachlosigkeit

In der vorliegenden Arbeit wird Obdachlosigkeit als soziales Phänomen zwischen Stigmatisierung und sozialer Unsichtbarkeit erörtert. Durch einen anerkennungstheoretischen Zugang wird eine ethisch orientierte Theorie des Unbehagens formuliert, wobei das Unbehagen als eine Art der Alarmanlage oder eines Ankers der Menschlichkeit verstanden wird. Die Theorie des Unbehagens basiert auf einer Verknüpfung der Aufdringlichkeit eines Attributes nach Goffman, der intersubjektiven Subjektkonstitution nach Sartre und der Vorzeitigkeit von Verantwortung nach Lévinas. Zentrale Fragen sind: Was löst die Begegnung mit Obdachlosigkeit aus? Inwiefern kann von einem Unbehagen gesprochen werden und was bedeutet dieses Unbehagen für das Verständnis eines wertschätzenden Miteinanders? Was sagt dieses Unbehagen über den Zustand der Gesellschaft, ihre Normen und Werte aus?

Link zur Veröffentlichung: https://www.beltz.de/produkt_detailansicht/45306-das-unbehagen-am-rande-des-buergersteigs.html

 

Nadine Dziabel (abgeschlossen)

Reziprozität, Behinderung und Gerechtigkeit. Eine grundlagentheoretische Studie.

Ursprünglicher Titel: Reziprozität - eine ambivalente Figur im Gerechtigkeistdiskurs um Menschen mit Behinderungen

Reziprozität gilt als Basiselement einer sogenannten 'Minimalethik', die elementare Verbindlichkeiten für das menschliche Miteinander im Sinne der Gerechtigkeit formuliert. Die Sorge für Menschen mit Behinderung wird i.d.R. nicht in diesen Bereich gerechtigkeitsgeschuldeter Pflichten eingeordnet, sondern gilt als verdienstliches 'Mehr', in dem Reziprozität keine Rolle spielt. Eine solche antagonistische Betrachtung von Gerechtigkeit und Sorge stützt sich maßgeblich auf die jeweils vorausgesetze Notwendigkeit von Reziprozität, obwohl der Begriff höchst unterbestimmt ist (vgl. Conradi 2001,67). Die Ausleuchtung dieses unterbestimmten Schlüsselbegriffs aus heilpädagogischer Perspektive soll zur Erhellung der Diskussionsgrundlage beitragen und so Impulse für die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit vermeintlichen Grundvoraussetzungen von Gerechtigkeit und deren Bedeutung für die Sorge für Menschen mit Behinderung geben.

Link zur Veröffentlichung: http://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2173.html

 

Barbara Brachmann (abgeschlossen)

Anerkennung und geistige Behinderung – Entwurf eines Konzeptes professionellen Handelns

Im Rahmen des Promotionsvorhabens wird auf Basis der Theorie der Anerkennung nach Axel Honneth ein Konzept professionellen Handelns entwickelt. Dieses Konzept zielt auf die schrittweise Umsetzung der in der UN-Behindertenrechtskonvention enthaltenen Forderungen und auf die Schaffung der wesentlichen Voraussetzungen für die Verwirklichung der dort formulierten Rechte ab. In diesem Sinne soll es eine Handlungsgrundlage für diejenigen Personen darstellen, die in einem professionellen Kontext mit erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung im Bereich wohnbezogener Dienstleistungen tätig sind. Im Rahmen des Promotionsvorhabens ist somit zu klären, ob die Theorie der Anerkennung geeignet ist, die Umsetzung der Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention zu unterstützen.

Link zur Veröffentlichung: https://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2064.html

 

Fabian van Essen (abgeschlossen)

Position und Perspektive - eine qualitative Studie zu den nachschulischen Lebensverläufen von Absolventen der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen

Abgängerinnen und Abgänger der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen verfügen bei der Beendigung ihrer Schulzeit herkunftsbedingt über wenig ökonomisches und abschlussbedingt über wenig (institutionalisiertes) kulturelles Kapital. Die Aussicht auf eine Erwerbstätigkeit, die gesellschaftliche Anerkennung und dauerhafte Existenzsicherung mit sich führt, ist deshalb äußerst gering. Unter Bezugnahme auf die relationale Soziologie Pierre Bourdieus (1985) wird im Rahmen der Dissertation diese eingeschränkte Ausgangslage mit Blick auf die Felder Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt analysiert. Der empirische Teil der Arbeit thematisiert die sozialen Laufbahnen von Abgängern der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen sechs bis acht Jahre nach Beendigung der Schulzeit sowie die damit zusammenhängenden subjektiven Sichtweisen und Orientierungen im und auf den sozialen Raum (vgl. Barlösius 2006, 126).

Link zur Veröffentlichung: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-01618-0

 

Hilke Harmel (abgeschlossen)

Subjekt zwischen Abhängigkeit und Autonomie
Eine kritische Literaturanalyse und ihre Bedeutung für die Behindertenpädagogik

Spätestens seit den frühen 1990er Jahren gilt die Forderung nach Selbstbestimmung bzw. Autonomie als eine oberste Leitlinie der Behindertenpädagogik. In der Fachliteratur stehen ihr Abhängigkeit und Fremdbestimmung entgegen, die unbedingt aufzulösen sind. Jedoch stellt ein unauffällig kleiner Teil der Literatur diesen Dualismus in Frage: Abhängigkeit und Autonomie werden hier als miteinander verwoben gedacht. Wie passen beide Feststellungen zusammen? In welcher Hinsicht werden die Begriffe als gegensätzliche, in welcher als miteinander verflochtene betrachtet? Und inwiefern ist – trotz der unbedingt notwendigen Forderung nach Selbstbestimmung und Autonomie – ein Zusammen von Abhängigkeit und Autonomie für eine Beschreibung des Menschen unumgänglich? Neben deutschsprachigen behindertenpädagogischen Texten helfen phänomenologische, historische, soziologische, sozialphilosophische, psychoanalytische, feministische und neurowissenschaftliche Perspektiven das Verhältnis von Abhängigkeit und Autonomie zu analysieren und den Versuch einer Neuklärung dieses Verhältnisses für die Behindertenpädagogik zu unternehmen.

Link zur Veröffentlichung: www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/1819.html

 

Jan Gerdts (abgeschlossen)

Bedeutungen von pränataler Diagnostik für Menschen mit Behinderungen – Eine qualitative Studie

Die gegenwärtigen Techniken der pränatalen Diagnostik können Menschen mit (pränatal diagnostizierbaren) Behinderungen als kränkendes oder verletzendes Signal der eigenen potentiellen Vermeidbarkeit auffassen. In einer qualitativ-empirischen Studie wird den (subjektiven) Bedeutungen eines solchen Signals aus der Perspektive behinderter Menschen nachgegangen und damit eine spezifische Reflexionsform der pränatalen Diagnostik aus Betroffenenperspektive expliziert.

Link zur Veröffentlichung: www.klinkhardt.de/ewr/978389733198.html

 

Gwendolin Julia Schulz (abgeschlossen)

Lehrer und ihre auffälligen Schüler
Eine qualitative Studie zu Verhaltensauffälligkeiten an Förderschulen

Die Dissertation betrachtet mit Verhaltensauffälligkeiten ein vieldiskutiertes und sehr komplexes Thema der Sonderpädagogik. Anders als in bisherigen Studien wurden in der Untersuchung »subjektive Theorien« von Lehrern zum Phänomen Verhaltensauffälligkeit bei ihren Schülern an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung in NRW erforscht. Definitionen, Deutungen, Einschätzungen zum und Formen des Umgangs mit dem Phänomen standen bei der Analyse im Vordergrund. Zudem wurden Fragen zu Belastungs- und Unterstützungsmomenten, zu Fort- und Ausbildung sowie zur generellen Relevanz des Themas Verhaltensauffälligkeiten betrachtet.

  • Schulz, Gwendolin Julia (2008): Verhaltensauffällig? Psychisch gestört? Problematisches und herausforderndes Verhalten von Schülern und wie Lehrer damit umgehen – eine qualitative Untersuchung an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. In: VHN, 77. Jg., 4, 355-357.
  • Schulz, Gwendolin Julia (2010): "Was bräuchten Sie zum Umgang mit Ihren 'auffälligen' Schülern?" Zur Theorie und Praxis des Umgangs mit Verschiedenheit. In: Schildmann, Ulrike (Hg.): Umgang mit Verschiedenheit in der Lebensspanne. Behinderung - Geschlecht - kultureller Hintergrund - Alter/Lebensphasen. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag

Link zur Veröffentlichung: https://www.fk-reha.tu-dortmund.de/IB/cms/de/Publikationen/Lehrer-und-ihre-auffaelligen-Schueler-Eine-qualitative-Studie-zu-Verhaltensauffaelligkeiten-an-Foerderschulen/index.html

 

Claudia Gottwald (abgeschlossen)

Lachen über das Andere
Eine historische Analyse komischer Repräsentationen von Behinderung

Über Jahrhunderte wurde unbefangen über Behinderungen gelacht. Erst im 18. Jahrhundert kommt es zu Einschränkungen und Verboten dieses Lachens. Bis Mitte der 1970er Jahre ist nicht Komik, sondern Mitleid prägend für den Umgang mit Behinderung. Heute ist es in bestimmten Kontexten, etwa Witzen und Cartoons, wieder erlaubt, sich über körperliche und kognitive Abweichungen zu amüsieren.

Welche komischen Darstellungen von Behinderung sind für verschiedene Zeiten charakteristisch? Wie werden Lachanlässe und Lachverbote begründet? Anhand zahlreicher Quellen erforscht Claudia Gottwald komische Repräsentationen und ihre Diskurse und leistet damit einen Beitrag, die Kontingenz von Behinderung zu beleuchten.

Link zur Veröffentlichung: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1275-2/lachen-ueber-das-andere/

 

Hannah Nitschmann

Arbeitstitel: Inklusion und Anerkennung. Eine qualitative Untersuchung zu Differenzaushandlungen im Zuge des unterrichtlichen Anerkennungsgeschehens unter besonderer Berücksichtigung von Körperlichkeit.

Ein wertschätzender Umgang mit Differenz stellt spätestens seit Prengels vielzitierter Studie ‚Pädagogik der Vielfalt‘ (1995) eine zentrale Leitprämisse im schulischen Diskurs um Inklusion dar. Unter Bezugnahme auf die Anerkennungstheorie Judith Butlers werden vor diesem Hintergrund insbesondere die ambivalenten Effekte des unterrichtlichen Anerkennungsgeschehens fokussiert. Ein weiterer Fokus liegt auf der körperlichen Seite der Interaktion. Das Promotionsvorhaben bearbeitet in diesem Zusammenhang die folgenden Leitfragen: Inwiefern gehen mit körperlichen (Re)Adressierungsprozessen Ein- beziehungsweise Ausschlüsse aus (ritualisierten) Praktiken unter Peers einher und durch welche Normen der Anerkennbarkeit wird das Geschehen jeweils gerahmt? Lässt sich ein Zusammenhang zwischen jenen feldeigenen Differenzierungsprozessen und sozial wirkmächtigen Ordnungskategorien (Geschlecht, natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit, Klasse, Fähigkeit) herstellen und wenn ja, inwiefern? Wie werden unterschiedliche Möglichkeiten der Selbstbezugnahme im unterrichtlichen Anerkennungsgeschehen in körperlichen Interaktionen präfiguriert? Die (video)ethnografischen Forschungsdaten wurden im Rahmen eines dreijährigen (2017-2019), vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes (KuBIn - Kulturelle Bildung und Inklusion) (vgl. https://www.hf.uni-koeln.de/39129) erhoben. Die Auswertung erfolgt entlang der (Re-)Adressierungsheuristik nach Ricken, Rose, Kuhlmann und Otzen (2017).

 

Julia Bucher

Arbeitstitel: Gewalt, Anerkennung und die Bedeutung des Anderen. Überlegungen zu einer Theorie der Inter-Subjektivierung im Anschluss an Judith Butler und an gegenwärtige Traumatheorien.

Trotz einer inzwischen breiten Diskussion um Intervention und Prävention von Gewalt und Missbrauch beschäftigt sich die Erziehungswissenschaft auf theoretischer Ebene bislang nur unzureichend mit Prozessen der Subjektgenese, die in Gewaltkontexten virulent werden. In welcher Weise Gewalt auf Subjekte wirkt und diese durch Gewalt hervorgebracht werden, ist zentraler Erkenntnisgegenstand des Promotionsprojekts. Eine der wenigen Subjekttheorien, die machttheoretische und psychodynamische Prozesse gleichsam und in Wechselwirkung berücksichtigt, ist jene Judith Butlers. Ihre Subjekttheorie wird hier herangezogen, um das Verhältnis von Gewalt und Subjektivität zu diskutieren. Ergänzend werden gegenwärtige Traumatheorien fokussiert, die machttheoretische Fragen tendenziell ausklammern, sich hingegen expliziter mit innerpsychischen Prozessen und damit einhergehend Fragen und Zusammenhänge von Sprache, Repräsentation und Repräsentierbarkeit, Erfahrung, Gedächtnis und Erinnerung zu klären versuchen. Eine intersubjektive Perspektive einnehmend werden Prozesse der Anerkennung in den Blick genommen. Ziel der Arbeit ist es somit, unter Rückgriff auf Butlers postsouveränes Subjekt einerseits und auf Traumatheorien andererseits zentrale Elemente der Subjektgenese herauszuarbeiten, die zu einem besseren Verständnis von komplexen intra- wie interpsychischen Dynamiken von Gewalt verhelfen und damit einen subjekttheoretischen Beitrag für die Pädagogik leisten.

 

Yvonne Wechuli

Arbeitstitel: Dis/ability, emotions and affect - How Disability Studies are (and should be) talking about feeling

My PhD project seeks to outline how emotions are theorised in Disability Studies to suggest productive extensions and a common language on emotion to facilitate a comprehensive engagement with emotional topics in Disability Studies. Centring emotion from a Disability Studies perspective can hold three meanings: (1) Repertoires of emotion in reaction to disability say less about disabled people (as subjects or a collective) than about the respective social and cultural context, in which we acquire display rules or mutually intelligible labelling of feelings as discrete emotions. (2) Irrespective of whether non-disabled people subjectively experience fear, hate or other emotions, socio-culturally shaped reactions impact disabled people’s lives. I term this impact disabling affect to stress two aspects: Disabling hints at the performative character of the processes at hand and its impact disabled people’s subjective experience. Affect reminds us that we do not have to distinctly name emotional reactions to inquire about their consequences for disabled people. (3) Lastly, we can acknowledge how disabled activists and scholars navigate ableism’s emotional toll and push for social change towards a more inclusive and less ableist society. To tackle ableism, Disability Studies promote different feeling strategies, which oscillate between a deliberate change of one’s feelings towards disability and the acknowledgement of hurtful feelings connected to the experience of disability.

 

Timo Dins

Arbeitstitel: Paradoxien der Personzentrierung. Bedürftigkeit und Vulnerabilität im Kontext komplexer Behinderungen

Wenn es um die Ausgestaltung von Unterstützungsangeboten für Menschen mit Behinderungen (darüber hinaus aber auch für andere „Bedürftige“) geht, begleiten und prägen Begriffe und Formeln wie Personenzentrierung, Bedarfsgerechtigkeit oder Bedürfnisorientierung seit vielen Jahren den Diskurs. Je nach Stoßrichtung werden damit ganz unterschiedliche Interessen und Anliegen thematisiert. Das kumulativ angelegte Promotionsvorhaben möchte den zum Teil zuwiderlaufenden Diskussionslinien nachgehen, indem die Bedürftigkeit und Vulnerabilität von Menschen mit komplexen Behinderungen einer differenzierteren Betrachtung unterzogen werden. Damit wird ein Personenkreis in den Fokus gerückt, der aufgrund seiner Angewiesenheit auf umfangreiche fürsorgliche Unterstützung als besonders bedürftig und vulnerabel gilt. Über welche (Teilaspekte von) Bedürftigkeit geben beispielsweise Instrumente der personenzentrierten Bedarfsermittlung Auskunft, wenn die Antragstellenden selbst keine Auskunft über ihre Bedürftigkeit in diesem Rahmen geben können oder wollen? Inwiefern wird auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie die Vulnerabilität des Personenkreises in Ihrer Komplexität von den (z.B. politischen oder professionellen) Entscheidungstragenden wirklich personzentriert erfasst und berücksichtigt? Welche Kontinuitäten, welche Brüche lassen sich hierbei über den Verlauf der Pandemie feststellen? Diesen und weiteren Fragen geht das Promotionsvorhaben in verschiedenen Publikationen nach.

 

Dominic Dinh

Arbeitstitel: Behinderung im Entwicklungsdiskurs? Eine kritische Reflexion aus post- und dekolonialer Perspektive

Vor dem Hintergrund globaler Machtungleichgewichte sind Menschen mit Behinderungen weltweit einem strukturell hohen und existenzbedrohenden Armuts- und Exklusionsrisiko ausgesetzt. Obwohl die überwiegende Mehrheit der behinderten Menschen in Ländern des Globalen Südens lebt, findet eine wissenschaftliche oder gar interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Problematik in akademischen Zentren des Globalen Nordens vergleichsweise selten statt (vgl. Nguyen 2018). Das Dissertationsprojekt konzentriert sich auf die globale Kategorie „Behinderung“ im Entwicklungsdiskurs als (entwicklungs-)politisches Untersuchungsfeld unter Berücksichtigung post- und dekolonialer Perspektiven: Insbesondere die Machtstrukturen und kolonialen Kontinuitäten im Themenkomplex Behinderung und Entwicklung sowie die (Re-)Produktion von (eurozentrischem) Wissen stehen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Unter Bezugnahme auf die rehabilitationskritische Perspektive der Disability Studies werden die folgenden Fragen u.a. anhand von Literatur- und Diskursanalysen einschlägiger (Fach-)Zeitschriften sowie ausgewählter Textdokumente nationaler und internationaler Organisationen untersucht: Welche Sichtweise auf die globale Personenkategorie „Menschen mit Behinderungen“ herrscht in den Entwicklungsdiskursen vor, und welchen Beitrag können die Disability Studies zur Erweiterung postkolonialer Theoriebildung und möglicherweise zur Transformation des Entwicklungsdiskurses leisten? Inwieweit können post- und dekoloniale Ansätze ihrerseits für Debatten innerhalb der Disability Studies fruchtbar gemacht werden?

 

Kathrin Vogt

Arbeitstitel: Vom Umgang mit sich selbst angesichts emotional belastender Situationen im Schulalltag von sonderpädagogischen Lehrkräften

Thematisch befasst sich das Dissertationsprojekt mit dem Konzept Selbstmitgefühl (self-compassion) im sonderpädagogischen Berufsalltag.
Forschungsergebnisse geben Hinweis darauf, dass durch die Kultivierung von Selbstmitgefühl Ressourcen mobilisiert werden, die das eigene Resilienzvermögen aktivieren und dazu beitragen, mit belastenden Situationen konstruktiver umzugehen. Dadurch wird auch das allgemeine Wohlbefinden (Well-Being) positiv beeinflusst.
Weitere Untersuchungen legen nahe, dass von einem höher entwickelten Mitgefühl sich selbst gegenüber nicht allein die praktizierende Person profitiert, sondern auch die Personen, mit denen sie in Interaktion tritt.
Gelingende Kommunikationsprozesse und die Gestaltung resonanter zwischenmenschlicher Beziehungssituationen spielen im Anforderungsprofil von Lehrkräften eine große Rolle und erfordern spezifische Kompetenzen. So finden sich im wissenschaftlichen Diskurs vielfältige normative Konzepte zu wünschenswerten Persönlichkeitseigenschaften von Lehrkräften, die mit Resilienz und förderlichen Bewältigungsstrategien bei Belastungserleben verknüpft werden.
Seltener untersucht ist dagegen die Einschätzung der subjektiven Erfahrungen der Lehrkräfte im Umgang mit sich selbst in emotionalen Belastungssituationen.
In dem qualitativ angelegten Forschungsdesign werden Sonderschullehrkräfte im Förderschwerpunkt Hören in leitfadengestützten problemzentrierten Interviews zu ihren Erfahrungen im Umgang mit emotional herausfordernden Situationen befragt. In Erzählimpulsen werden die Gesprächspartnerinnen und -partner ermuntert zu teilen, welche Situationen sie als besonders belastend erleben, welche (Selbst)Beobachtungen sie in diesen Situationen machen, wie sie in Folge mit sich selbst umgehen und welche Herausforderungen sie hierbei erleben. Zudem wird erfragt, auf welche Ressourcen sie zurückgreifen und welche Strategien sie sich wünschen würden zu erlernen, um sich bei der Bewältigung emotional belastender Situationen selbst beizustehen und bestmöglich zu unterstützen.
Methodologisch wird ein hybrider Forschungsstil aus Qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz, Schreier) und Reflexiver Grounded Theory (Breuer) erprobt.
Gewonnene Erkenntnisse können gegebenenfalls dazu beitragen, passgenauere Fortbildungen und Unterstützungsmaßnahmen im Umgang mit emotional belastenden Situationen für das Anforderungsprofil der Zielgruppe zu entwickeln und ggf. schon in der universitären Lehrkraftausbildung zu verankern.

 

Stefanie Lämmer

Arbeitstitel: Die Bedeutung der COVID-19-Pandemie für Erwachsene mit Depressionen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland

In dem auf qualitativer Forschung beruhenden Dissertationsprojekt sollen die unterschiedlichen Effekte der COVID-19-Pandemie mit ihren häufig wechselnden Regelungen, Maßnahmen und Verordnungen zur Bekämpfung dergleichen im Hinblick auf depressiv erkrankte Erwachsene mithilfe von mündlichen Befragungen analysiert und expliziert werden, um die Bedeutung der Pandemie für diesen Personenkreis zu klären. Bisherige Veröffentlichungen zu COVID-19 und Depressionen beruhen zumeist auf quantitativen Erhebungen, in denen vorwiegend etwaige Veränderungen der Intensität von Haupt- und Nebensymptomen einer Depression wie auch die Versorgungslage bei depressiv Erkrankten ermittelt wurden. In dieser Arbeit hingegen soll ein möglichst reales Bild davon geschaffen werden, mit welchen ganz spezifischen Problemen sich depressiv erkrankte Erwachsene während der pandemischen Lage konfrontiert sehen, was sie empfinden und welche (tiefere) Bedeutung sie schließlich dem Erlebten beimessen, da u. a. die Varianten des SARS-CoV-2 die Unberechenbarkeit des Gesamtgeschehens verantworten und bereits erlernte sowie angewandte Bewältigungsstrategien wiederholt modifiziert und ebenfalls neu umgesetzt werden müssen. Dass sich Freiheit und Gesundheit als hohe Güter im Rahmen restriktiver Maßnahmen konkurrierend zueinander verhalten können, erfahren auch depressive Erwachsene, was als ein Dilemma wahrgenommen und als (sehr) belastend empfunden werden kann. Durch die Befragung der Zielgruppe soll dieser eine angemessene Aufmerksamkeit zuteilwerden, um einer Verschlechterung der Erkrankung aufgrund der Corona-Krise wirksam zu begegnen. Mittels eines neu erlangten Wissens um die individuellen Herausforderungen in den einzelnen Lebensbereichen der Betroffenen ist es denkbar, auch mehr individuell gestaltete Hilfen anzubieten.

 

Hubert Martin Schüler

Arbeitstitel: Ethische Grundlagen kontraintuitiver Erziehung

(Zur Frage nach einer Care-Ethik zu pädagogischen Fragen bei Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum in Verbindung mit Intelligenzminderung in (intensivpädagogischer) stationärer Wohnform)

Die Dissertationsschrift beschäftigt sich mit ethischen Fragen zur Erziehung einer bestimmten Minorität junger Menschen, welche von der breiten Öffentlichkeit nahezu nicht wahrgenommen wird. Während einerseits sogenannte Systemsprenger im Kontext der Jugendhilfe jüngst medial Aufmerksamkeit erhielten sowie andererseits die Situation von Menschen im Autismus-Spektrum und mit Intelligenzminderung immer wieder öffentlich thematisiert wird, sind die Lebensumstände in meist geschlossener Wohnform sowie die dortige Erziehung von Kindern und Jugendlichen, die beide genannte Zuschreibungen auf sich vereinen, nur sehr wenigen Menschen überhaupt bekannt. In meiner Dissertationsschrift möchte ich den Blick auf die ethischen Grundlagen der dort stattfindenden Erziehung, bezogen auf bestimmte Situationen (Ereignisse), richten. Das Problem konkretisiert sich im Ausgreifen auf interpretative Deutungshoheit staatlicher Aufsichtsbehörden (wie die Heimaufsichten), trotz oftmals nicht näher bestimmten ethischen Grundlagen. Schablonenhaft wird die Möglichkeit ausgeschlossen, dass in bestimmten, für uns oftmals sehr fremdartigen Verhaltensweisen oder Bedürfnissen genannter junger Menschen, sich eine Stimme moralischen Fortschritts artikulieren könnte. – kurz: Muss die Artikulation des Wunsches, regelmäßig eingeschlossen zu werden, notwendigerweise pathologisch interpretiert werden? Es stellt sich die Frage, wie im Anschluss an eine Ethik der Achtsamkeit (Care-Ethik) der Begriff Care für eine Pädagogik von Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum mit Intelligenzminderung in (intensivpädagogischer) stationärer Wohnform verstanden werden kann, so dass Care auch Vorschläge für rechtlich-politische Anerkennungsstrukturen ermöglicht?

 

Natalie Hellerich

Arbeitstitel: Zum Umgang mit suizidalen Äußerungen in der Einzelfallhilfe der Schulsozialarbeit an weiterführenden Schulen.

Dieses qualitative Forschungsvorhaben untersucht, wie Schulsozialarbeitende an weiterführenden Schulen mit suizidalen Äußerungen von Kindern und Jugendlichen umgehen. In problemzentrierten, leitfragengestützten Interviews mit Schulsozialarbeitenden wird erforscht, auf welchen Grundlagen die Beratungsstrategien und Handlungsprinzipien in diesen kritischen Situationen fußen. Es soll herausgearbeitet werden, ob und wie Schulsozialarbeitende für diese Fälle geschult und vorbereitet sind oder ob sie intuitiv handeln. Anhand konkreter Fälle der Interviewpartner*innen wird untersucht, womit sie hier sowohl inhaltlich als auch emotional konfrontiert wurden und auf welches Handlungsrepertoire sie dann zurückgegriffen haben bzw. welche Ressourcen ihnen für solche Fälle zur Verfügung stehen.
Methodologisch wird voraussichtlich nach dem Forschungsstil der Reflexiven Grounded Theory nach Breuer gearbeitet.

 

Angela Benner

Arbeitstitel: Eine qualitative Untersuchung zur Konstruktion von Todes- und Sterbebildern unter Berücksichtigung der damit einhergehenden Auswirkungen auf die Hospizarbeit

Tod und Sterben waren lange Zeit Themen, die in der Gesellschaft verdrängt und tabuisiert wurden. Heute werden diesen Themen jedoch, insbesondere durch die Hospizbewegung und dem Palliativ Care Ansatz, eine wachsende Aufmerksamkeit zuteil.
Diese qualitative Forschungsarbeit möchte sich mit den verschiedenen Todesbildern und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Hospizarbeit beschäftigten. In dieser Arbeit sollen daher sterbende Menschen nach ihren Todesbildern, aber auch nach ihren Vorstellungen zum Sterben befragt werden. Daraus ableitend, soll es in einem nächsten Schritt darum gehen, ob spezielle Kategorien von Todesvorstellungen gebildet werden können und wie sich eine Pluralität von todesbezogenen Vorstellungen auf die Begleitung von Sterbenden auswirkt. Im Rahmen der Promotion wird eine qualitative Befragung zu der Thematik Sterben und Tod mit ca. 25-30 Interviewpartner_innen durchgeführt werden.

 

Theresa Stommel (Zweitbetreuung)

Arbeitstitel: Historisch-systematische Untersuchung zur Begründung des Rechts auf Bildung von Menschen mit geistiger Behinderung

Der Begriff der Bildung steht im Kontext geistiger und schwerer Behinderung in einem ambivalenten Spannungsverhältnis. Einerseits lässt sich die erziehungswissenschaftliche Grundkategorie als Voraussetzung und zugleich Ergebnis (kultureller) Teilhabe begreifen und ist daher im Kontext geistiger und schwerer Behinderung von besonderer Bedeutung. Andererseits zeigt sich im benannten Kontext jedoch seit jeher das Problem eines Ausschlusses von Bildung auf formaler wie inhaltlicher Ebene. Das Dissertationsprojekt nimmt im benannten Spannungsfeld seinen Ausgang und geht der übergreifenden Frage nach, wie der Anspruch auf (inhaltliche) Bildung im Kontext geistiger Behinderung erfüllt werden kann. Die Hypothese lautet, dass eine (Rück-)Besinnung auf genuin bildungstheoretische Motive den gegenwärtigen Diskurs über Bildung von Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung nicht nur bereichern, sondern darüber hinaus die Annäherung an konkret pädagogisch-didaktische Problemstellungen neu in den Fokus rücken kann. Vor dem Hintergrund der Theorie transformatorischer Bildung (Koller, 2012) werden Bildungsprozesse beleuchtet und unter Einbezug der Phänomenologie der Fremderfahrung (Waldenfels, 2006) im Kontext geistiger und schwerer Behinderung phänomenologisch ausgedeutet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden pädagogisch-didaktische Implikationen abgeleitet.

 

Susan Bochert (Zweitbetreuung)

Arbeitstitel: Die Konstruktion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen als Adressat:innen der Kinder- und Jugendhilfe

Im Zuge der gegenwärtigen Entwicklungen hin zu einer inklusiven Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe werden nicht nur deren rechtliche und institutionelle Voraussetzungen hinterfragt. Auch der Stellenwert, der dem Phänomen Behinderung in den unterschiedlichen Handlungsfeldern zugeschrieben wird, einschließlich der impliziten Behinderungs- und Handlungskonzepte, muss neu ausgelotet werden. An diesen Diskurs knüpft das Dissertationsvorhaben an.

Im Rahmen einer qualitativen Studie wird der Frage nachgegangen, wie junge Menschen mit Behinderungen als Adressat:innen der Kinder- und Jugendhilfe konstruiert werden. Im Fokus der Untersuchung stehen insbesondere zwei Ebenen und deren Wechselwirkungen. Zum einen sollen Deutungslogiken und Handlungsorientierungen von Professionellen rekonstruiert werden, auf denen die Planung und Umsetzung von Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und ihren Familien gründet. Zum anderen wird der Einfluss struktureller Rahmenbedingungen hinsichtlich der Konstituierung von Behinderung als Gegenstand der Kinder- und Jugendhilfe und der Gestaltung von Handlungspraxen in den Blick genommen. Diese Analyse erfordert einen multimethodischen Ansatz, der Interviews und Dokumentenanalysen umfasst. Ziel der Dissertation ist es, Behinderungskonstruktionen im Feld der Kinder- und Jugendhilfe sowie deren Auswirklungen auf die Gestaltung von Praxis sichtbar und damit der Reflexion zugänglich zu machen.

 

Annika Barzen (Zweitbetreuung)

Rekonstruktion pferdegestützter Interventionen aus der Kinderperspektive

In diesem kumulativen Dissertationsprojekt entstehen 5 Fachbeiträge, die sich mit pferdegestützten Interventionen aus der Perspektive von Kindern befassen. Die Arbeit widmet sich einem Forschungsdesiderat, da die Kinderperspektive in diesem Zusammenhang bisher kaum wissenschaftlich betrachtet wird. Zunächst wurde eine kritische Auseinandersetzung mit dem Forschungsfeld tiergestützter Interventionen vorgenommen, da in diesem Feld häufig Bezug auf wissenschaftlich nicht abgesicherte Erklärungsansätze genommen wird. Der Erhebung des Forschungsstandes war der zweite Schritt in der Annäherung an das Forschungsthema. Es wurden Studien gesammelt, welche sich mit der psychischen, sozialen und emotionalen Wirkung pferdegestützter Interventionen bei Kindern befassen. Um zu verstehen, was für Kinder an pferdegestützten Interventionen relevant ist, werden diese in den Forschungsprozess einbezogen, sodass sie ihre eigenen Relevanzen explizieren können. Somit wird eine neue Perspektive auf bestehende Forschungsergebnisse eröffnet, welche ein tieferes Verständnis für die Wirkweisen pferdegestützter Interventionen bietet und auch die Möglichkeit zur Evaluation der praktischen Durchführung beinhaltet. Wie Kinder pferdegestützte Förderung wahrnehmen, wird mit Hilfe von offenen Leitfadeninterviews und der Grounded Theory herausgearbeitet. Weiterhin werden Zeichnung der Kinder von sich selbst am Stall erhoben und analysiert, um neben der Sprache eine weitere Ausdrucksmöglichkeit zu bieten.

 

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