Weitere Informationen: Die Fakultät stellt sich vor.

 

Nachrichten aus dem Bereich Humanwissenschaftliche Fakultät :

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu und sein Kollege Jean-Claude Passeron entzauberten mit ihrer Studie „Die Illusion der Chancengleichheit“ vor über 50 Jahren den Glauben an die emanzipatorische Kraft des Bildungswesens, das allen Lernenden gleiche Chancen einräumt und nur nach Leistung und Begabung bewertet. Sie befeuerten auch die deutsche Diskussion um „Bildung als Bürgerrecht“ und die damit zusammenhängenden bildungspolitischen Bestrebungen, Arbeiterkindern den Weg an die Universitäten zu ebnen und unwahrscheinliche Bildungskarrieren wahrscheinlich(er) zu machen.

Heute, über 50 Jahre nach Erscheinen der Studie ist der Anteil von sogenannten Personen aus nicht-akademischen Milieus unter Gymnasiast*innen, Studierenden und Wissenschaftler*innen angestiegen. Aber die erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Studien zu Bildungskarrieren zeigen auch, dass ihr Anteil im Verhältnis immer noch gering ist und soziale Herkunft nach wie vor einen zentralen Bestandteil der Erklärung des Bildungserfolgs darstellt.
Und: Sie betonen nicht zuletzt angesichts globaler Migration und gesamtgesellschaftlicher Pluralisierungsprozesse deutlicher als Bourdieu und Passeron die relationale Verknüpfung von sozialen und geschlechtlichen mit ethno-kulturellen Differenzlinien.

Die FiSt-Vortragsreihe zieht Bilanz: Welches Zeugnis bekäme das heutige Bildungssystem aus Sicht von Bourdieu und Passeron ausgestellt? Wie nah oder weit entfernt sind wir von der Chancengleichheit? Wer sind die Bildungsgewinner*innen und Bildungsverlierer*innen früher und heute? Vor welchen Hürden stehen heute Bildungsaufsteiger*innen und was hilft ihnen auf ihrem Weg „nach oben“? Aber auch: Welche Akteure und Perspektiven bestimmen den Diskurs über Bildungsungerechtigkeiten, wie positioniert sich die Wissenschaft und welche Rolle spielen die Aufsteiger*innen selbst in der Des-Illusionierung der Chancengleichheit?

Im Wintersemester 2021/22 findet das Kolloquium der Forschungsstelle für Interkulturelle Studien ab dem 10.11.2021 statt.
Weitere Informationen auf der Website der Forschungsstelle
Forschungsstelle für interkulturelle Studien

Leitung: Julia Reuter/Markus Gamper

Das vom Lehrstuhl für Arbeit und berufliche Rehabilitation geleitete Projekt „PROMI – Promotion inklusive“ (promi.uni-koeln.de) hat die Stellungnahme „Potenziale erschließen – Schwerbehinderten Akademiker:innen nachhaltig den Weg zur Promotion und in die Wissenschaft öffnen“ (https://promi.uni-koeln.de/wp-content/uploads/2021/07/Stellungnahme.pdf) veröffentlicht. Die Stellungnahme wurde gemeinsam mit den kooperierenden Hochschulen und dem Projektbeirat verfasst. Sie soll die Akteur:innen auf Bundes-, Länder- und Hochschulebene auf das Thema aufmerksam machen und in den Austausch darüber bringen, wie dauerhafte Förderstrukturen etabliert werden können. Fördermöglichkeiten auf den drei Ebenen werden vorgestellt. Die Stellungnahme wurde unter anderem von der Hochschulleitung der Universität zu Köln unterzeichnet.