Methoden der Bildungs- und Sozialforschung unter bes. Berücksichtigung der Genderforschung  / Lehrbereich Soziologie

Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Die Lehrveranstaltungen orientieren sich vor allem an drei thematischen Strängen:

erstens an der Analyse der Soziologie als einer historisch situierten 'modernen' Wissenschaftsdisziplin sowie an den aktuellen Herausforderung ihrer Kategorien und Wissensformen durch gegenwärtige gesellschaftliche Umbruchprozesse. Dabei sind aktuelle Theorieentwicklungen aus den Gender, Queer, Postcolonial und Subaltern Studies wichtige Referenzen.

Zweitens werden in den Lehrveranstaltungen symbolische Geschlechterordnungen, institutionalisierte Geschlechterverhältnisse sowie vergeschlechtlichte Subjektivierungsweisen, Selbstverhältnisse und Praktiken anhand unterschiedlicher Felder und Verschränkungen thematisiert wie bspw. Bildung und soziale Ungleichheiten, Entwicklungen des Wohlfahrtsstaates und milieudifferente Strategien der Lebensführung, Prekarisierung von Arbeit und Praktiken der Nicht-Arbeit. 

Der dritte Schwerpunkt  bezieht sich auf die Erprobung akteursorientierter, qualitativer Methoden der Sozialforschung (von biographischen und problemzentrierten Interviews über teilnehmende Beobachtung und Gruppendiskussionen bis hin zu Verfahren der Visualisierung und deren Auswertung) im Rahmen von neu entwickelten forschungspraktisch orientierten Studienmodulen.

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2018/19:

Einführung in die Soziologie

Die Soziologie ist eine in ihrer Entstehung eng mit der Heraufkunft ‚moderner‘, überwiegend kapitalistisch-marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften verbundene Wissenschaft. Sie analysiert die Arbeits- und Organisationsweisen und die Art und Weise der ‚Reproduktion‘ menschlichen Lebens in unterschiedlichen Gesellschaften ebenso wie Fragen des Zusammenhalts und Dimensionen sozialer Ungleichheiten und Benachteiligungen.

Die Vorlesung gibt eine Einführung in die Soziologie anhand ihrer zentralen
Begriffe und Zugangsweisen. Neben der kurzen Einführung in die Entstehung bzw.
das Selbstverständnis des Faches Soziologie als theoretische und empirische
Wissenschaft stehen Grundbegriffe und theoretische Ansätze (Interaktion, Sozialisation, Identität,
Rolle, Organisation, Institution, Soziale Ungleichheit, sozialer Wandel usw.) ebenso wie Beispiele aktueller soziologischer Debatten im Vordergrund.

Feminismus und neuer Materialismus

„Daher glaube ich, daß mein und ‚unser‘ Problem darin besteht, wie wir zugleich die grundlegende historische Kontingenz aller Wissensansprüche und Wissenssubjekte in Rechnung stellen, eine kritische Praxis zur Wahrnehmung unserer eigenen bedeutungserzeugenden, ‚semiotischen Technologien‘ entwickeln und einem nicht-sinnlosen Engagement für Darstellungen verpflichtet sein können, die einer ‚wirklichen‘ Welt die Treue halten, einer Welt, die teilweise miteinander geteilt werden kann..." (Donna Haraway 1995)

Mit ‚Neuem Materialismus’ werden derzeit recht unterschiedliche Überlegungen etikettiert. Einem Teil dieser Ansätze ist gemeinsam, dass sie etablierte Konzepte von Wissen und Handlungsfähigkeit insofern destabilisieren, als sie genau jene Grenzziehungen in Frage stellen, die Vorbedingungen dieser Konzepte sind: Grenzziehungen zwischen Kultur / Natur, zwischen (Be)Deutung / Materialität, Subjekt / Objekt, Menschlich / Nichtmenschlich.
Auch im Strang der feministisch orientierten Ansätze dieser Debatte werden Fragen der Handlungsfähigkeit, der Relationalität und der Herstellung von Relationen bearbeitet. Sie werden mit einer Zeitdiagnose verbunden, die sowohl postkoloniale und globale Ungleichheiten in den Blick nimmt als auch Fragne eines gedeihlicheren Ko-Existierens mit nicht.menschlichen Akteur_inne . In dem Lektüreseminar werden insbesondere die Texte der Wissenschaftstheoretikerin und Biologin Donna Haraway und der Queertheoretikerin und Physikerin Karen Barad diskutiert.

Einführung in die Gender und Queer Studies

Gender und Queer Studies untersuchen die Hervorbringungen, Konstruktionen, Materialisierungen von ‚Geschlecht‘, 'Sexualität', ‚Geschlechterverhältnissen‘ und 'Heteronormativität' sowie ihre Verflechtungen in sozialen, kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Ordnungsmustern und Klassifikationen. ‚Gender‘ und 'Sexualität' verweisen dabei auf sehr verschiedene Dimensionen, Wirkungsweisen und Bedeutungsgehalte, die unser „In-der-Weltsein“ maßgeblich hervorbringen. Als kritische Verfahren problematisieren Gender und Queer Studies homogenisierende Praktiken und dichotome Gegenüberstellungen, die Ungleichheiten und Ausschlüsse erzeugen und die Anerkennung von Differenzen und eine gleichberechtigte, gerechte Partizipation verhindern. ‚Geschlecht‘ ist dabei kein Gegenstand ‚an sich‘, sondern geht mit anderen sozio-materialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, dissonante Muster ein.
In der einführenden Vorlesung sollen zentrale Zugänge und Debatten der Gender & Queer Studies und feministischer Theorien aus sozialwissenschaftlich geprägter, aber auch aus disziplinübergreifender Perspektive entfaltet und diskutiert werden. Hierbei werden auch aktuelle Impulse und Problematisierungen aufgegriffen.

Einführung in die Soziologie - Soziale Intervention und Kommunikation

Die Soziologie ist eine in ihrer Entstehung eng mit der Heraufkunft ‚moderner‘, überwiegend kapitalistisch-marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften verbundene Wissenschaft. Sie ist damit in ihren Perspektiven historisch und auch geopolitisch situiert und begrenzt. Sie analysiert die Arbeits- und Organisationsweisen und die Art und Weise der ‚Reproduktion‘ menschlichen Lebens in unterschiedlichen Gesellschaften ebenso wie Fragen des Zusammenhalts und Dimensionen sozialer Ungleichheiten und Benachteiligungen.

Die Vorlesung gibt eine Einführung in die Soziologie anhand zentraler Begriffe und Zugangsweisen. Neben der kurzen Einführung in die Entstehung bzw. das Selbstverständnis des Faches Soziologie als theoretische und empirische Wissenschaft stehen Grundbegriffe und theoretische Ansätze ebenso wie Beispiele aktueller soziologischer Debatten im Vordergrund.

Methoden der empirischen Sozialforschung, der Textanalyse und der Beratung und Intervention

Die Einführungsvorlesung stellt wissenschafts- und erkenntnistheoretische Problemstellungen, Zielsetzungen und Gegenstände empirischer Forschung, wissenschaftlicher Analyse und praktischer Beratung vor. Anhand der Vorstellung und Diskussion konkreter Forschungsvorhaben und –praktiken und der Beteiligung unterschiedlicher Akteur_innen hieran wird versucht, die Vielfalt der Methoden und Perspektiven sichtbar zu machen und Fragen der Akteur_innen von Forschung und der komplexen Subjekt/Objektkonstellationen zu reflektieren.

Die Überblicksvorlesung ist zudem verknüpft je einem Seminar im Bereich der Methoden (1) der empirischen Sozialforschung, (2) der Textanalyse und (3) der Beratung und Intervention, von denen eines wahlobligatorisch zu besuchen ist. Hier werden die in der Vorlesung entfalteten erkenntnistheoretischen und methodologischen Konzeptionen anwendungs- und umsetzungsorientiert im Hinblick auf konkrete Forschungsdesigns, Entwicklung einer eigenen Fragestellung und deren Bearbeitung erprobt.

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2017/18:

Arbeit und Sorge

„Eine typische Care-Kette funktioniert in etwa so: Die ältereTochter einer armen Familie in einem Dritte-Welt-Land sorgt für ihreGeschwister (das erste Glied der Kette), während ihre Mutter (das zweite Glied)sich um die Kinder einer Frau kümmert, die in die Erste Welt migriert ist unddort wiederum als Kinderfrau einer Familie in einem reichen Land arbeitet (dasletzte Glied). Jede Art von Kette offenbart eine unsichtbare Care-Ökologie, inder ein Care-Arbeiter auf den nächsten angewiesen ist, usw."(Arlie R.Hochschild)

Gegenstand des Seminars sind die sich zuspitzenden Sorgekonfliktein westlichen Arbeitsgesellschaften, die sich in zunehmenden Versorgungslückenim Bereich der Erziehung-, Bildungs-, Pflege- und Sorge-Arbeiten zeigen. Hiergreifen nicht nur gesellschaftliche Wandlungsprozesse wie die Prekarisierungder Erwerbsarbeit, der Umbau des Sozialstaats und die Ausdünnung undKostensenkung der Sozialversicherungssysteme. Die krisenhaften Prozesse sindeingebettet in globale Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse. Dennparallel zur partiellen Rückverlagerung von Aufgaben wie der Pflege älterer undauf umfassendere Hilfe angewiesenen Menschen oder der Kinderbetreuung in denprivaten Raum, findet eine Kommerzialisierung von Sorgearbeit und eineVermarktlichung des Pflege-und Sorgesektors statt. Diese Vermarktlichung vonFürsorge geht mit der Ausweitung von informeller, prekärer, transnationalerArbeit einhergeht, die sich in der zunehmenden Feminisierung transnationalerMigration (care drain) zeigt. Im Seminar wird untersucht, welche (neuen)Anordnungen globaler Ungleichheitsverhältnisse damit einhergehen; welcheGeschlechter- und Sorgearrangements in reichen Ländern damit gestützt werdenund welche Konsequenzen dies für die migrierenden Sorgerarbeiter_innen undderen familiale Arrangements und Bindungen hat.

Veranstaltungen im Sommersemester 2017:

Einführung in Praxistheorien und die Praxeologische Soziologie Pierre Bourdieus

„Die Menschen träumen von Befreiungsmaschinen. Aber es kann perdefinitionem keine Freiheitsmaschinen geben. Ich glaube nicht, dass dieStruktur von Dingen Freiheit zu garantieren vermag. Freiheit ist Praxis. KeineFunktionsweise ist an sich befreiend. Freiheit muss ausgeübt werden,“ erklärtMichel Foucault in einem 1982 in der amerikanischen ArchitekturzeitschriftSkyline erschienenen Interview. Die ‚freiheitlichen’ undherrschaftsgebundenen, kreativen und standortgebundenen Dimensionensozialer Praxis sind Gegenstand des Seminars.

Grundlegend für ein nicht dualistisches Verständnis vonGebundenheit und Offenheit sozialen Handelns ist die Beschäftigung mit derpraxeologischen Soziologie Pierre Bourdieus und mit der an sie anknüpfendenpraxisorientierten Soziologie. Im Seminar werden sowohl theoretische Texte alsauch empirische Untersuchungen dieser Forschungs- und Theorieperspektivediskutiert.

Gesellschaftstheorien: Diskursordnung, Disziplinar-Gesellschaft, Biomacht und Selbstregierung (Michel Foucault)

Im Mittelpunkt des Seminars steht einepoststrukturalistische Perspektive auf Gesellschaft. Anhand von ausgewähltenTexten Michel Foucaults sollen Macht- und Regierungspraktiken, diskursiveOrdnungen, Techniken des Regierens und des Selbstregierens in den Blickgenommen werden. Anhand seiner historischen Untersuchungensollen insbesondere die Pädagogik und die mit ihr verbundenenDisziplinierungsprozesse diskutiert werden. Über die Praktikender Unterwerfung hinaus geht es in dem Seminar zugleich auch um Möglichkeitender Kritik als „Kunst nicht dermaßen regiert zu werden"(Foucault).

Einbezogen werden auch Filmformate zu Themenwie: Universität 1968, Erziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, intimeVerhältnisse: Sexualitäten – Familie – Körper.

Praxisprojekt: Studienerwartungen, Selbstkonzepte und Bildungsbiographien: Lehramtsstudierenden an der Universität zu Köln

Gegenstanddes Praxisprojekts sollen die Erwartungen an und Erfahrungen mit derLehramtsausbildung vornehmlich aus Sicht der Studierenden sein. Mit welchenVorstellungen, etwa über ein universitäres Studium, über das Verhältnis vonTheorie und Praxis, über den Lebensabschnitt ‚Studieren’ nehmenLehramtsstudierende ihre (Aus)Bildung wahr? Mit welchen Motiven hinsichtlichdes angestrebten Lehrberufes, mit welchen – biografischen undintergenerationellen – Bildungserfahrungen nehmen sie ihr Studium auf? (Wie)Verändern sich Haltungen und Einschätzungen im Verlauf des Hochschulbesuchs?

DasProjektseminar möchte Fragen einer ‚guten’ Lehrer_innenbildung und von (sozial)unterschiedlich situierten Erwartungen und Bewertungen aufgreifen und(selbst)reflexiv als Teil der Studienkultur und des Studienalltagsthematisieren.

Es ist empirischausgerichtet, sein Gegenstand ist die Planung, Durchführung und Dokumentationeiner eigenen Forschungsarbeit der Seminarteilnehmer_innen im Bereich derqualitativen Forschung (bspw. Ethnographien oder qualitative Interviews).

Veranstaltungen im Wintersemester 2016/17:

Feministische Theorien: Welt teilen - Differenzen ermöglichen (Irigaray)

„Das Koexistieren mit dem anderen zu erlernen, der in derKonstruktion unserer Tradition ausgeschlossen war, initiiert eine weltweiteKoexistenz, die einer der Herausforderungen unseres Zeitalters entspricht. Demanderen einen Ort eröffnen, sich einer Welt öffnen, die sich von unsererunterscheidet, dies innerhalb unserer eigenen Tradition, ist die erste und dieschwierigste multikulturelle Geste. (…) Erforderlich ist, eine Subjektivitätauszuarbeiten, die sich von derjenigen unterscheidet, die seit Jahrhundertendie unsrige war, Subjektivität, in der das Zusammenleben und der Austausch nurunter Gleichen und im Innern einer einzigen Tradition stattfand.“ (LuceIrigaray, Welt teilen, 2008: 151)

Wie ist es (‚uns‘) möglich, egalitäre Differenzen zuzulassen, Welt zu teilen und die Logik der ‚Politik der Ähnlichkeit‘ (Butler /Athanasiou 2014) zu verlassen? Diese Frage, die nicht allein Luce Irigaraystellt, soll anhand von neueren queer-feministischen, postkolonialen undaffekttheoretischen Texten diskutiert werden. Es geht dabei um Denkbewegungenund Praktiken der Dezentrierung, die den aktuell grassierenden Phantasien derBedrohung durch ‚Andere‘, der gefürchteten Herabsetzung des (vermeintlich)‚Normalen‘ und den damit eng verknüpften Politiken der Abschottung und desOthering entgegentreten.

Gesellschaftstheorien: Disziplinar-Gesellschaft und Kontroll-Gesellschaft (Foucault und Deleuze)

Im Mittelpunkt des Seminars stehen zweipoststrukturalistische philosophische Perspektiven auf historischeKonfigurationen dessen, was gemeinhin Gesellschaft genannt wird. Anhand vonausgewählten Texten Michel Foucaults, Gilles Deleuzes und von Autor_innen, diean deren Überlegungen zur Disziplinar-, Normalisierungs- oderKontrollgesellschaft anknüpfen, sollen Macht- und Regierungspraktiken,Techniken des Regierens und des Selbstregierens in den Blick genommen werden.Über die Praktiken der Unterwerfung hinaus geht es zugleich auch umMöglichkeiten der Kritik als „Kunst nicht dermaßen regiert zuwerden" (Foucault) wie um die Mannigfaltigkeit und Unkontrollierbarkeitder Prozesse des „Werdens“ (Deleuze).

Praxisprojekt: Bildungsbiographien, soziale Ungleichheiten und Selbstkonzepte

In demPraxisprojekt soll praktisch erforscht werden, mit welchen SelbstkonzeptenSchüler_innen an Schule und Studierende an ihr Studium herangehen. Wieentwickeln sie ihre Bezüge zu Bildung und ihren Institutionen? Wie gelingt es,Bildungsaspirationen zu entfalten, wie werden sie begrenzt? Welche Rollespielen dabei milieuspezifische und biografische Erfahrungen? DasProjektseminar ist empirisch ausgerichtet, sein Gegenstand ist die Planung , Durchführungund Dokumentation einer eigenen Forschungsarbeit der Seminarteilnehmer_innen imBereich der qualitativen Forschung.

Veranstaltungen im Sommersemester 2016:

Gesellschaftstheorien, Arbeit und soziale Ungleichheit

Wir leben in einer 'Arbeitsgesellschaft'. Gemeint ist damit ein sozialer Zusammenhang, in dem die historisch spezifische Form der bezahlten, marktvermittelten Erwerbsarbeit nicht nur im ökonomischen Handeln die zentrale Rolle spielt, sondern auch über soziale Anerkennung, Positionierungen und Machtverhältnisse ebenso wie über Lebensführungen und Zeitregime entscheidend (mit-)bestimmt. Gegenwärtig sind die Regulierungen, Institutionen und Verständnisse von Gesellschaftund Arbeit gravierenden Umbrüchen ausgesetzt. Pierre Bourdieu hat mit Blick auf diese Wandlungsprozesse schon zur Jahrtausendwende von der Zunahme von "Ungewissheitszonen" gesprochen (Bourdieu 2001: 202); OliverMarchart (2013) hat in seinen Überlegungen zu einer postfundamentalistischen Theorie der Gesellschaft Kontingenz und Konflikt als zentrale Antriebe jenes 'unmöglichen Objekts', das wir Gesellschaft nennen, in den Mittelpunkt gestellt. Die Frage der Kontingenz als Offenheit und als Schwanken zwischen Unbestimmtheit und Bestimmtheit nimmt – so eine zentrale These - in gegenwärtigen Prekarisierungsprozessen zu. So werden gesellschaftliche Routinen – wie sie etwa in fordistisch-keynesianistischen Wirtschafts- und Sozialmodellen bis in die 1970er Jahre hervorgebracht wurden – umgearbeitet, erschöpft, instabil. Sie geraten in die Krise, verlieren mitunter ihre Eindeutigkeit und Deutbarkeit.

In dem Seminar soll in historischer und theoriegeschichtlicher Perspektive der Genealogie bürgerlich-kapitalistischer Selbstverständnisse von Gesellschaft und Arbeit nachgegangen und auf ihre Voraussetzungen befragt werden, um so vertiefende Einblicke in aktuelle Umbrüche, Infragestellungen und Erosionen zu gewinnen.

Gender und Queer Studies

Gender und Queer Studies untersuchen die Hervorbringungen, Konstruktionen, Materialisierungen von ‚Geschlecht‘, 'Sexualität', ‚Geschlechterverhältnissen‘ und 'Heteronormativität' sowie ihre Verflechtungen in sozialen, kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Ordnungsmustern und Klassifikationen. ‚Gender‘ und 'Sexualität' verweisen dabei auf sehr verschiedene Dimensionen, Wirkungsweisen und Bedeutungsgehalte, die unser „In-der-Weltsein“ maßgeblich hervorbringen. Als kritische Verfahren problematisieren Gender und Queer Studies homogenisierende Praktiken und dichotome Gegenüberstellungen, die Ungleichheiten und Ausschlüsse erzeugen und dieAnerkennung von Differenzen und eine gleichberechtigte, gerechte Partizipation verhindern. ‚Geschlecht‘ ist dabei kein Gegenstand ‚an sich‘, sondern geht mit anderen sozio-materialen Erscheinungen mehr oderweniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, dissonante Muster ein.

In der einführenden Vorlesung sollen zentrale Zugänge und Debatten der Gender und Queer Studies und feministischer Theorien aus sozialwissenschaftlich geprägter, aber auch aus disziplinübergreifender Perspektive entfaltet und diskutiert werden. Hierbei wird auch versucht,aktuelle Impulse und Problematisierungen der Postcolonial-, Subaltern- und Affect-Studies sowie des Material Feminism aufzugreifen.

Ethnographien

Gegenstand der Lehrveranstaltung ist die empirische Arbeit mit der Methode der Teilnehmenden Beobachtung / Ethnographie als ‚Befremden der (‚eigenen‘) Kultur‘. Gemeint ist damit, dass selbstverständliche, kaum hinterfragbar scheinende Praktiken des  alltäglichen Lebens zum Gegenstand von Forschung und damit ihre sozialen Voraussetzungen sichtbar werden. Die Veranstaltung ist auf praktische Erprobungen von ethnographischen verfahren ausgerichtet. Sie dient auch der methodischenVorbereitung eines im Wintersemester 2016/17 folgenden Praxisprojekt-Seminars (dessen nachfolgende Belegung sich daher anbietet!). Teilnahmevoraussetzung ist die Vorbereitung und Durchführungeiner ethnografischen Beobachtung und deren Auswertung. 

Bildung - Arbeit - Geschlecht - Methoden. Kolloguium

Veranstaltungen im Wintersemester 2015/16:

Gesellschaft im Wandel - Arbeit und Zeit

Wir leben in einer 'Arbeitsgesellschaft'. Gemeint ist damit ein sozialer Zusammenhang, in dem die historisch spezifische Form der bezahlten, marktvermittelten Erwerbsarbeit nicht nur im ökonomischen Handeln die zentrale Rolle spielt, sondern auch über soziale Anerkennung, Positionierungen und Machtverhältnisse ebenso wie über Lebensführungen und Zeitregime entscheidend (mit-)bestimmt. In dem Seminar soll in historischer und theoriegeschichtlicher Perspektive der Genealogie bürgerlich-kapitalistischer Selbstverständnisse von Gesellschaft, Arbeit und Zeit nachgegangen und auf ihre Voraussetzungen befragt werden. Welchen Umbrüchen, Infragestellungen und Erosionen sind diese Konzepte gegenwärtig ausgesetzt?

Dabei werden insbesondere Zugänge einer von 'postfundamentalistischen' (Marchart) Sozialtheorien inspirierten Soziologie diskutiert.

feministische theorien: Geschlecht und Affekt

"Unsere Affekte sind niemals ausschließlich unsere eigenen: Affekte werden uns von Anfang an von anderswoher übermittelt. Sie vermitteln uns eine bestimmte Wahrnehmung der Welt, sieveranlassen uns, bestimmte Dimensionen der Welt wahrzunehmen und andereauszuschließen". (Judith Butler 2010: 54)

In dem Lektüreseminar werden neuere Theorien zum Zusammenhang von Affekten und Politik diskutiert, die das Verständnis des 'Politischen' reformulieren und erweitern. Vor dem Hintergrund dramatischer globaler Ungleichheiten und Ausschlüsse, die Leben bedrohen und vernichten, thematisiert diese gleichermaßen theoretische und ethische Debatte Begrenzungen des Wahrnehmbaren, die verletzende und verächtlich-machendePolitiken stützen und absichern. Auf welche Weisen sind Affekte formiert durch gesellschaftliche Zwänge, durch die Beschränkung des Denk- und Fühlbaren? Und weiter: Wie können die Möglichkeiten der Ansprechbarkeit, der Empfänglichkeit und Handlungsfähigkeit erweitert werden? Es geht also um Fragen des Affiziert-, des Berührt-Werdens von der Welt und des Affizierens, des Berührens und Bindens der Welt.Diskutiert werden affekttheoretische Texte, die für aktuelle feministische Theorien relevant sind.

Voraussetzung für das Seminar ist Interesse an und Lust auf die gemeinsame Lektüre theoretischer Texte.

Einführung in die empirische Sozialforschung

Die einführende Vorlesung beschäftigt sich mit den Anfängen und der Entwicklung der empirischen Sozialforschung. Vorgestellt werden zentralemethodologische Perspektiven, klassische, historische sowie aktuelle empirische Studien und ausgewählte Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt dabei auf Verfahren derqualitativen Sozialforschung.

Bildung - Arbeit - Geschlecht - Methoden. Kolloguium

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2014/15:

Einführung in die empirische Sozialforschung

Die einführende Vorlesung beschäftigt sich mit den Anfängen und der Entwicklung der empirischen Sozialforschung. Vorgestellt werden zentrale methodologische Perspektiven, klassische, historische sowie aktuelle empirische Studien und ausgewühlte Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt dabei auf Verfahren der qualitativen Sozialforschung.

 

Feministische Theorien: Rasterungen, Interferenzen, Affekte

"Wenn man die Dichte der Verflechtungen ernst nimmt, dann gibt es kein Zurück zu einem reinen, unpolitischen, unvergesellschafteten, machtfreien Naturzustand, sondern nur ein Hin zu einer gemeinsamen Produktion von Welt, zu einer Verantwortung, die sich aus der Etablierung einer Beziehung ergibt." (Despret/Haraway 2011)

In dem Lektüreseminar werden feministische Theorien und Zeitdiagnosen zur Analyse von komplexen sozialen Differenz- und Machtverhältnissen diskutiert und auf Möglichkeiten von Intervention, veränderter Ansprechbarkeit, Handlungsfähigkeit und performativen Politiken befragt. Welche Praktiken der Verwiesenheit und welche Empfänglichkeit für Formen der nicht-souveränen Verflechtung mit Anderen_m werden in aktuellen materialistischen (Karen Barad), queertheoretischen (Judith Butler), affekttheoretischen (Brian Massumi) und postkolonialen (Dipesh Chakrabarty) Theoriekontexten verhandelt?


Global care chains- Sorgekonflikte und globale Ungleichheiten

„Eine typische Care-Kette funktioniert in etwa so: Die ältere Tochter einer armen Familie in einem Dritte-Welt-Land sorgt für ihre Geschwister (das erste Glied der Kette), während ihre Mutter (das zweite Glied) sich um die Kinder einer Frau kümmert, die in die Erste Welt migriert ist und dort wiederum als Kinderfrau einer Familie in einem reichen Land arbeitet (das letzte Glied). Jede Art von Kette offenbart eine unsichtbare Care-Ökologie, in der ein Care-Arbeiter auf den nächsten angewiesen ist, usw."(Arlie R. Hochschild)

Gegenstand des Seminars sind die sich zuspitzenden Sorgekonflikte in westlichen Arbeitsgesellschaften, die sich in zunehmenden Versorgungslücken im Bereich der Erziehung-, Bildungs-, Pflege- und Sorge-Arbeiten zeigen. Hier greifen nicht nur gesellschaftliche Wandlungsprozesse wie die Prekarisierung der Erwerbsarbeit, der Umbau des Sozialstaats und die Ausdünnung und Kostensenkung der Sozialversicherungssysteme. Die krisenhaften Prozesse sind eingebettet in globale Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse. Denn parallel zur Rückverlagerung von Aufgaben wie der Pflege älterer und auf umfassendere Hilfe angewiesenen Menschen oder der Kinderbetreuung in den privaten Raum, findet eine Kommerzialisierung von Sorgearbeit und eine Vermarktlichung des Pflege-und Sorgesektors statt. Diese Vermarktlichung von Fürsorge geht mit der Ausweitung von informeller, prekärer, transnationaler Arbeit einhergeht, die sich in der zunehmenden Feminisierung transnationaler Migration (care drain) zeigt. Im Seminar wird untersucht, welche neuen Anordnungen globale Ungleichheitsverhältnisse damit einher gehen; welche Geschlechter- und Sorgearrangements der Eliten und Angehörigen aufstrebender Mittelschichten in reichen Ländern damit gestützt werden und welche Konsequenzen dies für die migrierenden Sorgerarbeiter_innen und deren familiale Arrangements und Bindungen hat.


Prekarisierung. Wandel von Erwerbstätigkeit

Wir leben in einer 'Arbeitsgesellschaft'. Gemeint ist damit eine Gesellschaft, in der die historisch spezifische Form der bezahlten, marktvermittelten Erwerbsarbeit nicht nur im ökonomischen Handeln die zentrale Rolle spielt, sondern auch über soziale Anerkennung, Positionierungen und Machtverhältnisse entscheidend (mit-)bestimmt. In dem Seminar werden einmal die Voraussetzungen 'unseres' 'Arbeitsverständnisses rekonstruiert. Dabei werden die spezifischen Verknüpfungen von Erwerbsarbeit, Geschlecht und Staatsbürger_innenschaft in ihren diskriminierenden Effekten betrachtet. Zum anderen werden aktuelle Wandlungen der Erwerbsarbeit (immaterielle Arbeit, Prekarisierung) analysiert, mit denen nicht nur veränderte Erwerbsverhältnisse verknüpft sind, sondern auch Fragen sozialer Ent-Strukturierungen (etwa der Zunahme von Zonen sozialer Verwundbarkeit und Ent-Bindung) und - oft erzwungenermaßen - Lebens- und Handlungsoptionen in Distanz zur Erwerbsarbeit.

 

Examenskolloquium

 

Vergangene Lehrveranstaltung finden Sie im Archiv.