Methoden der Bildungs- und Sozialforschung unter bes. Berücksichtigung der Genderforschung  / Lehrbereich Soziologie

Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Die Lehrveranstaltungen orientieren sich vor allem an drei thematischen Strängen:

erstens an der Analyse der Soziologie als einer historisch situierten 'modernen' Wissenschaftsdisziplin sowie an den aktuellen Herausforderung ihrer Kategorien und Wissensformen durch gegenwärtige gesellschaftliche Umbruchprozesse. Dabei sind aktuelle Theorieentwicklungen aus den Gender, Queer, Postcolonial und Subaltern Studies wichtige Referenzen.

Zweitens werden in den Lehrveranstaltungen symbolische Geschlechterordnungen, institutionalisierte Geschlechterverhältnisse sowie vergeschlechtlichte Subjektivierungsweisen, Selbstverhältnisse und Praktiken anhand unterschiedlicher Felder und Verschränkungen thematisiert wie bspw. Bildung und soziale Ungleichheiten, Entwicklungen des Wohlfahrtsstaates und milieudifferente Strategien der Lebensführung, Prekarisierung von Arbeit und Praktiken der Nicht-Arbeit. 

Der dritte Schwerpunkt  bezieht sich auf die Erprobung akteursorientierter, qualitativer Methoden der Sozialforschung (von biographischen und problemzentrierten Interviews über teilnehmende Beobachtung und Gruppendiskussionen bis hin zu Verfahren der Visualisierung und deren Auswertung) im Rahmen von neu entwickelten forschungspraktisch orientierten Studienmodulen.

Eine aktuelle Übersicht über die Lehrveranstaltungen von Prof.in Dr.in Susanne Völker finden Sie auch auf Klips: https://klips2.uni-koeln.de/co/wblvangebot.wbshowlvoffer?ppersonnr=59948
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Veranstaltungen im Sommersemester 2021:

Praxisprojekt: Biographie zwischen Privilegierung und Prekarisierung Forschung mit biographischen Interviews

Ziel der Veranstaltung ist es, die Studierenden an die eigenständige Forschungsarbeit heran zu führen. In diesem Praxisprojekt steht dabei das Forschen mittels biographischer Interviews im Mittelpunkt. Es soll empirisch der ungleichheitssoziologischen Frage nachgegangen werden, wie Erfahrungen von Prekarisierung und/oder Privilegierung in konkreten biographischen Konstellationen gemacht werden. Welche Effekte sozialer Differenzierung und Hierarchisierung (z.B. class, race, gender, dis/ability, sexuality, age) sind lebensweltlich in welchen Relationen und auf welche Weise verflochten? Wodurch werden biographische Spielräume geöffnet oder verengt? Spezifische Erfahrungen der Prekarisierung und/oder Privilegierung sollen durch biographische Interviews zu Bildungsverläufen und /oder (Erwerbs-)Arbeits- und (Selbst-)Sorge-Verhältnissen zugänglich gemacht werden.
In der Veranstaltung geht es um die Beratung von (Teil-)Forschungsprojekten von der Entwicklung einer eigenen Forschungsfrage / -perspektive, über die Konkretisierung des Forschungsfeldes und die Entwicklung des Forschungsinstruments, die praktische Durchführung des Projekts bis zur Erprobung von Auswertungsmethoden.

Zur Einübung in die Methode des biographischen Interviews wird dringend der Besuch einer Veranstaltung zu qualitativen Interviews (Korstian oder Klein) empfohlen.

Sorgen – Versorgen – Pflege: Arbeit, Technik und Geschlecht - offen für Gender-Zertifikat

Mit der Digitalisierung urbaner Räume, städtischer Infrastrukturen und Versorgungssysteme sind weitreichende Wandlungsprozesse verbunden. Diese bringen auch die bislang nach wie vor hochgradig vergeschlechtlichten Versorgungs-, Sorge- und Zuwendungsbeziehungen anders hervor und gestalten die Praktiken des Sorgens und Versorgens, die damit verbundenen Normalitätsannahmen, Bedürfnisanalysen und soziale Beziehungen neu.
Folgende Fragenkomplexe sollen im Seminar verhandelt werden:
(1) Welche Mensch-Technik-Verhältnisse (er)leben ‚wir‘ aktuell? Welche Subjektivierungsweisen eröffnen sich, welche mehr-als-menschlichen Sorgeverhältnisse werden ermöglicht? Was bedeutet die Digitalisierung für die Erwerbsarbeitsverhältnisse in Sorge-, Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen? Werden Technik und Materialitäten gegenwärtig vor allem als durch Menschen gesteuerte und verfügbar gemachte ‚Prothesen‘ verstanden oder werden sie als intraagierende Akteur*innen begrüßt?
(2) Was bedeuten die aktuell stattfindenden ‚Neuhervorbringungen‘ von Mensch-Technik-Verhältnissen in Versorgungsarrangements für die Reproduktion und Transformation sozialer Differenz- und Ungleichheitsverhältnisse in unterschiedlichen Feldern vergeschlechtlichter, ethnisierter und sozial stratifizierter Sorgepraktiken?

Gegenstand sind aktuelle Untersuchungen und theoretische Zugänge (etwa der feministischen Science and Technology Studies) zu Sorge- und Pflegearbeiten und Beschäftigungsverhältnissen.

Herausgefordert: Theorien sozialer Mobilität.

Mit dem soziologischen Konzept der ‚Sozialen Mobilität‘ wird die Möglichkeit in den Blick genommen, durch eigenes Engagement und durch das Nutzen institutioneller Pfade die soziale Position zu verändern. ‚Soziale Mobilität‘ ist jedoch nicht nur ein Begriff soziologischer Analyseinstrumentarien, sondern beinhaltet zugleich ein – nicht eingelöstes – Versprechen auf gerechte gesellschaftliche Teilhabe und Chancen unabhängig von zugeschriebenen Differenzkategorien wie bspw. race, class, gender, sexuality, dis/ability.

Auch aktuell verliert das Konzept der sozialen Mobilität wenig von seiner ‚individuellen‘, gesellschaftlichen und theoretischen Ausstrahlungskraft: die Option der sozialen Aufstiegsmobilität bleibt weiterhin wichtiger Maßstab sozialer Gerechtigkeit und gehört zu den Kernfragen der Gegenwartssoziologie. Allerdings scheinen die ‚Wege‘ sozialer Mobilität aus ihrer nationalstaatlichen Rahmung gefallen: wie lassen sich Pfade sozialen Auf- und Abstiegs in einem postmigrantischen, nationalstaatlich kaum begrenzbaren sozialen Raum beschreiben? Wie lassen sich hier transnationale Erwerbsverhältnisse und soziale Situierungen fassen? Wie ist soziale Immobilität als Verschränkung von Marginalisierungserfahrungen und Differenzzuschreibungen greifbar zu machen?
Und nicht zuletzt ist zu diskutieren, inwieweit angesichts der Ausweitung wachstumskritischer Lebensweisen und Gesellschaftsdebatten das Konzept der sozialen (Aufstiegs-)Mobilität selbst in die Krise gerät und mitunter alternative Konzepte an Attraktivität und Plausibilität gewinnen.
Diesen Fragen wollen wir in der Veranstaltung anhand von gesellschaftstheoretischen Analysen und empirischen Untersuchungen nachgehen.

Studienprojekt 1

Im Mittelpunkt des Seminars stehen das Forschende Lernen sowie die Entwicklung/Vorbereitung des Studienprojekts. Die Teilnehmenden

• entwickeln eigene Fragestellungen und Zugänge zur Operationalisierung und Umsetzung.
• erarbeiten und begründen ergebnisorientierte Forschungs- und Interventionsdesigns.
• stellen ihr Vorhaben dar und evaluieren und korrigieren ggf. dessen Methodologie und Verlauf.
• entwickeln durch den Vergleich zu anderen Projekten Differenzierungs- und Spezifizierungskompetenzen im Hinblick auf die eigene Fragestellung und Perspektive.

In diesem Seminar geht es weniger um die Vermittlung einer spezifischen Methode, als um die Entwicklung und Beratung der jeweiligen Forschungs- bzw. Praxisprojekte. Dabei sollen Erkenntnisse, die Sie im Basismodul III (Überblicksvorlesung zu Methoden und ausgewählte Methoden vertiefendes Seminar) gewonnen haben, in einem eigenständig entwickelten Projekt umgesetzt werden. Die Konzeption und Durchführung der Projekte in Kleingruppen wird ausdrücklich unterstützt.

Bitte bringen Sie zur Auftaktsitzung bereits erste Ideen mit.

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2020/21:

Einführung in die Gender und Queer Studies - Studium Inklusiv

Gender und Queer Studies untersuchen die Hervorbringungen, Konstruktionen, Materialisierungen von ‚Geschlecht‘, 'Sexualität', ‚Geschlechterverhältnissen‘ und 'Heteronormativität' sowie ihre Verflechtungen in sozialen, kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Ordnungsmustern und Klassifikationen. ‚Gender‘ und 'Sexualität' verweisen dabei auf sehr verschiedene Dimensionen, Wirkungsweisen und Bedeutungsgehalte, die unser „In-der-Weltsein“ maßgeblich hervorbringen. Als kritische Verfahren problematisieren Gender und Queer Studies homogenisierende Praktiken und dichotome Gegenüberstellungen, die Ungleichheiten und Ausschlüsse erzeugen und die Anerkennung von Differenzen und eine gleichberechtigte, gerechte Partizipation verhindern. ‚Geschlecht‘ ist dabei kein Gegenstand ‚an sich‘, sondern geht mit anderen sozio-materialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, dissonante Muster ein.
In der Vorlesung sollen Zugänge und Themen der Gender & Queer Studies und feministischer Theorien aus sozialwissenschaftlich geprägter, aber auch aus disziplinübergreifender Perspektive entfaltet und diskutiert werden. Hierbei werden auch aktuelle Impulse und Problematisierungen der Post- und Decolonial Studies sowie des New Materialism aufgegriffen.

Praxisprojekt Biographie

Ziel der Veranstaltung ist es, die Studierenden an die eigenständige Forschungsarbeit heran zu führen. In diesem Praxisprojekt steht dabei das Forschen mittels biographischer Interviews im Mittelpunkt. Es soll empirisch der ungleichheitssoziologischen Frage nachgegangen werden, wie Erfahrungen von Prekarisierung und/oder Privilegierung in konkreten biographischen Konstellationen gemacht werden. Welche Effekte sozialer Differenzierung und Hierarchisierung (z.B. class, race, gender, dis/ability, sexuality, age) sind lebensweltlich in welchen Relationen und auf welche Weise verflochten? Wodurch werden biographische Spielräume geöffnet oder verengt? Spezifische Erfahrungen der Prekarisierung und/oder Privilegierung sollen durch biographische Interviews zu Bildungsverläufen und /oder (Erwerbs-)Arbeits- und (Selbst-)Sorge-Verhältnissen zugänglich gemacht werden.
In der Veranstaltung geht es um die Beratung von (Teil-)Forschungsprojekten von der Entwicklung einer eigenen Forschungsfrage / -perspektive, über die Konkretisierung des Forschungsfeldes und die Entwicklung des Forschungsinstruments, die praktische Durchführung des Projekts bis zur Erprobung von Auswertungsmethoden.
Zur Einübung in die Methode des biographischen Interviews wird dringend der Besuch der Veranstaltung 143890016 von Dr._in Thamar Klein: Qualitative Interviews empfohlen!

Smarte Sorgeverhältnisse: Digtalisierung, Prekarisierung

Mit der Digitalisierung urbaner Räume, städtischer Infrastrukturen und Versorgungssysteme in Gestalt von Smart Citys und Smart Homes sind weitreichende Wandlungsprozesse verbunden. Diese bringen auch die bislang nach wie vor hochgradig vergeschlechtlichten Versorgungs-, Sorge- und Zuwendungsbeziehungen anders hervor und gestalten die Praktiken des Sorgens, die damit verbundenen Normalitätsannahmen, Bedürfnisanalysen und soziale Beziehungen neu.
Folgende Fragenkomplexe sollen im Seminar verhandelt werden:
(1) Welche Mensch-Technik-Verhältnisse (er)leben ‚wir‘ aktuell? Welche Subjektivierungsweisen eröffnen sich, welche mehr-als-menschlichen Sorgeverhältnisse werden ermöglicht? Was bedeutet die Digitalisierung für die Erwerbsarbeitsverhältnisse in Sorge-, Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen? Werden Technik und Materialitäten gegenwärtig vor allem als durch Menschen gesteuerte und verfügbar gemachte ‚Prothesen‘ verstanden oder werden sie als intraagierende Akteur*innen begrüßt?
(2) Was bedeuten die aktuell stattfindenden ‚Neuhervorbringungen‘ von Mensch-Technik-Verhältnissen in Versorgungsarrangements für die Reproduktion und Transformation sozialer Differenz- und Ungleichheitsverhältnisse in unterschiedlichen Feldern vergeschlechtlichter, ethnisierter und sozial stratifizierter Sorgepraktiken?

Gegenstand sind aktuelle Untersuchungen und theoretische Zugänge (etwa der feministischen Science and Technology Studies) zu Sorge- und Pflegearbeiten und Beschäftigungsverhältnissen.

Methoden der empirischen Sozialforschung, der Textanalyse und der Beratung und Intervention

Die Einführungsvorlesung stellt wissenschafts- und erkenntnistheoretische Problemstellungen, Zielsetzungen und Gegenstände empirischer Forschung, wissenschaftlicher Analyse und praktischer Beratung vor. Anhand der Vorstellung und Diskussion konkreter Forschungsvorhaben und –praktiken und der daran beteiligten unterschiedlichen Akteur_innen wird die Vielfalt der Methoden und Perspektiven sichtbar gemacht. Auf dieser Basis werden Fragen der Akteur_innen von Forschung, deren Relevanz sowie die komplexen Subjekt/Objektkonstellationen reflektiert.
Die Überblicksvorlesung ist zudem verknüpft mit je einem Seminar im Bereich der Methoden (1) der empirischen Sozialforschung, (2) der Textanalyse und (3) der Beratung und Intervention, von denen eines wahlobligatorisch zu besuchen ist. Hier werden die in der Vorlesung entfalteten erkenntnistheoretischen und methodologischen Konzeptionen anwendungs- und umsetzungsorientiert im Hinblick auf konkrete Forschungsdesigns, Entwicklung einer eigenen Fragestellung und deren Bearbeitung erprobt.

 

Veranstaltungen im Sommersemester 2020:

Praxisprojekt: Biographie zwischen Privilegierung und Prekarisierung Forschung mit biographischen Interviews

Ziel der Veranstaltung ist es, die Studierenden an die eigenständige Forschungsarbeit heran zu führen. In diesem Praxisprojekt steht dabei das Forschen mittels biographischer Interviews im Mittelpunkt. Es soll empirisch der ungleichheitssoziologischen Frage nachgegangen werden, wie Erfahrungen von Prekarisierung und/oder Privilegierung in konkreten biographischen Konstellationen gemacht werden. Welche Effekte sozialer Differenzierung und Hierarchisierung (z.B. class, race, gender, dis/ability, sexuality, age) sind lebensweltlich in welchen Relationen und auf welche Weise verflochten? Wodurch werden biographische Spielräume geöffnet oder verengt? Spezifische Erfahrungen der Prekarisierung und/oder Privilegierung sollen durch biographische Interviews zu Bildungsverläufen und /oder (Erwerbs-)Arbeits- und (Selbst-)Sorge-Verhältnissen zugänglich gemacht werden.
In der Veranstaltung geht es um die Beratung von (Teil-)Forschungsprojekten von der Entwicklung einer eigenen Forschungsfrage / -perspektive, über die Konkretisierung des Forschungsfeldes und die Entwicklung des Forschungsinstruments, die praktische Durchführung des Projekts bis zur Erprobung von Auswertungsmethoden.
Zur Einübung in die Methode des biographischen Interviews wird dringend der Besuch der Veranstaltung 14389.0020 von Dr. Sabine Korstian: Qualitative Interviews, Do, 14.00 Uhr empfohlen!

Matters of care - Femininistische Theorien zu Materialität, Methode, Technik

„Es ist von Gewicht, mit welchem Anliegen wir andere Anliegen denken. Es ist von Gewicht, mit welchen Erzählungen wir andere Erzählungen erzählen. [...] Es ist von Gewicht, welche Geschichten Welten machen und welche Welten Geschichten machen.“ (Haraway 2018/2016, 23)
Mit ‚Neuem Materialismus’ werden derzeit recht unterschiedliche Überlegungen etikettiert. Einem Teil dieser Ansätze ist gemeinsam, dass sie etablierte Konzepte von Wissen und Handlungsfähigkeit insofern destabilisieren, als sie genau jene Grenzziehungen in Frage stellen, die Vorbedingungen dieser Konzepte sind: Grenzziehungen zwischen Kultur/Natur, zwischen (Be)Deutung/Materialität, Subjekt/Objekt, Menschlich/Nichtmenschlich.
Auch im Strang der feministisch orientierten Ansätze dieser Debatten werden Fragen der Handlungsfähigkeit, der Relationalität, der Sorge- und Technikverhältnisse und der Herstellung von Relationen bearbeitet. Sie werden mit einer Zeitdiagnose verbunden, die sowohl postkoloniale und globale Ungleichheiten in den Blick nimmt als auch Fragen eines gedeihlicheren Ko-Existierens mit nichtmenschlichen Akteur_innen und technischen Artefakten. In dem Lektüreseminar werden insbesondere Texte von Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Susan Leigh Star, Maria Puig de la Bellacasa sowie aus der Designforschung diskutiert.
Voraussetzung für das Seminar ist Interesse an und Lust auf die gemeinsame Lektüre theoretischer Texte.

Das Versprechen der (sozialen) Mobilität: Narrative, Gesellschaftsanalysen, intersektionale Perspektiven

Mit dem soziologischen Konzept der ‚Sozialen Mobilität‘ wird die Möglichkeit in den Blick genommen, durch eigenes Engagement und durch das Nutzen institutioneller Pfade die soziale Position zu verändern. ‚Soziale Mobilität‘ ist jedoch nicht nur ein Begriff soziologischer Analyseinstrumentarien, sondern beinhaltet zugleich ein – nicht eingelöstes – Versprechen auf gerechte gesellschaftliche Teilhabe und Chancen unabhängig von zugeschriebenen Differenzkategorien wie bspw. race, class, gender, sexuality, dis/ability. Für die Gegenwart des 21. Jahrhunderts wird die Vervielfältigung und Temporalisierung sozialer Ungleichheiten, Diskriminierungen und Exklusionsprozesse konstatiert. Zudem nimmt die Unbestimmtheit und Prekarität von Bildungs- und Erwerbskonstellationen ebenso zu wie die Furcht vor sozialem Abstieg wie etwa die Rede von der ‚Abstiegsgesellschaft‘ (Nachtwey), vom Zurückfallen unterschiedlicher sozialer Milieus (Koppetsch), vom ‚Mythos der Meritokratie‘ (Littler) zeigt
Zugleich verlieren Mobilitätserfahrungen und -metaphern gerade auch, wenn sich mitunter partielle Öffnungen sozialer Partizipation beobachten lassen, wenig von ihrer ‚individuellen‘ und gesellschaftlichen Ausstrahlungskraft: die Option der sozialen Aufstiegsmobilität bleibt weiterhin wichtiger Maßstab sozialer Gerechtigkeit. Allerdings scheinen die Wege sozialer Mobilität aus ihrer nationalstaatlichen Rahmung gefallen: wie lassen sich Pfade sozialen Auf- und Abstiegs in einem postmigrantischen, nationalstaatlich kaum begrenzbaren sozialen Raum beschreiben? Wie lassen sich hier transnationale Erwerbsverhältnisse und soziale Situierungen fassen (Stichwort: transnationale, feminisierte Sorgearbeit)? Wie ist soziale Immobilität als Verschränkung von Marginalisierungserfahrungen und Differenzzuschreibungen greifbar zu machen?
Und nicht zuletzt ist zu diskutieren, inwieweit angesichts der Ausweitung wachstumskritischer Lebensweisen und Gesellschaftsdebatten das Konzept der sozialen (Aufstiegs-)Mobilität selbst in die Krise gerät und mitunter alternative Konzepte an Attraktivität und Plausibilität gewinnen.
Diese Fragen wollen wir in der Veranstaltung anhand von gesellschaftstheoretischen Analysen und empirischen Untersuchungen nachgehen.

Studienprojekt 1

Im Mittelpunkt des Seminars stehen das Forschende Lernen sowie die Entwicklung/Vorbereitung des Studienprojekts (Forschungsvorhaben, Projektvorhaben, Praktikum/Mitwirkung in einem Tätigkeitsfeld).

Die Teilnehmenden
· entwickeln eigene Fragestellungen und Zugänge zur Operationalisierung und Umsetzung.
· erarbeiten und begründen ergebnisorientierte Forschungs- und Interventionsdesigns.
· Stellen ihr Vorhaben dar und evaluieren und korrigieren ggf. dessen Methodologie und Verlauf.
· entwickeln durch den Vergleich zu anderen Projekten Differenzierungs- und Spezifizierungskompetenzen im Hinblick auf die eigene Fragestellung und Perspektive.

In diesem Seminar geht es weniger um die Vermittlung einer spezifischen Methode, als um die Entwicklung und Beratung der jeweiligen Forschungs- bzw. Praxisprojekte. Dabei sollen Erkenntnisse, die Sie im Basismodul III (Überblicksvorlesung zu Methoden und ausgewählte Methoden vertiefendes Seminar) gewonnen haben, in einem eigenständig entwickelten Projekt umgesetzt werden. Die Konzeption und Durchführung der Projekte in Kleingruppen wird ausdrücklich unterstützt.

Bitte bringen Sie zur Auftaktsitzung bereits erste Ideen und Vorhaben mit.

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2019/20:

Arbeit, Bildung und soziale Ungleichheiten aus biographischer Perspektive

Prekarisierung wird als zeitdiagnostischer Begriff zur Charakterisierung von Wandlungsprozessen im Bereich der (Erwerbs-)Arbeit und der Bildung genutzt und meint eine doppelte Bewegung: Prekarität bzw. precarity akzentuiert erstens – wie Judith Butler (2010: 32) sagt – den politisch bedingten und zu verantwortenden Zustand der Gefährdung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Es geht hier um einen Modus der politischen Neustrukturierung und Verschränkung von sozialen Ungleichheiten.

Prekarisierung bezeichnet zudem eine zweite Bewegung der Entsicherung: das Erschöpfen sozialer Institutionen als Dezentrierung von zuvor zentralen Konzepten und gesellschaftlichen Vereinbarungen (etwa das fordistische Geschlechterarrangement mit dem ‚männlichen‘ Normalarbeitsverhältnis).
Beide Bewegungen – also die Politiken der Prekarität / der sozialen Differenzsetzung und die kontingenten Entsicherungsdynamiken der Dezentrierung – sind miteinander verknüpft, sie können aber dennoch sehr unterschiedliche Effekte haben. Diesen Effekten soll in dem Seminar mittels der Lektüre von gesellschaftsanalytischen Texten sowie der Auswertung von empirischen Studien nachgegangen werden. Dabei wird der Blick auf insbesondere auf biographische Konstellationen gerichtet werden. Diskutiert werden Studien zu sozialen Lagen, die sich hinsichtlich der Anforderungen des Bildungssystems oder der Erwerbsarbeit als prekär erweisen: aufgrund der ungesicherten / unsicheren Situation im bundesdeutschen Zusammenhang, aufgrund von sozialen und/oder regionalen Herkünften und /oder aufgrund von vergeschlechtlichten Zuschreibungen etc.. Wie gehen die einzelnen mit diesen sozialen Zumutungen um?

Einführung in die Gender und Queer Studies - Studium Inklusiv

Gender und Queer Studies untersuchen die Hervorbringungen, Konstruktionen, Materialisierungen von ‚Geschlecht‘, 'Sexualität', ‚Geschlechterverhältnissen‘ und 'Heteronormativität' sowie ihre Verflechtungen in sozialen, kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Ordnungsmustern und Klassifikationen. ‚Gender‘ und 'Sexualität' verweisen dabei auf sehr verschiedene Dimensionen, Wirkungsweisen und Bedeutungsgehalte, die unser „In-der-Weltsein“ maßgeblich hervorbringen. Als kritische Verfahren problematisieren Gender und Queer Studies homogenisierende Praktiken und dichotome Gegenüberstellungen, die Ungleichheiten und Ausschlüsse erzeugen und die Anerkennung von Differenzen und eine gleichberechtigte, gerechte Partizipation verhindern. ‚Geschlecht‘ ist dabei kein Gegenstand ‚an sich‘, sondern geht mit anderen sozio-materialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, dissonante Muster ein.

In der einführenden Vorlesung sollen zentrale Zugänge und Debatten der Gender & Queer Studies und feministischer Theorien aus sozialwissenschaftlich geprägter, aber auch aus disziplinübergreifender Perspektive entfaltet und diskutiert werden. Hierbei werden auch aktuelle Impulse und Problematisierungen der Postcolonial-, Subaltern- und Affect-Studies sowie des New Materialism aufgegriffen.

Einführung in die qualitative Sozialforschung

Die einführende Vorlesung beschäftigt sich mit den Anfängen und der Entwicklung der empirischen Sozialforschung. Vorgestellt werden zentrale methodologische Perspektiven, klassische, historische sowie aktuelle empirische Studien und ausgewählte Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt dabei auf Verfahren der qualitativen Sozialforschung.

Methoden der empirischen Sozialforschung, der Textanalyse und der Beratung und Intervention

Die Einführungsvorlesung stellt wissenschafts- und erkenntnistheoretische Problemstellungen, Zielsetzungen und Gegenstände empirischer Forschung, wissenschaftlicher Analyse und praktischer Beratung vor. Anhand der Vorstellung und Diskussion konkreter Forschungsvorhaben und –praktiken und der Beteiligung unterschiedlicher Akteur_innen hieran wird versucht, die Vielfalt der Methoden und Perspektiven sichtbar zu machen und Fragen der Akteur_innen von Forschung und der komplexen Subjekt/Objektkonstellationen zu reflektieren.

Die Überblicksvorlesung ist zudem verknüpft je einem Seminar im Bereich der Methoden (1) der empirischen Sozialforschung, (2) der Textanalyse und (3) der Beratung und Intervention, von denen eines wahlobligatorisch zu besuchen ist. Hier werden die in der Vorlesung entfalteten erkenntnistheoretischen und methodologischen Konzeptionen anwendungs- und umsetzungsorientiert im Hinblick auf konkrete Forschungsdesigns, Entwicklung einer eigenen Fragestellung und deren Bearbeitung erprobt.

 

Veranstaltungen im Sommersemester 2019:

Praxisprojekt: Biographie zwischen Privilegierung und Prekarisierung – Forschen mit biographischen Interviews

Ziel der Veranstaltung ist es, die Studierenden an die eigenständige Forschungsarbeit heran zu führen. In diesem Praxisprojekt steht dabei das Forschen mittels biographischer Interviews im Mittelpunkt. Es soll empirisch der ungleichheitssoziologischen Frage nachgegangen werden, wie Erfahrungen von Prekarisierung und/oder Privilegierung in konkreten biographischen Konstellationen gemacht werden. Welche Effekte sozialer Differenzierung und Hierarchisierung (z.B. class, race, gender, dis/ability, sexuality, age) sind lebensweltlich in welchen Relationen und auf welche Weise verflochten? Wodurch werden biographische Spielräume geöffnet oder verengt? Spezifische Erfahrungen der Prekarisierung und/oder Privilegierung sollen durch biographische Interviews zu Bildungsverläufen und /oder (Erwerbs-)Arbeits- und (Selbst-)Sorge-Verhältnissen zugänglich gemacht werden.

In der Veranstaltung geht es damit um die Entwicklung und Beratung von (Teil-)Forschungsprojekten zu Fragen der Privilegierung / Prekarisierung. Von der Entwicklung einer eigenen Forschungsfrage / -perspektive, über die Konkretisierung des Forschungsfeldes und die Entwicklung des Forschungsinstruments, die praktische Durchführung des Projekts bis zur Erprobung von Auswertungsmethoden sowie der Diskussion der inhaltlichen Ergebnisse und der gemachten forschungspraktischen Erfahrungen begleitet das Seminar einen vollständigen Forschungsprozess.

Feministische Theorie: Matters of care – Materialität, Methode, Technik

„Was passiert, wenn menschlicher Exzeptionalismus und eingeschränkter Individualismus, diese vertrauten Spielwiesen westlicher Philosophie und politischer Ökonomie, in den besten Wissenschaften – egal ob Natur- oder Sozialwissenschaften – undenkbar werden? Ernsthaft undenkbar: nicht mehr für das Denken zur Verfügung stehend.” (Donna Haraway 2018:47)

Mit ‚Neuem Materialismus’ werden derzeit recht unterschiedliche Überlegungen etikettiert. Einem Teil dieser Ansätze ist gemeinsam, dass sie etablierte Konzepte von Wissen und Handlungsfähigkeit insofern destabilisieren, als sie genau jene Grenzziehungen in Frage stellen, die Vorbedingungen dieser Konzepte sind: Grenzziehungen zwischen Kultur / Natur, zwischen (Be)Deutung / Materialität, Subjekt / Objekt, Menschlich / Nichtmenschlich.

Auch im Strang der feministisch orientierten Ansätze dieser Debatte werden Fragen der Handlungsfähigkeit, der Relationalität und der Herstellung von Relationen bearbeitet. Sie werden mit einer Zeitdiagnose verbunden, die sowohl postkoloniale und globale Ungleichheiten in den Blick nimmt als auch Fragne eines gedeihlicheren Ko-Existierens mit nicht.menschlichen Akteur_inne . In dem Lektüreseminar werden insbesondere die Texte der Wissenschaftstheoretikerin und Biologin Donna Haraway und der Queertheoretikerin und Physikerin Karen Barad diskutiert.

Prekarisierte und privilegierte Verhältnisse: Biographie, Bildung, Arbeit und Geschlechterarrangements

Prekarisierung wird (wie es Oliver Marchart 2013 in Anlehnung an Bruno Latour formuliert) als zeitdiagnostischer ‚Panorama-Begriff’ für gegenwärtige gesellschaftliche Wandlungsprozesse genutzt und meint eine doppelte Bewegung: Prekarität bzw. precarity akzentuiert erstens – wie Judith Butler (2010: 32) sagt – den politisch bedingten und zu verantwortenden Zustand der Gefährdung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Es geht hier um einen Modus der politischen Neustrukturierung und Verschränkung von sozialen Ungleichheiten.

Prekarisierung bezeichnet zudem eine zweite Bewegung der Entsicherung: das Erschöpfen sozialer Institutionen als Dezentrierung von zuvor zentralen Konzepten und gesellschaftlichen Vereinbarungen (etwa das fordistische Geschlechterarrangement mit dem ‚männlichen‘ Normalarbeitsverhältnis).
Beide Bewegungen – also die Politiken der Prekarität / der sozialen Differenzsetzung und die kontingenten Entsicherungsdynamiken der Dezentrierung – sind miteinander verknüpft, sie können aber dennoch sehr unterschiedliche Effekte haben. Diesen Effekten soll in dem Seminar mittels der Lektüre von gesellschaftsanalytischen Texten sowie der Auswertung von empirischen Studien nachgegangen werden. Dabei wird der Blick auf insbesondere auf biographische Konstellationen gerichtet werden. Diskutiert werden Studien zu sozialen Lagen, die sich hinsichtlich der Anforderungen des Bildungssystems oder der Erwerbsarbeit als prekär erweisen: aufgrund der ungesicherten / unsicheren Situation im bundesdeutschen Zusammenhang, aufgrund von sozialen und/oder regionalen Herkünften und /oder aufgrund von vergeschlechtlichten Zuschreibungen etc.. Wie gehen die einzelnen mit diesen sozialen Zumutungen um? Welche Konstellationen der Privilegierung und Prekarisierung zeigen sich?

Studienprojekt 1

Im Mittelpunkt des Seminars stehen das Forschende Lernen sowie die Entwicklung/Vorbereitung des Studienprojekts (Forschungsvorhaben, Projektvorhaben, Praktikum/Mitwirkung in einem Tätigkeitsfeld).

Die Teilnehmenden
· entwickeln eigene Fragestellungen und Zugänge zur Operationalisierung und Umsetzung.
· erarbeiten und begründen ergebnisorientierte Forschungs- und Interventionsdesigns.
· Stellen ihr Vorhaben dar und evaluieren und korrigieren ggf. dessen Methodologie und Verlauf.
· entwickeln durch den Vergleich zu anderen Projekten Differenzierungs- und Spezifizierungskompetenzen im Hinblick auf die eigene Fragestellung und Perspektive.

In diesem Seminar geht es weniger um die Vermittlung einer spezifischen Methode, als um die Entwicklung und Beratung der jeweiligen Forschungs- bzw. Praxisprojekte. Dabei sollen Erkenntnisse, die Sie im Basismodul III (Überblicksvorlesung zu Methoden und ausgewählte Methoden vertiefendes Seminar) gewonnen haben, in einem eigenständig entwickelten Projekt umgesetzt werden. Die Konzeption und Durchführung der Projekte in Kleingruppen wird ausdrücklich unterstützt.

Kolloquium 4 für die Masterarbeit 1. Jahrgang

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2018/19:

Einführung in die Soziologie

Die Soziologie ist eine in ihrer Entstehung eng mit der Heraufkunft ‚moderner‘, überwiegend kapitalistisch-marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften verbundene Wissenschaft. Sie analysiert die Arbeits- und Organisationsweisen und die Art und Weise der ‚Reproduktion‘ menschlichen Lebens in unterschiedlichen Gesellschaften ebenso wie Fragen des Zusammenhalts und Dimensionen sozialer Ungleichheiten und Benachteiligungen.

Die Vorlesung gibt eine Einführung in die Soziologie anhand ihrer zentralen
Begriffe und Zugangsweisen. Neben der kurzen Einführung in die Entstehung bzw.
das Selbstverständnis des Faches Soziologie als theoretische und empirische
Wissenschaft stehen Grundbegriffe und theoretische Ansätze (Interaktion, Sozialisation, Identität,
Rolle, Organisation, Institution, Soziale Ungleichheit, sozialer Wandel usw.) ebenso wie Beispiele aktueller soziologischer Debatten im Vordergrund.

Feminismus und neuer Materialismus

„Daher glaube ich, daß mein und ‚unser‘ Problem darin besteht, wie wir zugleich die grundlegende historische Kontingenz aller Wissensansprüche und Wissenssubjekte in Rechnung stellen, eine kritische Praxis zur Wahrnehmung unserer eigenen bedeutungserzeugenden, ‚semiotischen Technologien‘ entwickeln und einem nicht-sinnlosen Engagement für Darstellungen verpflichtet sein können, die einer ‚wirklichen‘ Welt die Treue halten, einer Welt, die teilweise miteinander geteilt werden kann..." (Donna Haraway 1995)

Mit ‚Neuem Materialismus’ werden derzeit recht unterschiedliche Überlegungen etikettiert. Einem Teil dieser Ansätze ist gemeinsam, dass sie etablierte Konzepte von Wissen und Handlungsfähigkeit insofern destabilisieren, als sie genau jene Grenzziehungen in Frage stellen, die Vorbedingungen dieser Konzepte sind: Grenzziehungen zwischen Kultur / Natur, zwischen (Be)Deutung / Materialität, Subjekt / Objekt, Menschlich / Nichtmenschlich.
Auch im Strang der feministisch orientierten Ansätze dieser Debatte werden Fragen der Handlungsfähigkeit, der Relationalität und der Herstellung von Relationen bearbeitet. Sie werden mit einer Zeitdiagnose verbunden, die sowohl postkoloniale und globale Ungleichheiten in den Blick nimmt als auch Fragne eines gedeihlicheren Ko-Existierens mit nicht.menschlichen Akteur_inne . In dem Lektüreseminar werden insbesondere die Texte der Wissenschaftstheoretikerin und Biologin Donna Haraway und der Queertheoretikerin und Physikerin Karen Barad diskutiert.

Einführung in die Gender und Queer Studies

Gender und Queer Studies untersuchen die Hervorbringungen, Konstruktionen, Materialisierungen von ‚Geschlecht‘, 'Sexualität', ‚Geschlechterverhältnissen‘ und 'Heteronormativität' sowie ihre Verflechtungen in sozialen, kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Ordnungsmustern und Klassifikationen. ‚Gender‘ und 'Sexualität' verweisen dabei auf sehr verschiedene Dimensionen, Wirkungsweisen und Bedeutungsgehalte, die unser „In-der-Weltsein“ maßgeblich hervorbringen. Als kritische Verfahren problematisieren Gender und Queer Studies homogenisierende Praktiken und dichotome Gegenüberstellungen, die Ungleichheiten und Ausschlüsse erzeugen und die Anerkennung von Differenzen und eine gleichberechtigte, gerechte Partizipation verhindern. ‚Geschlecht‘ ist dabei kein Gegenstand ‚an sich‘, sondern geht mit anderen sozio-materialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, dissonante Muster ein.
In der einführenden Vorlesung sollen zentrale Zugänge und Debatten der Gender & Queer Studies und feministischer Theorien aus sozialwissenschaftlich geprägter, aber auch aus disziplinübergreifender Perspektive entfaltet und diskutiert werden. Hierbei werden auch aktuelle Impulse und Problematisierungen aufgegriffen.

Einführung in die Soziologie - Soziale Intervention und Kommunikation

Die Soziologie ist eine in ihrer Entstehung eng mit der Heraufkunft ‚moderner‘, überwiegend kapitalistisch-marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften verbundene Wissenschaft. Sie ist damit in ihren Perspektiven historisch und auch geopolitisch situiert und begrenzt. Sie analysiert die Arbeits- und Organisationsweisen und die Art und Weise der ‚Reproduktion‘ menschlichen Lebens in unterschiedlichen Gesellschaften ebenso wie Fragen des Zusammenhalts und Dimensionen sozialer Ungleichheiten und Benachteiligungen.

Die Vorlesung gibt eine Einführung in die Soziologie anhand zentraler Begriffe und Zugangsweisen. Neben der kurzen Einführung in die Entstehung bzw. das Selbstverständnis des Faches Soziologie als theoretische und empirische Wissenschaft stehen Grundbegriffe und theoretische Ansätze ebenso wie Beispiele aktueller soziologischer Debatten im Vordergrund.

Methoden der empirischen Sozialforschung, der Textanalyse und der Beratung und Intervention

Die Einführungsvorlesung stellt wissenschafts- und erkenntnistheoretische Problemstellungen, Zielsetzungen und Gegenstände empirischer Forschung, wissenschaftlicher Analyse und praktischer Beratung vor. Anhand der Vorstellung und Diskussion konkreter Forschungsvorhaben und –praktiken und der Beteiligung unterschiedlicher Akteur_innen hieran wird versucht, die Vielfalt der Methoden und Perspektiven sichtbar zu machen und Fragen der Akteur_innen von Forschung und der komplexen Subjekt/Objektkonstellationen zu reflektieren.

Die Überblicksvorlesung ist zudem verknüpft je einem Seminar im Bereich der Methoden (1) der empirischen Sozialforschung, (2) der Textanalyse und (3) der Beratung und Intervention, von denen eines wahlobligatorisch zu besuchen ist. Hier werden die in der Vorlesung entfalteten erkenntnistheoretischen und methodologischen Konzeptionen anwendungs- und umsetzungsorientiert im Hinblick auf konkrete Forschungsdesigns, Entwicklung einer eigenen Fragestellung und deren Bearbeitung erprobt.

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2017/18:

Arbeit und Sorge

„Eine typische Care-Kette funktioniert in etwa so: Die ältere Tochter einer armen Familie in einem Dritte-Welt-Land sorgt für ihre Geschwister (das erste Glied der Kette), während ihre Mutter (das zweite Glied) sich um die Kinder einer Frau kümmert, die in die Erste Welt migriert ist und dort wiederum als Kinderfrau einer Familie in einem reichen Land arbeitet (das letzte Glied). Jede Art von Kette offenbart eine unsichtbare Care-Ökologie, in der ein Care-Arbeiter auf den nächsten angewiesen ist, usw."(Arlie R. Hochschild)

Gegenstand des Seminars sind die sich zuspitzenden Sorgekonflikte in westlichen Arbeitsgesellschaften, die sich in zunehmenden Versorgungslücken im Bereich der Erziehung-, Bildungs-, Pflege- und Sorge-Arbeiten zeigen. Hier greifen nicht nur gesellschaftliche Wandlungsprozesse wie die Prekarisierung der Erwerbsarbeit, der Umbau des Sozialstaats und die Ausdünnung und Kostensenkung der Sozialversicherungssysteme. Die krisenhaften Prozesse sind eingebettet in globale Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse. Denn parallel zur partiellen Rückverlagerung von Aufgaben wie der Pflege älterer und auf umfassendere Hilfe angewiesenen Menschen oder der Kinderbetreuung in den privaten Raum, findet eine Kommerzialisierung von Sorgearbeit und eine Vermarktlichung des Pflege-und Sorgesektors statt. Diese Vermarktlichung von Fürsorge geht mit der Ausweitung von informeller, prekärer, transnationaler Arbeit einhergeht, die sich in der zunehmenden Feminisierung transnationaler Migration (care drain) zeigt. Im Seminar wird untersucht, welche (neuen) Anordnungen globaler Ungleichheitsverhältnisse damit einhergehen; welche Geschlechter- und Sorgearrangements in reichen Ländern damit gestützt werden und welche Konsequenzen dies für die migrierenden Sorgerarbeiter_innen und deren familiale Arrangements und Bindungen hat.

Veranstaltungen im Sommersemester 2017:

Einführung in Praxistheorien und die Praxeologische Soziologie Pierre Bourdieus

„Die Menschen träumen von Befreiungsmaschinen. Aber es kann per definitionem keine Freiheitsmaschinen geben. Ich glaube nicht, dass die Struktur von Dingen Freiheit zu garantieren vermag. Freiheit ist Praxis. Keine Funktionsweise ist an sich befreiend. Freiheit muss ausgeübt werden,“ erklärt Michel Foucault in einem 1982 in der amerikanischen Architekturzeitschrift Skyline erschienenen Interview. Die ‚freiheitlichen’ und herrschaftsgebundenen, kreativen und standortgebundenen Dimensionen sozialer Praxis sind Gegenstand des Seminars.

Grundlegend für ein nicht dualistisches Verständnis von Gebundenheit und Offenheit sozialen Handelns ist die Beschäftigung mit der praxeologischen Soziologie Pierre Bourdieus und mit der an sie anknüpfenden praxisorientierten Soziologie. Im Seminar werden sowohl theoretische Texte als auch empirische Untersuchungen dieser Forschungs- und Theorieperspektive diskutiert.

Gesellschaftstheorien: Diskursordnung, Disziplinar-Gesellschaft, Biomacht und Selbstregierung (Michel Foucault)

Im Mittelpunkt des Seminars steht eine poststrukturalistische Perspektive auf Gesellschaft. Anhand von ausgewählten Texten Michel Foucaults sollen Macht- und Regierungspraktiken, diskursive Ordnungen, Techniken des Regierens und des Selbstregierens in den Blick genommen werden. Anhand seiner historischen Untersuchungen sollen insbesondere die Pädagogik und die mit ihr verbundenen Disziplinierungsprozesse diskutiert werden. Über die Praktiken der Unterwerfung hinaus geht es in dem Seminar zugleich auch um Möglichkeiten der Kritik als „Kunst nicht dermaßen regiert zu werden" (Foucault).

Einbezogen werden auch Filmformate zu Themen wie: Universität 1968, Erziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, intime Verhältnisse: Sexualitäten – Familie – Körper.

Praxisprojekt: Studienerwartungen, Selbstkonzepte und Bildungsbiographien: Lehramtsstudierenden an der Universität zu Köln

Gegenstand des Praxisprojekts sollen die Erwartungen an und Erfahrungen mit der Lehramtsausbildung vornehmlich aus Sicht der Studierenden sein. Mit welchen Vorstellungen, etwa über ein universitäres Studium, über das Verhältnis von Theorie und Praxis, über den Lebensabschnitt ‚Studieren’ nehmen Lehramtsstudierende ihre (Aus)Bildung wahr? Mit welchen Motiven hinsichtlich des angestrebten Lehrberufes, mit welchen – biografischen und intergenerationellen – Bildungserfahrungen nehmen sie ihr Studium auf? (Wie) Verändern sich Haltungen und Einschätzungen im Verlauf des Hochschulbesuchs?

Das Projektseminar möchte Fragen einer ‚guten’ Lehrer_innenbildung und von (sozial) unterschiedlich situierten Erwartungen und Bewertungen aufgreifen und (selbst)reflexiv als Teil der Studienkultur und des Studienalltags thematisieren.

Es ist empirisch ausgerichtet, sein Gegenstand ist die Planung, Durchführung und Dokumentation einer eigenen Forschungsarbeit der Seminarteilnehmer_innen im Bereich der qualitativen Forschung (bspw. Ethnographien oder qualitative Interviews).

Veranstaltungen im Wintersemester 2016/17:

Feministische Theorien: Welt teilen - Differenzen ermöglichen (Irigaray)

„Das Koexistieren mit dem anderen zu erlernen, der in der Konstruktion unserer Tradition ausgeschlossen war, initiiert eine weltweite Koexistenz, die einer der Herausforderungen unseres Zeitalters entspricht. Dem anderen einen Ort eröffnen, sich einer Welt öffnen, die sich von unserer unterscheidet, dies innerhalb unserer eigenen Tradition, ist die erste und die schwierigste multikulturelle Geste. (…) Erforderlich ist, eine Subjektivität auszuarbeiten, die sich von derjenigen unterscheidet, die seit Jahrhunderten die unsrige war, Subjektivität, in der das Zusammenleben und der Austausch nur unter Gleichen und im Innern einer einzigen Tradition stattfand.“ (Luce Irigaray, Welt teilen, 2008: 151)

Wie ist es (‚uns‘) möglich, egalitäre Differenzen zu zulassen, Welt zu teilen und die Logik der ‚Politik der Ähnlichkeit‘ (Butler / Athanasiou 2014) zu verlassen? Diese Frage, die nicht allein Luce Irigaray stellt, soll anhand von neueren queer-feministischen, postkolonialen und affekttheoretischen Texten diskutiert werden. Es geht dabei um Denkbewegungen und Praktiken der Dezentrierung, die den aktuell grassierenden Phantasien der Bedrohung durch ‚Andere‘, der gefürchteten Herabsetzung des (vermeintlich) ‚Normalen‘ und den damit eng verknüpften Politiken der Abschottung und des Othering entgegentreten.

Gesellschaftstheorien: Disziplinar-Gesellschaft und Kontroll-Gesellschaft (Foucault und Deleuze)

Im Mittelpunkt des Seminars stehen zwei poststrukturalistische philosophische Perspektiven auf historische Konfigurationen dessen, was gemeinhin Gesellschaft genannt wird. Anhand von ausgewählten Texten Michel Foucaults, Gilles Deleuzes und von Autor_innen, die an deren Überlegungen zur Disziplinar-, Normalisierungs- oder Kontrollgesellschaft anknüpfen, sollen Macht- und Regierungspraktiken, Techniken des Regierens und des Selbstregierens in den Blick genommen werden. Über die Praktiken der Unterwerfung hinaus geht es zugleich auch um Möglichkeiten der Kritik als „Kunst nicht dermaßen regiert zu werden" (Foucault) wie um die Mannigfaltigkeit und Unkontrollierbarkeit der Prozesse des „Werdens“ (Deleuze).

Praxisprojekt: Bildungsbiographien, soziale Ungleichheiten und Selbstkonzepte

In dem Praxisprojekt soll praktisch erforscht werden, mit welchen Selbstkonzepten Schüler_innen an Schule und Studierende an ihr Studium herangehen. Wie entwickeln sie ihre Bezüge zu Bildung und ihren Institutionen? Wie gelingt es, Bildungsaspirationen zu entfalten, wie werden sie begrenzt? Welche Rolle spielen dabei milieuspezifische und biografische Erfahrungen? Das Projektseminar ist empirisch ausgerichtet, sein Gegenstand ist die Planung , Durchführung und Dokumentation einer eigenen Forschungsarbeit der Seminarteilnehmer_innen im Bereich der qualitativen Forschung.

Veranstaltungen im Sommersemester 2016:

Gesellschaftstheorien, Arbeit und soziale Ungleichheit

Wir leben in einer 'Arbeitsgesellschaft'. Gemeint ist damit ein sozialer Zusammenhang, in dem die historisch spezifische Form der bezahlten, marktvermittelten Erwerbsarbeit nicht nur im ökonomischen Handeln die zentrale Rolle spielt, sondern auch über soziale Anerkennung, Positionierungen und Machtverhältnisse ebenso wie über Lebensführungen und Zeitregime entscheidend (mit-)bestimmt. Gegenwärtig sind die Regulierungen, Institutionen und Verständnisse von Gesellschaft und Arbeit gravierenden Umbrüchen ausgesetzt. Pierre Bourdieu hat mit Blick auf diese Wandlungsprozesse schon zur Jahrtausendwende von der Zunahme von "Ungewissheitszonen" gesprochen (Bourdieu 2001: 202); Oliver Marchart (2013) hat in seinen Überlegungen zu einer postfundamentalistischen Theorie der Gesellschaft Kontingenz und Konflikt als zentrale Antriebe jenes 'unmöglichen Objekts', das wir Gesellschaft nennen, in den Mittelpunkt gestellt. Die Frage der Kontingenz als Offenheit und als Schwanken zwischen Unbestimmtheit und Bestimmtheit nimmt – so eine zentrale These - in gegenwärtigen Prekarisierungsprozessen zu. So werden gesellschaftliche Routinen – wie sie etwa in fordistisch-keynesianistischen Wirtschafts- und Sozialmodellen bis in die 1970er Jahre hervorgebracht wurden – umgearbeitet, erschöpft, instabil. Sie geraten in die Krise, verlieren mitunter ihre Eindeutigkeit und Deutbarkeit.

In dem Seminar soll in historischer und theoriegeschichtlicher Perspektive der Genealogie bürgerlich-kapitalistischer Selbstverständnisse von Gesellschaft und Arbeit nachgegangen und auf ihre Voraussetzungen befragt werden, um so vertiefende Einblicke in aktuelle Umbrüche, Infragestellungen und Erosionen zu gewinnen.

Gender und Queer Studies

Gender und Queer Studies untersuchen die Hervorbringungen, Konstruktionen, Materialisierungen von ‚Geschlecht‘, 'Sexualität', ‚Geschlechterverhältnissen‘ und 'Heteronormativität' sowie ihre Verflechtungen in sozialen, kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Ordnungsmustern und Klassifikationen. ‚Gender‘ und 'Sexualität' verweisen dabei auf sehr verschiedene Dimensionen, Wirkungsweisen und Bedeutungsgehalte, die unser „In-der-Weltsein“ maßgeblich hervorbringen. Als kritische Verfahren problematisieren Gender und Queer Studies homogenisierende Praktiken und dichotome Gegenüberstellungen, die Ungleichheiten und Ausschlüsse erzeugen und die Anerkennung von Differenzen und eine gleichberechtigte, gerechte Partizipation verhindern. ‚Geschlecht‘ ist dabei kein Gegenstand ‚an sich‘, sondern geht mit anderen sozio-materialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, dissonante Muster ein.

In der einführenden Vorlesung sollen zentrale Zugänge und Debatten der Gender und Queer Studies und feministischer Theorien aus sozialwissenschaftlich geprägter, aber auch aus disziplinübergreifender Perspektive entfaltet und diskutiert werden. Hierbei wird auch versucht, aktuelle Impulse und Problematisierungen der Postcolonial-, Subaltern- und Affect-Studies sowie des Material Feminism aufzugreifen.

Ethnographien

Gegenstand der Lehrveranstaltung ist die empirische Arbeit mit der Methode der Teilnehmenden Beobachtung / Ethnographie als ‚Befremden der (‚eigenen‘) Kultur‘. Gemeint ist damit, dass selbstverständliche, kaum hinterfragbar scheinende Praktiken des  alltäglichen Lebens zum Gegenstand von Forschung und damit ihre sozialen Voraussetzungen sichtbar werden. Die Veranstaltung ist auf praktische Erprobungen von ethnographischen verfahren ausgerichtet. Sie dient auch der methodischen Vorbereitung eines im Wintersemester 2016/17 folgenden Praxisprojekt-Seminars (dessen nachfolgende Belegung sich daher anbietet!). Teilnahmevoraussetzung ist die Vorbereitung und Durchführung einer ethnografischen Beobachtung und deren Auswertung. 

Bildung - Arbeit - Geschlecht - Methoden. Kolloguium

Veranstaltungen im Wintersemester 2015/16:

Gesellschaft im Wandel - Arbeit und Zeit

Wir leben in einer 'Arbeitsgesellschaft'. Gemeint ist damit ein sozialer Zusammenhang, in dem die historisch spezifische Form der bezahlten, marktvermittelten Erwerbsarbeit nicht nur im ökonomischen Handeln die zentrale Rolle spielt, sondern auch über soziale Anerkennung, Positionierungen und Machtverhältnisse ebenso wie über Lebensführungen und Zeitregime entscheidend (mit-)bestimmt. In dem Seminar soll in historischer und theoriegeschichtlicher Perspektive der Genealogie bürgerlich-kapitalistischer Selbstverständnisse von Gesellschaft, Arbeit und Zeit nachgegangen und auf ihre Voraussetzungen befragt werden. Welchen Umbrüchen, Infragestellungen und Erosionen sind diese Konzepte gegenwärtig ausgesetzt?

Dabei werden insbesondere Zugänge einer von 'postfundamentalistischen' (Marchart) Sozialtheorien inspirierten Soziologie diskutiert.

feministische theorien: Geschlecht und Affekt

"Unsere Affekte sind niemals ausschließlich unsere eigenen: Affekte werden uns von Anfang an von anderswoher übermittelt. Sie vermitteln uns eine bestimmte Wahrnehmung der Welt, sie veranlassen uns, bestimmte Dimensionen der Welt wahrzunehmen und andere auszuschließen". (Judith Butler 2010: 54)

In dem Lektüreseminar werden neuere Theorien zum Zusammenhang von Affekten und Politik diskutiert, die das Verständnis des 'Politischen' reformulieren und erweitern. Vor dem Hintergrund dramatischer globaler Ungleichheiten und Ausschlüsse, die Leben bedrohen und vernichten, thematisiert diese gleichermaßen theoretische und ethische Debatte Begrenzungen des Wahrnehmbaren, die verletzende und verächtlich-machende Politiken stützen und absichern. Auf welche Weisen sind Affekte formiert durch gesellschaftliche Zwänge, durch die Beschränkung des Denk- und Fühlbaren? Und weiter: Wie können die Möglichkeiten der Ansprechbarkeit, der Empfänglichkeit und Handlungsfähigkeit erweitert werden? Es geht also um Fragen des Affiziert-, des Berührt-Werdens von der Welt und des Affizierens, des Berührens und Bindens der Welt. Diskutiert werden affekttheoretische Texte, die für aktuelle feministische Theorien relevant sind.

Voraussetzung für das Seminar ist Interesse an und Lust auf die gemeinsame Lektüre theoretischer Texte.

Einführung in die empirische Sozialforschung

Die einführende Vorlesung beschäftigt sich mit den Anfängen und der Entwicklung der empirischen Sozialforschung. Vorgestellt werden zentrale methodologische Perspektiven, klassische, historische sowie aktuelle empirische Studien und ausgewählte Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt dabei auf Verfahren der qualitativen Sozialforschung.

Bildung - Arbeit - Geschlecht - Methoden. Kolloguium

 

Veranstaltungen im Wintersemester 2014/15:

Einführung in die empirische Sozialforschung

Die einführende Vorlesung beschäftigt sich mit den Anfängen und der Entwicklung der empirischen Sozialforschung. Vorgestellt werden zentrale methodologische Perspektiven, klassische, historische sowie aktuelle empirische Studien und ausgewühlte Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt dabei auf Verfahren der qualitativen Sozialforschung.

 

Feministische Theorien: Rasterungen, Interferenzen, Affekte

"Wenn man die Dichte der Verflechtungen ernst nimmt, dann gibt es kein Zurück zu einem reinen, unpolitischen, unvergesellschafteten, machtfreien Naturzustand, sondern nur ein Hin zu einer gemeinsamen Produktion von Welt, zu einer Verantwortung, die sich aus der Etablierung einer Beziehung ergibt." (Despret/Haraway 2011)

In dem Lektüreseminar werden feministische Theorien und Zeitdiagnosen zur Analyse von komplexen sozialen Differenz- und Machtverhältnissen diskutiert und auf Möglichkeiten von Intervention, veränderter Ansprechbarkeit, Handlungsfähigkeit und performativen Politiken befragt. Welche Praktiken der Verwiesenheit und welche Empfänglichkeit für Formen der nicht-souveränen Verflechtung mit Anderen_m werden in aktuellen materialistischen (Karen Barad), queertheoretischen (Judith Butler), affekttheoretischen (Brian Massumi) und postkolonialen (Dipesh Chakrabarty) Theoriekontexten verhandelt?

 

Global care chains- Sorgekonflikte und globale Ungleichheiten

„Eine typische Care-Kette funktioniert in etwa so: Die ältere Tochter einer armen Familie in einem Dritte-Welt-Land sorgt für ihre Geschwister (das erste Glied der Kette), während ihre Mutter (das zweite Glied) sich um die Kinder einer Frau kümmert, die in die Erste Welt migriert ist und dort wiederum als Kinderfrau einer Familie in einem reichen Land arbeitet (das letzte Glied). Jede Art von Kette offenbart eine unsichtbare Care-Ökologie, in der ein Care-Arbeiter auf den nächsten angewiesen ist, usw."(Arlie R. Hochschild)

Gegenstand des Seminars sind die sich zuspitzenden Sorgekonflikte in westlichen Arbeitsgesellschaften, die sich in zunehmenden Versorgungslücken im Bereich der Erziehung-, Bildungs-, Pflege- und Sorge-Arbeiten zeigen. Hier greifen nicht nur gesellschaftliche Wandlungsprozesse wie die Prekarisierung der Erwerbsarbeit, der Umbau des Sozialstaats und die Ausdünnung und Kostensenkung der Sozialversicherungssysteme. Die krisenhaften Prozesse sind eingebettet in globale Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse. Denn parallel zur Rückverlagerung von Aufgaben wie der Pflege älterer und auf umfassendere Hilfe angewiesenen Menschen oder der Kinderbetreuung in den privaten Raum, findet eine Kommerzialisierung von Sorgearbeit und eine Vermarktlichung des Pflege-und Sorgesektors statt. Diese Vermarktlichung von Fürsorge geht mit der Ausweitung von informeller, prekärer, transnationaler Arbeit einhergeht, die sich in der zunehmenden Feminisierung transnationaler Migration (care drain) zeigt. Im Seminar wird untersucht, welche neuen Anordnungen globale Ungleichheitsverhältnisse damit einher gehen; welche Geschlechter- und Sorgearrangements der Eliten und Angehörigen aufstrebender Mittelschichten in reichen Ländern damit gestützt werden und welche Konsequenzen dies für die migrierenden Sorgerarbeiter_innen und deren familiale Arrangements und Bindungen hat.

 

 

Prekarisierung. Wandel von Erwerbstätigkeit

Wir leben in einer 'Arbeitsgesellschaft'. Gemeint ist damit eine Gesellschaft, in der die historisch spezifische Form der bezahlten, marktvermittelten Erwerbsarbeit nicht nur im ökonomischen Handeln die zentrale Rolle spielt, sondern auch über soziale Anerkennung, Positionierungen und Machtverhältnisse entscheidend (mit-)bestimmt. In dem Seminar werden einmal die Voraussetzungen 'unseres' 'Arbeitsverständnisses rekonstruiert. Dabei werden die spezifischen Verknüpfungen von Erwerbsarbeit, Geschlecht und Staatsbürger_innenschaft in ihren diskriminierenden Effekten betrachtet. Zum anderen werden aktuelle Wandlungen der Erwerbsarbeit (immaterielle Arbeit, Prekarisierung) analysiert, mit denen nicht nur veränderte Erwerbsverhältnisse verknüpft sind, sondern auch Fragen sozialer Ent-Strukturierungen (etwa der Zunahme von Zonen sozialer Verwundbarkeit und Ent-Bindung) und - oft erzwungenermaßen - Lebens- und Handlungsoptionen in Distanz zur Erwerbsarbeit.

 

Examenskolloquium

 

Vergangene Lehrveranstaltung finden Sie im Archiv.