Methoden der Bildungs- und Sozialforschung unter bes. Berücksichtigung der Genderforschung  / Lehrbereich Soziologie

Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften

 

Geschlechterforschung, soziale Mobilität und soziale Ungleichheiten

Erste Generation Universität in der (post)migrantischen Gegenwartsgesellschaft – Bildungserfahrungen und Gelegenheitsstrukturen muslimischer Studierender an der Universität zu Köln

Laufzeit: geplant März bis Dezember 2022

Beantragt im Rahmen des Fonds: Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen der Entwicklungspläne Gleichstellung und Diversität der Humanwissenschaftlichen Fakultät

Prof. Dr. Susanne Völker unter Mitarbeit von Jihane Mhamdi und Elif Rojin Senpalit

Das Projekt befasst sich mit Bildungsbiographien von Studierenden – vorzugsweise an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln –, die in der ersten Generation an der Hochschule studieren, sich selbst als Muslim*innen begreifen und unterschiedliche Migrationserfahrungen entweder in der Herkunftsfamilie oder im eigenen Leben haben. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Chancen des Bildungsaufstiegs und der sozialen Mobilität insbesondere die Lehramts- und erziehungswissenschaftlichen Studiengänge bereithalten und welchen (partiellen) Marginalisierungs- und Ausgrenzungsprozessen sich Studierenden an der Universität und/oder in ihrem späteren Berufsfeld gegenüber sehen.

Theoretisch greift das Projekt die Frage nach (ungleichen) Bildungschancen und Chancen auf soziale Mobilität in heterogenen, (post)migrantischen Gesellschaft, nach Partizipation und / oder (partiellen) Ausschlüssen auf. In der soziologischen Konzeptionalisierung von ‚sozialer Mobilität‘ werden damit vornehmlich vertikale Auf- und Abstiege im sozialen Raum gefasst – etwa durch Realisierung von Bildungsaufstiegen und deren Umwandlung in adäquate (berufliche) Statuspositionen oder das Misslingen derselben. ‚Soziale Mobilität‘ beinhaltet darüber hinaus die meritokratische Illusion bzw. das nicht eingelöste Versprechen auf gerechte Teilhabe unabhängig von zugeschriebenen, strukturmächtigen Differenzkategorien wie bspw. race, class, gender, sexuality, ethnicity, dis/ability. Für westeuropäische (post)migrantische Gesellschaften der Gegenwart wird allerdings gerade die Vervielfältigung und Temporalisierung intersektionaler Ungleichheiten, Diskriminierungen und Exklusionsprozesse (El-Tayeb 2016 a+b) konstatiert. 
Für die Verhandlungen von gesellschaftlicher Diversität und Ungleichheitsstrukturen spielen Bildungsinstitutionen wie Schule und Hochschule eine zentrale Rolle. Der Blick auf die akademische (Aus)Bildung zeigt: Zum einen nehmen die Auseinandersetzungen um die Universität als Austragungs- und Produktionsort gesellschaftlicher Differenzsetzungen und Exklusionen auch hierzulande zu. [...] Zum anderen zeigen sich in der Studierendenschaft sehr heterogen situierte Bezüge zu Fragen von Bildungsbiographien und -aufstiegen, die wichtige Hinweise auf eine wachsende Diversität der Dynamiken von ‚sozialer Mobilität‘ geben. Diese ‚situierten Wissen‘ zeigen sich gerade auch in der Methodenausbildung und den Forschungsaktivitäten der Studierenden. An diesen ‚forschenden Seminarraum‘ als Raum heterogener Beteiligung soll mit dem Projekt angeknüpft werden, indem die Artikulationen unterschiedlich situierter Personen mit ihren Lebenswelten, sozialen Eingebundenheiten und ihren Wissensproduktionen zum Ausgangspunkt der Forschung gemacht und über aktive Partizipation an dem Forschungsprozess beteiligt werden.

 


Materialität und Geschlecht

Unser Forschungszusammenhang im Forschungsschwerpunktbereich Materialität und Geschlecht untersucht den Zusammenhang von Technik und Sorgeverhältnissen in Prozessen der Wissensproduktion und zeitgenössischen sozialen Umbruchskonfigurationen. Ausgangspunkt unseres Forschungsvorhabens ist die Problematisierung der binär vergeschlechtlichten Gegenüberstellung von Technik und Sorge und somit die zeitgenössische Herausforderung die Verschränkung von Wissen, Technik und Verantwortung bzw. Sorgeverhältnissen in den Blick zu bekommen. Mit unserer Konzeptionalisierung von Geschlecht als provisorischer Grenzziehung relationaler Materie "kommt (dagegen) eine Form von Handlungsfähigkeit in den Blick, die nicht von Kategorien, Binarität und Homogenität ausgeht", sondern von Relationen und Verschränkungen, und somit "gerade Politiken der Ausschließung sichtbar macht, insofern sie von der Unmöglichkeit des Ausschlusses handelt." (zit. Bath/Meißner/Trinkaus/Völker 2013, S. 21) Dabei verstehen wir Prozesse der Wissensproduktion als soziotechnische Apparaturen der Produktion von Phänomenen, die bestimmte Relevanzen und Ausschlüsse erzeugen und somit je schon als Sorgepraktiken, -Beziehungen und -techniken der Herstellung von Welt bzw. einem mehr-als-menschlichem Sozialem begriffen werden müssen. Dies erfordert ganz grundlegend eine methodologische Umorientierung von repräsentationalistischen Abbildungsverhältnissen hin zu explorativen Methodendesigns, die Forschungsmethoden selbst als Teil der Phänomene verstehen, zu deren Hervorgehen und Fortbestehen sie beitragen, und in diesem Sinne Forschungsmethoden somit selbst als Sorgepraktiken verstehen. Damit geht es in unserem Projektvorhaben auch darum Methodologien des New Materialism zu entwickeln, die nichtmenschlichen, mithin technischen Akteur*innen eine aktive Teilhabe am Forschungsprozess und Werden von Welt gestatten.

Der Forschungszusammenhang der Universität zu Köln (Prof. Dr. Susanne Völker, Dr. Lisa Handel) mit der Universität Bielefeld (Prof. Dr. Diana Lengersdorf, Prof. Dr. Tomke König, PD Dr. Stephan Trinkaus) und der Technischen Universität Braunschweig (Prof. Dr. Corinna Bath) umfasst die Antragstellung von Einzelanträgen und zielt zugleich auf den Aufbau einer hochschulübergreifenden Forschungsgruppe. 


Abgeschlossene Projekte

Eribon revisited - Perspektiven der Gender und Queer Studies - D-A-CH-Publikationsprojekt zu Theorien und Empirien sozialer Ungleichheiten (class, race, sexuality, gender), herausgegeben von Prof. Dr. Elke Kleinau und Prof. Dr. Susanne Völker (Universität zu Köln)

Auf der Phänomenebene sozialer Prozesse und Praktiken zeigen sich fortdauernde und zugleich in ihren Verknüpfungen und Gewichtung immer wieder auch neue Konstellationen sozialer Ungleichheiten. Aktuelle Forschungen hierzu sowie deren theoretische und methodologische Reflexion haben weitgehende Verschiebungen in der analytischen Fassung sozialer Ungleichheiten motiviert: etwa zu der Verschränkung vielfältiger Dimensionen und Dynamiken sozialer Klassifizierung (Intersektionalitätsforschung), zu der geopolitischen Verortung von Ungleichheitsdebatten (Einsprüche aus post- und dekolonialer Perspektive) oder zum Zusammenhang von Sexualität und sozialen Klassen.
Die Publikation macht die Schriften von Didier Eribon zum Ausgangspunkt und fragt, wie sie zur Neufigurierung der Debatten um soziale Ungleichheit und Bildungsprozesse beitragen.

Karolin Kalmbach, Elke Kleinau, Susanne Völker (Hrsg.) (2020): Eribon revisited – Perspektiven der Gender und Queer Studies. Wiesbaden: Springer VS.

 

Sexuelle Bildung, Heterogenität und Inklusion - Forschungstagung vom 16. bis 17.11.2018 in Kooperation mit SINTER (veranstaltet von Prof. Dr. Elke Kleinau, Prof. Dr. Susanne Völker, Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität zu Köln) und Dr. Karla Verlinden (Hochschule Düsseldorf)

Die Forschungstagung setzt den thematischen Schwerpunkt 'Sexuelle Bildung' am Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Humanwissenschaftlichen Fakultät der UzK und die Zusammenarbeit mit GeStiK in diesem Themenfeld fort. Diskutiert werden differente theoretische Zugänge, die Praktiken pädagogischer Institutionen, Fragen von dis/ability und geschlechtlicher Vielfalt sowie die Erfahrungen von Flucht und Migration für die Anforderungen an sexuelle Bildung.

 

"Studieren an der Universität zu Köln - Vielfältige Lebensführungen, chancengleiche Partizipation und interdisziplinäres Studieren", gefördert aus Mitteln des Finanzfonds der Universität zu Köln zur Umsetzung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrags.

Laufzeit: Sommersemester 2014 und Wintersemester 2014/2015

Gefördert aus Mitteln des Finanzfonds der Universität zu Köln zur Umsetzung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrages

Leitung: Stephanie Reuter Zakirova

Projekt zur Alltags- und Diversitätsforschung und zur Erprobung innovativer, queertheoretisch fundierter Methodologien. Inhaltliche und didaktische Vorbereitung des einzurichtenden Verbundstudiengangs Master Gender&Queer Studies, geplant in Kooperation der Kölner Hochschulen, Deutsche Sporthochschule Köln, Fachhochschule Köln, Kunsthochschule für Medien, Hochschule für Musik und Tanz und der Universität zu Köln (Federführung).

Das Projekt zielt darauf, die Einführung eines fakultätsübergreifenden zweistufigen Zertifikats 'Gender Studies' zu begleiten und die Einführung eine fakultätsübergreifenden Masterstudiengangs 'Gender Studies' vorzubereiten. Es geht darum, den Studiengang auf eine partizipative Weise zu entwickeln, so dass im Prozess der Konzeptionierung die Frage des chancengerechten Zugangs zum maßgebenden Planungskriterium wird. Zugleich und mit Blick auf die nachhaltige Verankerung innovativer Methoden soll ein Lehrveranstaltungsformat entwickelt werden, das die Herausbildung von Gender- und Diversitäts-Kompetenz auch für künftige Studierende des Masterstudiums befördert.

Entwickelt und erprobt werden soll eine forschende Lehrveranstaltung, die Geschlechtergerechtigkeit als zentralen methodischen Ausgangspunkt hat und sich an Student_innen aller Fakultäten richtet. Ihre konkrete Forschungsaufgabe ist es, Studierende mit sozial ungleichheitsrelevanten Lebenslagen über ihre Möglichkeiten und eben auch Verhinderungen für die Teilnahme an einem solchem Verbund-Masterstudiengang 'Gender Studies' zu befragen und in den Prozess der Konzeption fakultätsübergreifender Studiengänge aktiv zu integrieren.

 

Gender und Altern in NRW - Begleitung des Aufbaus der Altenberichterstattung und Beteiligung an dem Entwurf des ersten Altenberichts "Alt werden in Nordrhein-Westfalen" unter der Genderperspektive, gefördert durch das Ministerium für Gesundheit, Emazipation, Pflege und Alter (MGEPA) Nordrhein-Westfalen

Laufzeit: November 2013 bis einschließlich November 2014

Gefördert vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

Leitung: Prof. Dr. Susanne Völker, Mitarbeit: Indra Röglin und Miriam Courbier

Kommentierung und Überarbeitung der Berichterstattung, Flankierung durch eine qualitative Pilotstudie zur Lebenssituation und Geschlechterkonstellation (hoch)altriger Paare. Konzeptionelle Grundlegung für weitere Berichterstattungen (vgl. Abschlussbericht).

Die Lebensbedingungen von älteren und hochaltrigen Menschen sind heterogen und verweisen auf unterschiedliche Potenziale und Problemlagen. Dabei bringen Alter(n)sprozesse einerseits spezifische Herausforderungen mit sich, andererseits ist die Phase des Alter(n)s nicht vom gesamten Lebensverlauf, von der Wirksamkeit sozialer Ungleichheitsdimensionen und von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen abzukoppeln. Hierbei spielt "Geschlecht" als Dimension der Vergesellschaftung und der Selbstverhältnisse eine wesentliche Rolle.

Dabei sind die Einzelnen - als 'Männer' und 'Frauen' oder als Menschen, die sich dieser Klassifikation entziehen - nicht nur biographischen, sozio-kulturellen Anforderungen und unterschiedlichen Sozialpolitiken ausgesetzt, sie gestalten ihre Leben selbst, nehmen Gelegenheitsstrukturen wahr, verwerfen diese oder arbeiten sie um und bringen damit 'Alter(n)' als Lebensphase mit hervor.  

Für die Konzeptionierung und Begleitung einer Altenberichterstattung in NRW bedarf es daher sowohl eines gesellschaftsanalytischen, multidimensionalen Zugriffs, der Verhältnisse der Privilegierung und/oder Benachteiligung im Lebensverlauf und in der Verschränkung mit weiteren Ungleichheitsdimensionen erfasst, als auch der systematischen Berücksichtigung des Handelns der Akteur_innen, die 'eigen-sinnig' und ganz praktisch ihren Alltag leben und bewältigen.

In dieser Forschungskonzeption wird daher ein theoretischer und methodologischer Zugang gewählt, der drei Perspektiven bearbeitet und verknüpft:

  • eine gesellschaftsanalytisch eingebettete Genderperspektive, die Tranformationsprozesse in gesellschaftlichen Teilbereichen (Erwerbsarbeit, Lebensformen und 'Familie', Sozialstaat) hinsichtlich der Implikationen für Alt-sein/Alt-werden aus Perspektive der Geschlechterforschung untersucht, 
  • ein zeitlich / generationell situiertes Lebenslagenkonzept, das die komplexe Lebenssituation älterer und hochaltriger Männer und Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilfeldern, nach regionalen (urban / ländlich) und infrastrukturellen Aspekten unterschieden analysiert und
  • eine auf Ressourcen der praktischen Lebensführungen zielende Milieuforschung, die nach den spezifischen lebenspraktischen und sozialen Orientierungen der Einzelnen und ihren Handlungsstrategien bei der Bewältigung des Alltäglichen fragt.