Dissertationsprojekte
Aktuelle Promotionsvorhaben am Lehrstuhl Prof'in Dr. Kerstin Ziemen.
Maria Kreilinger
Arbeitstitel: Inklusiver Unterricht als Herausforderung. Inklusive Bildung für Kinder mit schwerer geistiger Behinderung und/oder sozial-emotionaler Benachteiligung?
Gelingende Faktoren aus Sicht der Lehrerinnen.
Abstract: Sozial und emotional benachteiligte Kinder, sowie Kinder mit der Diagnose schwere geistige Behinderung gelten nach wie vor als größte Herausforderung in sogenannten Integrationsklassen und werden überwiegend in Sonderschulklassen unterrichtet.
Durch die wissenschaftliche Arbeit sollen Bedingungen sichtbar gemacht werden, unter denen inklusiver Unterricht mit Kindern mit SPF (Sonderpädagogischem Förderbedarf) aufgrund des Verhaltens bzw. aufgrund schwerer geistiger Behinderung gelingen kann.
Durch internationale Vergleiche (Bsp.: Kanada) soll ein Referenzrahmen geschaffen werden, wie inklusive Bildung auch für oben beschriebene Kinder möglich gemacht werden kann.
Wege für eine optimale Bildung innerhalb der allgemeinen Schule werden durch Interviews mit LehrerInnen im Bundesland Salzburg (Österreich) erforscht. Unterstützungssysteme und belastende Faktoren werden aufgezeigt.
Mara Wittenhorst
Arbeitstitel: Vorstellungen, Bilder und Modelle von geistiger Behinderung in der Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik unter dem Einfluss der Medizin
Abstract: Betrachtet man die Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik aus historischer Perspektive und nimmt dabei insbesondere den Behinderungsbegriff und das Denken über Behinderung in den Blick, erscheint die Medizin als so bedeutend, dass zum Teil bis heute eine untrennbare Verknüpfung von Krankheits- und Behinderungsbegriffen sowie von medizinischem und pädagogischem Denken und Handeln konstatiert wird.
In dem Promotionsvorhaben werden gezielt Artikel aus Fachzeitschriften der wissenschaftlichen Heil‑, Sonder- und Behindertenpädagogik der letzten 65 Jahre untersucht. Anhand dieser Analyse soll geklärt werden, inwieweit latenter oder manifester Einfluss auf die Sprache der genannten pädagogischen Disziplinen durch die Medizin erkennbar ist. Da Denkprozesse sich in Sprache vollziehen, führt die Analyse von Sprache auch zu Erkenntnissen über das Denken. Das Denken der Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik umfasst unter anderem Vorstellungen, Bilder und Modelle von geistiger Behinderung. Diese prägen bis heute die gesellschaftliche und wissenschaftliche Hervorbringungen von geistiger Behinderung. Besonders im Zuge der Inklusionsbestrebungen gilt es, die vorherrschenden Vorstellungen, Bilder und Modelle von geistiger Behinderung kritisch zu hinterfragen und herauszufinden, inwiefern diese bis heute tatsächlich durch die Medizin geprägt werden. Denn durch die Medizin beeinflusste Vorstellungen, Bilder und Modelle können zu einem zentralen Exklusionsrisiko für Menschen mit geistiger Behinderung werden. Nur durch die Rekonstruktion der gesellschaftlich-historischen und wissenschaftlichen Hervorbringung von geistiger Behinderung und Kritik an dieser, wird eine Überwindung bzw. grundlegende Neugestaltung der gegenwärtigen Exklusionsrisiken möglich. Die Analyse der Sprache in Fachzeitschriften kann zur Rekonstruktion der wissenschaftlichen Hervorbringung von geistiger Behinderung in der Heil-, Sonder- und Behindertenpädagogik beitragen und hat so besondere Relevanz für die kritische Betrachtung und Überwindung dieses Prozesses.
Benjamin Badstieber
Arbeitstitel:Inklusive Schulentwicklungsprozesse nachhaltig und wirksam gestalten - Bedeutung für das Leitungshandeln von Schulleiter/-innen (Arbeitstitel)
Spätestens seit der Ratifizierung der UN-BRK ist die Ausgestaltung eines „inclusive school systems at all levels" in Deutschland zu einem bedeutenden, umfassenden und tiefgreifenden Reformauftrag geworden. Die Umsetzung der Menschenrechte ist nicht mit kurzfristigen, zusätzlichen Maßnahmen zu realisieren. Vielmehr macht Inklusion einen Paradigmenwechsel notwendig, der die derzeitige Gestaltung schulischer Kulturen, Praktiken und Strukturen grundsätzlich in Frage stellt. (vgl. Wernstedt 2010)
Die Forschung zur Schulentwicklung und Steuerung hat dabei früh zeigen können, dass trotz der Notwendigkeit zentralisierter Steuerungs- und Reformprozesse sich die Qualität und Wirkungsweise der schulpolitischer Reformen auf Ebene der Einzelschule entscheidet. (vgl. u.a. Rolff 2007, 13) Schulleitungen nehmen in diesen tiefgreifenden Schulentwicklungsprozessen grundsätzlich eine zentrale Rolle ein. Qualität, Wirksamkeit und Erfolg von schulpolitischen Reformen hängen in hohem Maße von den Leistungen der Schulleitungen ab. (vgl. u.a. Huber 2009) Dies gilt insbesondere auch für die Umsetzung der Inklusion (vgl. u.a. Amrhein 2011).
Empirisch gesicherte Erkenntnisse, wie Schulleitungen und Schulleiter Inklusion wirksam und nachhaltig an ihrer Schule umsetzen können, fehlen bis heute weitestgehend. Tatsächlich existiert eine massive Forschungslücke für den Bereich „Leitungshandeln in inklusiven Schulentwicklungsprozessen".
Das geplante Promotionsvorhaben rückt daher den Schulentwicklungsprozesse zur Umsetzung der Inklusion aus der Perspektive von Schulleiterinnen und Schulleitern in den Blick. Es ist in ein dreijähriges (2014-2017) von der Deutschen Gesellschaft Unfallversicherung (DGUV) gefördertes und in Kooperation mit Frau Vertr.- Prof. Dr. Amrhein und Frau Prof. Dr. Ziemen konzipiertes Projekt eingebunden. Übergeordnetes Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Schulleitungen zukünftig die Umsetzung inklusiver Schulentwicklungsprozesse wirksam und nachhaltig auf der Ebene ihrer jeweiligen Einzelschule steuern und gestalten können.
Das Forschungsdesign sieht eine Kombination aus mehreren Erhebungsverfahren vor. Es werden quantitativ ausgerichtete, schriftlich standardisierte Befragung mit einem Fragebogen, qualitativ ausgerichtete Fallstudien an Einzelschulen anhand von leitfadengestützten Interviews und Gruppendiskussionen durchgeführt werden.
Christa Hölzl (abgeschlossen)
Titel: SonderpädagogInnen als GutachterInnen?
Gutachtenerstellung aus der Perspektive von SonderpädagogInnen als GutachterInnen
Abstract: Das „sonderpädagogische Gutachten" wird in Österreich von SonderpädagogInnen erstellt und dient als Grundlage für einen „Sonderpädagogischen Förderbedarf" (SPF). Mittels Literaturanalyse findet eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Sonderpädagogischen Förderbedarfs hinsichtlich der (sonder)pädagogischen Diagnostik statt. In der Studie werden durch einen internationalen Ländervergleich die Entwicklungen von (sonder)pädagogischen Diagnoseprozessen mit Blick auf inklusive Bildung erforscht.
Schwerpunkt der Dissertation ist die Untersuchung der Arbeit von GutachterInnen im Spannungsfeld zwischen Rechtsgrundlage, fachlicher Basis und menschlicher Dimension. Mit der methodischen Brille der Metaphernanalyse werden die zum Teil ambivalenten und widersprüchlichen Handlungsweisen der SonderpädagogInnen im (sonder)pädagogischen Diagnoseprozess analysiert. Aus der Perspektive der interviewten GutachterInnen wird deren sozialer Raum forschend betreten.
Andreas Köpfer (abgeschlossen)
Titel: Inclusion in Canada - Analyse inclusiver Unterrichtsprozesse, Unterstützungsstrukturen und Rollen am Beispiel kanadischer Schulen in den Provinzen New Brunswick, Prince Edward Island und Québec
Abstract: In diesem Promotionsvorhaben wird das kanadische inclusive Schulsystem exemplarisch und bezogen auf die drei Hauptaspekte Unterricht/Didaktik, Unterstützungsstrukturen und Rollenverhalten der entsprechenden Personen untersucht. Besondere Berücksichtigung finden hierbei Kinder und Jugendliche, denen eine geistige Behinderung zugeschrieben wird. Hier wird untersucht, wie die Provinzen New Brunswick, Prince Edward Island und Québec mit ihrer bis zu 20-jährigen Erfahrung mit Inclusion mit der Heterogenität der Schülerschaft umgehen und insbesondere Unterstützungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung implementiert haben. Das Forschungsdesign hält eine ethnographische Feldforschung bereit, in welcher mittels (Experten-) Interviews, Unterrichtsbeobachtungen und Forschungstagebuch qualitative Methoden angewandt werden. Als methodologische Basis dient die Grounded Theory Methodology. Wissenschaftstheoretische Bezugspunkte findet die Arbeit in der Sozialtheorie Bourdieus und in der Verhaltens- und Kommunikationstheorie Goffmans.