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Parallele Verarbeitung semantischer Informationen beim Satzlesen von Kindern der 2. und 4. Klasse: Eine Eye-Tracking-Studie unter Verwendung des Boundary-Paradigmas (PARSE)

 

Projektteam: Dr. Lisa Gerhards (Projektleitung), Prof. Dr. Prisca Stenneken

Lehrstuhlübergeifendes Projekt in Kooperation mit: Miyuki Henning, M.A. (Projektleitung), Prof. Dr. Ralph Radach, Bergische Universität Wuppertal

Projektlaufzeit: Januar bis Dezember 2026

Projektbeschreibung:

Das Verständnis der typischen Leseentwicklung im Kindesalter ist elementar, um eine fundierte Basis für die Diagnostik und auch für mögliche Förderansätze zu schaffen. Blickbewegungsmessungen können hierbei einen bedeutenden Beitrag leisten. Beim Lesen werden nicht nur die Informationen des fixierten Wortes, sondern auch die der benachbarten Wörter verarbeitet.  Die Blickspanne von Kindern der zweiten und vierten Klasse beträgt drei bis vier Buchstaben nach links und etwa elf Buchstaben nach rechts und ist somit kleiner als die von Erwachsenen. Bei geübten erwachsenen deutschsprachigen Leser:innen gibt es Hinweise darauf, dass orthografische, phonologische und semantische Informationen vorverarbeitet werden (Hohenstein et al., 2010). Wörter können demnach parallel verarbeitet werden, was ein effizientes und flüssiges Lesen ermöglicht. Während frühere Untersuchungen bereits die Verarbeitung orthografischer und phonologischer Informationen im peripheren Sichtfeld beim Lesen im Kindesalter beleuchtet haben (z. B. Tiffin-Richard & Schroeder, 2015), wurde die Rolle semantischer Vorverarbeitung bei jungen Leser:innen bisher noch nicht untersucht.

Mithilfe des in der Eye-Tracking-Forschung etablierten Paradigma der blickbedingten Grenze (gaze contingent boundary paradigm, vgl. Rayner, 1975) soll in der vorliegenden Studie untersucht werden, ob und mit welchem Alter Kinder semantische Informationen aus nachfolgenden Wörtern beim Lesen von Sätzen verarbeiten. Es sollen die Leseleistungen bzw. Blickbewegungen von Kindern der zweiten und vierten Klasse verglichen werden, um entwicklungsbedingte Veränderungen der semantischen Vorverarbeitung zu identifizieren. 

gefördert von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs)