Leitbild in Lehre und Forschung
Lehrstuhl für Konzeption und Evaluation schulischer Förderung im Förderschwerpunkt Lernen
Unser Selbstverständnis
Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten bilden national wie international die mit Abstand größte Gruppe mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Ob sie sicher lesen, schreiben und rechnen lernen, entscheidet wesentlich über ihre Bildungs- und Teilhabechancen: in der Schule, beim Übergang in Ausbildung und Beruf und darüber hinaus. Zugleich hat sich ihre schulische Situation grundlegend verändert. Ein großer Teil von ihnen lernt heute an allgemeinen Schulen, viele wachsen mehrsprachig auf und nicht wenige haben einen erheblichen Förderbedarf, ohne dass dieser je formal festgestellt wurde.
Als Lehrstuhl am Department Heilpädagogik und Rehabilitation sehen wir unsere Aufgabe darin, für diese Lernenden wirksame Förderung zu entwickeln, ihre Wirksamkeit unter realen Schulbedingungen zu prüfen und dieses Wissen in die Ausbildung von Lehrkräften und in die schulische Praxis zu tragen.
Grundsätze
- Evidenzorientierung: Förderentscheidungen sollen sich auf die beste verfügbare empirische Evidenz stützen, nicht auf Tradition, Überzeugung oder pädagogische Moden.
- Praxisnähe: Unsere Fragestellungen entstehen aus dem Schulalltag. Förderansätze müssen sich unter den Bedingungen realer Klassen bewähren.
- Methodische Sorgfalt: Wir wählen Designs, die zur Fragestellung passen, und berichten unsere Ergebnisse transparent, auch wenn sie nicht unseren Erwartungen entsprechen.
- Offenheit: Wir veröffentlichen in begutachteten Fachzeitschriften, nach Möglichkeit Open Access, und stellen unsere Befunde national wie international zur Diskussion.
Forschung
Im Zentrum stehen Förderansätze im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Fragen der Diagnostik, der Mehrsprachigkeit und der Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf. Wir verstehen unsere Arbeit als Translationsforschung: Ein Förderansatz gilt für uns erst dann als bewährt, wenn er nicht nur wirkt, sondern sich von Lehrkräften im regulären Unterricht verlässlich umsetzen lässt. Methodisch arbeiten wir vor allem mit kontrollierten Einzelfallstudien, die Fördereffekte auch in kleinen und heterogenen Gruppen prüfbar machen. Ergänzend nutzen wir Gruppenvergleiche, Meta-Analysen, latente Profil- und Transitionsanalysen sowie qualitative und Mixed-Methods-Zugänge. Viele unserer Studien entstehen in enger Zusammenarbeit mit Schulen.
Lehre
Wir verantworten den Förderschwerpunkt Lernen im Studiengang „Master of Education: Lehramt für sonderpädagogische Förderung“. Die meisten unserer Studierenden werden später in inklusiven Settings unterrichten, oft unter deutlich schwierigeren Bedingungen als noch vor einigen Jahren. Ziel unserer Lehre ist deshalb ein wissenschaftlicher Habitus: Lehrkräfte, die für Probleme ihres Unterrichts Lösungen in aktueller Forschung suchen, Befunde kritisch prüfen und auf ihre Lerngruppe übertragen. In unseren Veranstaltungen arbeiten Studierende mit aktueller, auch englischsprachiger Fachliteratur. Gute Lehre ist für uns ohne eigene Forschung nicht denkbar: Wir lehren zu den Themen, zu denen wir selbst forschen, und beziehen Studierende über Masterarbeiten in laufende Projekte ein.
Wissenschaftlicher Nachwuchs
Wir begleiten Promotionen und weitere Qualifikationsvorhaben, binden Nachwuchskräfte früh in Forschungsprojekte und Publikationen ein und eröffnen ihnen den Zugang zu unseren nationalen und internationalen Netzwerken.
Internationale Vernetzung
Der Lehrstuhl ist in der internationalen Forschung zu Lernstörungen fest verankert. Prof. Dr. Matthias Grünke ist Vorsitzender des Publications Committee der International Academy for Research in Learning Disabilities (IARLD) und Vizepräsident von Learning Disabilities Worldwide. Im Juli 2027 richtet der Lehrstuhl die Jahrestagung der IARLD in Köln aus.
Mitglieder des Lehrstuhls sind an der Herausgabe und Redaktion folgender Fachzeitschriften beteiligt:
- Empirische Sonderpädagogik
- International Journal for Research in Learning Disabilities
- Insights into Learning Disabilities
- Learning Disabilities: A Contemporary Journal
Transfer
Gesichertes Wissen über wirksame Förderung soll auch außerhalb der Hochschule ankommen. Dazu tragen praxisorientierte Publikationen bei, etwa der Band Interventionen bei Lernstörungen (Lauth, Grünke & Brunstein, 2025), außerdem die Zusammenarbeit mit Schulen in unseren Studien und die LRS-Gutachtenstelle für Studierende mit Lese-Rechtschreib-Störung.