Reflexive Lernprozessbegleitung im Fach Sport (ReLePro)
Das vom BMBFSFJ geförderte Verbundprojekt „ReLePro“ (Reflexive Lernprozessbegleitung im Fach Sport) verfolgt das Ziel, ein lernwirksames und diversitätssensibles Konzept für den Sportunterricht zu entwickeln, zu erproben und nachhaltig in die Schulpraxis zu überführen. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von reflexivem Lernen und formativem Assessment zu einer innovativen Form der reflexiven Lernprozessbegleitung. Der Sportunterricht bietet dabei ein besonders spannendes Forschungsfeld, weil hier vielfältige Diversitätsdimensionen sowohl pädagogische Herausforderungen als auch Chancen für fachliches und überfachliches Lernen eröffnen. An den Standorten Braunschweig und Köln arbeiten Wissenschaftler:innen und Sportlehrkräfte im Rahmen eines Design-Based-Research-Prozesses (DBR) eng zusammen. In drei Entwicklungszyklen wird das Konzept mit Sportlehrkräften und Schüler:innen im Sekundarbereich iterativ erprobt, analysiert und weiterentwickelt. Die Lehrkräfte sind nicht nur aktiv an der Entwicklung beteiligt, sie erproben das Konzept auch anschließend im eigenen Unterricht im Hinblick auf seine Praxistauglichkeit. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt aus unterschiedlichen erziehungswissenschaftlichen und sportdidaktischen Perspektiven. Sie untersucht Veränderungen im Unterricht hinsichtlich der Lernwirksamkeit, Diversitätssensibilität und der Entwicklung des sogenannten „Professionellen Blicks“ der Lehrpersonen. Zum Einsatz kommen Methoden wie Videografien, Interviews und schriftliche Befragungen in einer Mixed-Methods-Fallstudie mit Längsschnittdesign, die als Grundlage für die Evaluation und Weiterentwicklung des Konzeptes genutzt werden. Die Ergebnisse des Projekts werden gemeinsam mit Partner:innen aus allen Phasen der Lehrkräftebildung adressat:innenorientiert aufbereitet und veröffentlicht. Dadurch wird die nachhaltige Verankerung der reflexiven Lernprozessbegleitung im Bildungssystem – von der universitären Ausbildung bis zur schulischen Anwendung – angestrebt.
Am Arbeitsbereich für Schulforschung mit dem Schwerpunkt Unterrichtsentwicklung an der Universität zu Köln wird das Teilprojekt „Unterrichtstransformation und Diversitätssensibilität“ von Prof. Dr. Matthias Martens und Ellen Reuther verantwortet. Dieses geht der Fragestellung nach, wie Schüler:innen und Lehrpersonen im Rahmen einer reflexiven Lernprozessbegleitung den Umgang mit Diversität im Sportunterricht gestalten und weiterentwickeln. Ein Fokus liegt auf der Veränderung von Wahrnehmung und Bearbeitung von differenten Bildungs- und Lernvoraussetzungen während der Entwicklungsarbeit. Das reflexive Bewusstmachen von Differenzkategorien und ihrer Bedeutung für das Bewegungslernen und die Unterrichtsinteraktion ist eine wichtige Voraussetzung. Als empirische Datengrundlage dienen vertiefende rekonstruktive Analysen ausgewählter Unterrichtsvideographien und Schüler:innendaten (Lerntagebücher, Interviews). Die Daten werden mit der Dokumentarischen Methode (Asbrand & Martens, 2018; Nohl, 2017) ausgewertet.

