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Hier finden Sie Zusammenfassungen der Ergebnisse von in der Abteilung durchgeführten empirischen Studien, sowohl als Information für Personen, die an Studien teilgenommen haben, als auch für andere Interessierte. Die Liste wird fortlaufend ergänzt, sowohl um ältere als auch neuere Untersuchungen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht.

 

2026

 

 

2025

Einfluss von Bindungsstilen auf die therapeutische Allianz

Vivienne Nelles, Johannes Ehrenthal

Die Studie untersucht, wie unterschiedliche Bindungsstile sowohl bei Patient:innen als auch bei angehenden Therapeut:innen die Einschätzung der therapeutischen Allianz beeinflussen. In einem experimentellen Within-Subjects-Online-Design bearbeiteten N = 126 Psychologiestudierende vier Vignetten, die jeweils Erstgespräche mit Patient:innen und unterschiedliche Bindungsstile (sicher, ängstlich, vermeidend, ängstlich-vermeidend) simulierten. Die Teilnehmenden bewerteten anschließend die erwartete therapeutische Allianz mittels WAI-SR-T; ihr eigener Bindungsstil wurde mit dem ECR-RD erfasst. Die RM-ANOVA zeigte einen deutlichen Haupteffekt des Bindungsstils der Patient:innen auf die Allianzbewertung (F(3, 375) = 95.98, p < .001, η²p = .434), wobei die Bewertung bei vermeidendem Bindungsstil am niedrigsten ausfiel und alle Vignettenpaare sich signifikant unterschieden. Pearson-Korrelationen ergaben einen kleinen, signifikant negativen Zusammenhang zwischen Bindungsvermeidung der Studierenden und ihrer Allianzbewertung (r = −.20, p = .027), während Bindungsängstlichkeit keinen Einfluss zeigte. In den RM-ANCOVA-Modellen blieb der Haupteffekt des Vignettenfaktors erhalten; es ergab sich ein kleiner Effekt der Bindungsvermeidung (η²p = .039), jedoch keine signifikanten Interaktionen zwischen Patient:innen- und Therapeut:innen-Bindung. Explorativ wurde auch die Erfolgserwartung (η²p = .363) und die Behandlungsbereitschaft analysiert; beide variierten zwischen den Vignetten, wobei die allgemeine Bereitschaft zur Behandlung hoch war. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass vor allem Bindungsvermeidung bei angehenden Therapeut:innen bereits in frühen Ausbildungsphasen die Wahrnehmung der therapeutischen Beziehung beeinflusst. Daraus ergibt sich die Empfehlung, Ausbildungsprogramme systematisch auf Selbstreflexion eigener Bindungsmerkmale und deren Bedeutung für die Allianzgestaltung auszurichten.


Einblicke in die Versorgung (komplex)traumatisierter Menschen in niederschwelligen (psychosozialen) Beratungsangeboten

Désirée Scholz, Johannes Ehrenthal

Die durchgesführte Studie widmet sich der Versorgung (komplex)traumatisierter Menschen in niederschwelligen (psychosozialen) Beratungsstellen Deutschlands. Mithilfe zweier unabhängiger Umfragen wurden dafür sowohl die Perspektiven der Berater*innen als auch die der Betroffenen erhoben. Ansatz und Schwerpunkt der Befragung lag in beiden Fällen auf der professionellen Supervision und ihren möglichen Einflüssen auf die Berater*innen und die Beratung selbst. An einer Stichprobe von 72 Personen, die nach eigenen Angaben wiederholt oder kontinuierlich in Kindheit und /oder Jugend traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren, konnte ein negativer korrelativer Zusammenhang zwischen wahrgenommener Wichtigkeit der Supervision und der Zufriedenheit mit bisherigen Beratungserfahrungen demonstriert werden (r(70) = -.31, p = .004). Aus den Daten von 84 Berater*innen ging des Weiteren eine Mittelwertsdifferenz der wahrgenommenen Wichtigkeit supportiver und edukativer Funktionen der Supervision hervor. Supportive Aspekte der Supervision wurden auch nach einer Korrektur um Ausreißerwerte als wichtiger bewertet (t(79) = 11.62, p <.001). Es konnten somit sowohl Einblicke in die Versorgungslage als auch Anstöße zur Erfragung dieser durch Nutzung eines indirekten Befragungsweges (hier über die Supervision) gewonnen werden.

 

Die Auswirkungen von Doomscrolling: der Einfluss auf Stimmung und Einstellungen

Dominik Niebauer, Johannes Ehrenthal

Der intensive Konsum negativer Nachrichteninhalte in sozialen Medien, welcher auch als Doomscrolling bezeichnet wird, ist mit unterschiedlichen negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sowie die Gefühlslage assoziiert (Buchanan et al., 2021; Price et al., 2022; Sharma et al., 2022). Bisherige Studien untersuchten größtenteils die Auswirkungen des Konsums von Covid-19-bezogenen Nachrichteninhalten. Die Studie hatte das Ziel, diesen Untersuchungsgegenstand um die Auswirkungen des Konsums individualisierter, alltäglicher Social Media Newsfeeds zu erweitern. Dabei standen sowohl kurzfristige Veränderungen des positiven und negativen Affekts als auch des Optimismus im wissenschaftlichen Fokus. Es wurde angenommen, dass ein intensiver Konsum negativer Nachrichten zu einer Abnahme des positiven Affekts und Optimismus sowie zu einer Zunahme des negativen Affekts führt. Neben intraindividuellen Veränderungen im Zeitverlauf (within-Vergleiche) wurde ein Gruppenvergleich mit einer Kontrollgruppe durchgeführt, welche angehalten wurde während des Untersuchungszeitraums auf die Nutzung sozialer Medien und den digitalen Nachrichtenkonsum zu verzichten (between-Vergleich). In einer Online-Studie mit insgesamt 116 Teilnehmenden, die gleichmäßig auf die Experimental- und Kontrollgruppe verteilt wurden, kamen validierte Skalen zur Erfassung der zentralen Variablen sowie relevanter Kontrollvariablen zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigten nach Abschluss der Intervention einen signifikanten Gruppenunterschied im negativen Affekt, wobei Teilnehmende der Experimentalgruppe höhere Werte aufwiesen als jene der Kontrollgruppe. Unter statistischer Kontrolle von Depressivität, Zustands- und Eigenschaftsangst sowie Persönlichkeitsfunktionsniveau ergab sich zudem ein signifikanter Gruppeneffekt hinsichtlich des Optimismus, wobei Proband:innen der Experimentalgruppe geringere Werte aufwiesen als diejenigen der Kontrollgruppe. Auf individueller Ebene konnten keine statistisch bedeutsamen Veränderungen der abhängigen Variablen in der Experimentalgruppe festgestellt werden. Die Befunde liefern weitere Hinweise auf potentiell belastende Wirkungen intensiven Konsums negativer Nachrichten über soziale Medien und erweitern damit die bestehende Forschungslage zu Doomscrolling. Es ergeben sich mögliche Implikationen für den Umgang mit digitalen Nachrichteninhalten sowie mögliche zukünftige Forschungsvorhaben.

 

Das Erleben von Hilfsangeboten und Persönlichkeit

Kathrin Hölscher, Johannes Ehrenthal

Jeder Mensch ist irgendwann auf Hilfe angewiesen. Die Effekte können sowohl positiv als auch negativ sein. So kann es zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens und des Selbstbewusstseins kommen und kann die Ablehnung von Hilfsangeboten zufolge haben. Aus diesem Grund ist es wichtig zu erforschen, welche Faktoren zu positiven, beziehungsweise negativen Reaktionen auf Hilfe führen. Ein relevanter Faktor ist die Form des Hilfsangebots. Es gibt Verhandelnde und Didaktische Hilfeformen. Basierend auf der Studienlage wurde getestet, ob sich Didaktische und Verhandelnde emotionale Hilfe unterschiedlich auf das Wohlbefinden auswirken und ob sich die Annahmebereitschaft unterscheidet. Zudem wurde dieses Konzept mit dem Interpersonellen Zirkumplexmodell verknüpft. Dem Modell zufolge reagieren Personen mit einer hohen Dominanzausprägung positiver auf Personen mit niedriger Dominanzausprägung und umgekehrt. Didaktische Hilfe kann als dominanter beschrieben werden als Verhandelnde Hilfe. Deshalb sollten dominante Personen positiver auf ein Verhandelndes Hilfsangebot reagieren. Unterwürfige Personen sollten positiver auf Didaktische Hilfe reagieren. Die Untersuchung wurde mittels einer Vignettenstudie durchgeführt und mittels t-Tests und einer Linearen Regression ausgewertet. Es zeigte sich ein durchschnittlich höheres Wohlbefinden nach dem Didaktischen Hilfsangebot. Die weiteren Annahmen wurden nicht bestätigt. Im Fall von Dominanz und Unterwürfigkeit wurden den Hypothesen widersprechende Zusammenhänge gefunden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Verhandelndes, emotionales Hilfsangebot, positiver auf das Wohlbefinden der Hilfe empfangenen Person wird, dass es diese aber wahrscheinlicher abgelehnt wird. Außerdem verdeutlichen sie, dass es wichtig Persönlichkeit der Hilfe empfangenen Person zu berücksichtigen.