Der Titel des Vortrags ist zweideutig. Er verweist zum einen auf die Frage, wie KI in ästhetische Bildungsprozesse eingeflochten werden kann, und zum anderen darauf, dass KI selbst bereits von komplexen Entanglements geprägt ist, die in ästhetischen Bildungsprozessen für weitere Verwicklungen sorgen. Angeregt durch ein interdisziplinäres Forschungsprojekt mit dem Titel „Artificial Intelligence for Arts Education“ (AI4ArtsEd), das Chancen, Bedingungen und Grenzen des pädagogischen Einsatzes künstlicher Intelligenz in kulturell diversitätssensiblen Settings der Kulturellen Bildung sondieren soll, beschäftigt sich der Vortrag mit der Frage, was das als „KI“ bezeichnete Phänomen eigentlich ist und warum und wie es in Konzepten und Prozessen Ästhetischer Bildung eine Rolle spielen kann und soll. Dabei lässt sich kaum vermeiden, auch darüber nachzudenken, was Ästhetische Bildung eigentlich ist, und wie sie von der Berücksichtigung/Beteiligung/Integration/Inklusion/Verflechtung – kurz: vom Entanglement mit KI profitiert, herausgefordert oder in Frage gestellt wird. Das soll geschehen innerhalb eines relationalen Theorierahmens, für den zunächst auf das Konzept des Sujets Ästhetischer Bildung rekurriert wird, um relationale Theorieansätze wie Bruno Latours Actor Network Theory (ANT) und Michel Serres Quasi-Objekte für die Ästhetische Bildung fruchtbar zu machen. Im Vortrag wird das Konzept des Sujet um (post)phänomenologische Perspektiven von Alva Noë sowie Don Ihde und Peter-Paul Verbeek ergänzt, um die immer individuellen ästhetischen Erfahrungen mit den relationalen Ansätzen verbinden zu können und KI vor dem Hintergrund der Erfahrungsdimension von Mensch-Technologie-Relationen diskutieren zu können.