Jump to main content

Antidiskriminierungsberatung im Kontext Schule: Praktiken, Professionalisierungsprozesse und Erfahrungen

Rassistische Diskriminierung ist im deutschen Schulsystem weit verbreitet. Dennoch fehlen bundesweit verbindliche rechtliche und administrative Vorgaben, die Schüler*innen und Eltern wirksam vor rassistischer Diskriminierung in der Schule schützen. Wenn sie eigenständig gegen Rassismus vorgehen, stoßen sie daher häufig an Grenzen. Unterstützung finden sie zunehmend bei außerschulischen Antidiskriminierungsberatungsstellen, die sich angesichts der zahlreichen Meldungen über Rassismus im schulischen Kontext verstärkt auf diesen Bereich spezialisiert haben. Sie sind damit zu einem wichtigen Bestandteil des sich seit den 2000er-Jahren institutionalisierenden Feldes der Antidiskriminierungsarbeit geworden.

Das Forschungsprojekt untersucht die Praktiken und Perspektiven dieser Beratungsstellen, die Beratungserfahrungen rassistisch diskriminierter Schüler*innen und Eltern sowie aktuelle Professionalisierungsprozesse im Feld der Antidiskriminierungsarbeit. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen der außerschulischen Beratung und Unterstützung sowie die Spannungsfelder, die sich in der Bearbeitung von Rassismus im schulischen Kontext ergeben.

Forschungsansatz und Vorgehen

Das Forschungsprojekt untersucht das Feld der Antidiskriminierungsberatung im Kontext Schule und Migrationsgesellschaft. Dabei werden die Praktiken und Perspektiven von Beratungsstellen ebenso einbezogen wie die Beratungserfahrungen rassistisch diskriminierter Schüler*innen und Eltern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Rekonstruktion konstitutiver Spannungsfelder in der außerschulischen Beratung und Unterstützung rassismusbetroffener Schüler*innen und Eltern. Darüber hinaus berücksichtigt das Projekt in einem bundesländervergleichenden Design die spezifischen antidiskriminierungspolitischen Diskurse und Rahmenbedingungen. Die Erhebungen finden in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen statt.

Ziele und Praxistransfer

Die Studie trägt dazu bei, den Forschungsstand zu Rassismus im Schulsystem, zu den Erfahrungen rassistisch diskriminierter Schüler*innen und Eltern sowie zur Bearbeitung von Rassismus durch außerschulische Beratungsstellen zu erweitern. Darüber hinaus werden gemeinsam mit (angehenden) Fachkräften, Eltern und Schüler*innen Praxismaterialien entwickelt. Dazu gehören Lehrkonzepte für die universitäre Ausbildung angehender Fachkräfte im Bereich der Antidiskriminierungsarbeit sowie Empfehlungen für eine multiprofessionelle und diskriminierungskritische Schulentwicklung.

Expert*innenbeirat

Das Projekt wird von einem Expert begleitet und unterstützt. Ihm gehören folgende Personen an:

  • Aliyeh Yegane Arani, Leiterin der Anlaufstelle Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS), LIFE e. V., Berlin

  • Elisa Calzolari, Geschäftsführerin des Landesverbands der Migrant – MigraNetz Thüringen e. V.

  • Mercedes Pascual Iglesias, fachliche Leitung und Referentin der Antidiskriminierungsberatungsstelle BANDAS in Nordrhein-Westfalen

  • Andreas Foitzik, langjähriger Koordinator der Landesarbeitsgemeinschaft Antidiskriminierungsberatung Baden-Württemberg und Mitarbeiter bei adis e. V. (Antidiskriminierung, Empowerment und Praxisentwicklung), Tübingen

  • Dr. Sally Riedel, Gründerin und Geschäftsführerin von MOSAIQ e. V., Hamburg; tätig in der machtkritischen und rassismuskritischen Bildungsarbeit sowie in einem städtischen Think Tank

  • Beate Seusing, geschäftsführende Vorständin der Arbeitsgemeinschaft Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen (amfn e. V.), unter anderem Trägerin der Beratungsstelle gegen Rassismus in der Bildung Niedersachsen

Projektförderung, Leitung und Laufzeit

Förderung: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und Förderprogramm „Zukunft.Niedersachsen“

Projektleitung: Prof. Dr. Ellen Kollender, Universität zu Köln

Projektmitarbeit: Christina Biel, Leuphana Universität Lüneburg

Laufzeit: 15. Januar 2026 bis 31. Dezember 2029