Didaktik des Unterrichtsfaches Pädagogik ⇒ Forschung
Forschungsschwerpunkte:
- Empirische Fachunterrichtsforschung, insbesondere im Blick auf das Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft
- Methodologie und Methode empirischer Fachunterrichtsforschung
- Historische Bildungsforschung, insbesondere Fachgeschichte, Konzeptionen und Praktiken politischer Bildung und Erziehung (19. Jahrhundert)
- Fachdidaktische Entwicklungsforschung, insbesondere im Blick auf das Unterrichtsfach Erziehungswissenschaf
Forschungsprojekte (Auswahl)
KonstruktE: Konstruktionen von Fachlichkeit im Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft
Das Projekt setzt sich zum Ziel, aus einer praxeologischen Perspektive Praktiken der Hervorbringung von Fachlichkeit im Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft zu rekonstruieren. Das Projekt folgt einem Ansatz, nach dem fachliche Praktiken an verschiedenen Orten (unterrichtliche Interaktion, fachdidaktische Diskurse, Schulbuchentwicklung, Bildungsadministration) hervorgebracht werden – und in Relation stehen. So wurde einerseits Pädagogikunterricht videographiert und adressierungsanalytisch ausgewertet. Andererseits wurden fachdidaktische Diskurse, Schulbücher, Lehrmittel und schulfachbezogene Reformen im Blick auf die Hervorbringung fachlich spezifischer Wissenspraktiken und -bestände untersucht.
Finanzierung: Forschungskredit der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Paderborn (Anschubfinanzierung DFG-Antrag; zudem Antragsstellung in Vorbereitung)
Projektlaufzeit: seit 2023
„Wege zur neuen Lehrbefähigung“. Zur Implementation des Faches Erziehungswissenschaft in Brandenburg in den 1990er Jahren
Als „neues“ Fach wurde Erziehungswissenschaft im Schuljahr 1991/92 in Brandenburg implementiert. Neben der Entwicklung eines Rahmenlehrplans und eines entsprechenden Abiturreglements war die Ausbildung von Fachlehrpersonen eine zentrale Herausforderung des Fachentwicklungsprozesses. Am Pädagogischen Landesinstitut Brandenburg (PLIB) wurden Zertifikatskurse in Kooperation mit der Universität Potsdam zur Nachqualifizierung von ostdeutschen Lehrpersonen angeboten, deren zweites Unterrichtsfach – zumeist Staatsbürgerkunde – in der Folge der Wiedervereinigung wegfiel. Diese Zertifikatskurse werden in dem Vortrag untersucht: Anhand der Analyse von Curricula, eingesetztem Kursmaterial, Aufgabenformulierungen und Briefwechseln zwischen ost- und westdeutschen Organisator*innen wird aus einer praxeologischen und wissensgeschichtlichen Perspektive diskutiert, welches Wissen als Professionswissen hervorgebracht wird und wie die brandenburgischen auszubildenden Lehrpersonen dazu in ein Verhältnis gesetzt werden resp. sich selbst in ein Verhältnis setzen. Es wird gefragt, inwiefern die Einführung von Erziehungswissenschaft sich für die Akteur*innen aus Ost- und Westdeutschland je unterschiedlich gestaltete und als Anlass zu einer fachlichen (Neu-)Konzeption interpretiert werden kann.
Projektlaufzeit: seit 2025
Finanzierung: Antragsstellung in Vorbereitung
Das Historische als Argument. Geschichtsbezüge in Bildungsreformen
In dem explorativen Projekt wurden Argumentationsweisen und -muster in Bildungsdebatten untersucht. Es wurde der Frage nachgegangen, wie und in welchen Kontexte auf geschichtliche Dimensionen und Ereignisse rekurriert wird und wie das Historische überhaupt als solches in den jeweiligen Debatten konturiert wird. In dem Projekt ging es um Erkundungen, wie das Historische als Argument in Bildungs(reform)debatten semantisch, funktional und machtstrategisch verflochten ist, welche Rolle Expertisen aus (geschichts-)wissenschaftlichen Disziplinen und welche unterschiedlichen lokalen, impliziten oder eben auch neu explizierten wissenschaftlichen und geschichtspolitisch etablierten bzw. umkämpften Wissensbestände in den historisierenden Argumentationsweisen auftreten. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt mit Prof. Dr. Norbert Grube (Pädagogische Hochschule Zürich) und Prof. Dr. Ulrich Schwerdt (Universität Paderborn).
Finanzierung: DFG (internationale wissenschaftliche Veranstaltungen), Open-Access-Fonds (iOAF) der Pädagogischen Hochschule Zürich
Projektlaufzeit: 2022-2024
KasuS: Kasuistik im Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft
Fallarbeit ist eine zentrale Methode im Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft, die mit der Intention verbunden ist, pädagogische Zusammenhänge und Problemstellungen anhand von situations- und erfahrungsnahen Einzelfällen unterrichtlich erfahrbar zu machen. In dem explorativen Projekt KasuS –Kasuistik im Schulfach Erziehungswissenschaft wurden zunächst die Anforderungssituation schulischer Fallarbeit und darauf bezogene Kompetenzen aus Sicht von Expert*innen anhand von Leitfadeninterviews (n=10) ermittelt sowie folgend fallbezogene Arbeitsweisen von Schüler*innen anhand der Denke-laut-Methode und von Leitfadeninterviews (n=13) untersucht. Das Erkenntnisinteresse der Studie lag darin, erste empirische Einsichten über die mit Fallarbeit verbundenen Anforderungen und zu deren Bewältigung notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erhalten, um die Fachmethode davon ausgehend und unter Aufnahme der erziehungswissenschaftlichen Kasuistik weiterzuentwickeln.
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Gather
Kooperation: Dr. Mario Engemann (Universität Paderborn), Prof. Dr. Alexander Martin (FH Südwestfalen)
Finanzierung: Eigenmittel
Projektlaufzeit: 2018-2023
Historisches Lernen um Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft. Entwicklung einer fachdidaktischen Konzeption und von Unterrichtsmaterial.
Die im Schulfach Erziehungswissenschaft thematisierten Theorieansätze, Modelle und Konzepte sind in ihrer Entstehung und Verwendung in konkrete historische Kontexte eingebunden. Trotz der historischen Verwobenheit curricularer Themen wurde ihre Kontextualität fachdidaktisch bisher nur wenig thematisiert. Ziel des Projektes ist es daher, sowohl in Bezug auf spezifische Einzelthemen als auch themenübergreifend fachdidaktische Konzeptionen zu entwickeln, in deren Zentrum eine kontextbezogene Zugriffsweise steht. So wurde ein zweibändiges Schulbuch zu dem curricularen Thema „Erziehung im Nationalsozialismus“ entwickelt und publiziert sowie theoretisch-konzeptionelle Überlegungen zum historischen Lernen im Pädagogikunterricht veröffentlicht.
Projektlaufzeit: seit 2018
Finanzierung: Eigenmittel
„Wege in das gelobte Land“. Politische Bildung und Erziehung in Vormärz, Regeneration und Deutscher Revolution 1848/49 (Dissertation)
Politische Bildung und Erziehung spielten in der Zeit des Vormärz, der Regeneration und der Deutschen Revolution 1848/49 eine wichtige Rolle. Besonders Demokraten erkannten in pädagogischen Bemühungen einen Weg, den ersehnten demokratischen Staat als „das gelobte Land“ zu erschaffen. In dem Projekt wurden erstmals die Konzeptionen und Praktiken politischer Bildung und Erziehung von Akteuren einer Intellektuellengruppe untersucht, die in Zürich den politischen Emigrantenverlag „Literarisches Comptoir“ führten. Anhand der Analyse von politischen, philosophischen und pädagogischen Schriften, Pamphleten, Quellen aus der Verwaltung sowie biographischen Dokumenten wird die Vielschichtigkeit ihrer Überlegungen und Unternehmungen deutlich. Im Ergebnis zeigt sich nicht nur die Heterogenität der Konzeptionen und Praktiken, sondern auch deren Prägung durch normative Setzungen. Dabei wird deutlich, dass die Akteure nicht nur mit räumlichen und politischen Grenzen konfrontiert waren, sondern auch die Grenzen ihrer eigenen Konzeptionen erfuhren.
Projektlaufzeit: 2009-2013
Finanzierung: Eigenmittel