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Kölner Abendgespräche zu Jugend und Bildung (KAJuBi)

Mit Blick auf die Schulforschung wird seit geraumer Zeit die unzureichende Berücksichtigung der Perspektiven junger Menschen festgestellt, die bislang vor allem in ihrer Rolle als Schüler*innen in den empirischen Fokus gesetzt werden. Das Aufwachsen in der Spätmoderne erfordert nicht nur Ambiguitätstoleranz, sondern ebenso den Umgang mit Kontingenzen über verschiedene Sozialisationskontexte hinweg. So ist für die schulische Leistungserbringung und gesellschaftliche Inklusion das soziokulturelle Umfeld relevant. Dieses lässt sich allerdings nicht auf Variablen wie ,familiale Herkunft‘ und ‚Bildungsferne‘ reduzieren, sondern Jugendliche bringen ihr Wissen und ihre Praxen selbst im Sinne von Agency in die verschiedensten soziokulturellen Arenen ein und bilden im Rahmen generationaler Ordnungen Innovationspotentiale.

Die "Kölner Abendgespräche zu Jugend und Bildung" greifen dies auf und geben Raum für Forschung, Theorie und Debatten zu Jugend(en) in sozialer Vielschichtigkeit.


 "Zur Unkontrollierbarkeit der KI im Unterricht. Oder wie postdigitaler Unterricht aussehen könnte"
(Dr. Daniel Goldmann, Universität Tübingen)

Der Vortrag geht der These von Benjamin Jörrissen und Stephan Münte-Goussar (2015) nach, dass digitale Medien für Schule wie Trojanische Pferde wirken: Sie sind hochgradig anschlussfähig und müssen quasi hineingelassen werden. Einmal hineingelassen, bergen sie jedoch aufgrund einer kategorial anderen Logik das Potenzial, die bisherige Struktur von innen heraus zu zerstören. Anhand von Interviews mit Lehrkräften zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird diese Unkontrollierbarkeit digitaler Medien nachgezeichnet. Sichtbar wird sie an den Lösungen der Lehrkräfte, die darin bestehen, die Schüler:innen verantwortlich zu machen, die Folgenhaftigkeit des Einsatzes von KI zu verleugnen oder KI möglichst aus dem Unterricht herauszuhalten. Auf Basis einer Theoretisierung dieses Phänomens diskutiert der Vortrag, welche Anforderungen an Alternativen gestellt sind, die einen postdigitalen Unterricht auszeichnen könnten.

Wann: 03.11.2026; 18:00-19:30 Uhr

Wo: Hörsaal H123 (Gebäude 216)


"Jugend als Moratorium?" 
(Prof.in. Dr.in. Christine Wiezorek, Justus-Liebig-Universität Gießen)

Seit einigen Jahren wird die starke Schulbezogenheit der Jugendphase – die einst ja die Ausformung der modernen Jugend begründete – nicht mehr unter dem Aspekt des Bildungsmoratoriums verhandelt, sondern eher als ein Wandel vom Bildungsprivileg zum Bildungszwang beschrieben: „Schule ist durch neue Zwänge gekennzeichnet und verändert sich von einem eher offenen Freiraum zu einem Ernstraum“ (Helsper 2012: 79). Was es für jugendliche Individuierung bedeutet, wenn schulische Freiräume abnehmen und Schule ihren Moratoriumscharakter verliert und welche Relevanz hier der pädagogischen Ausgestaltung der Schule als jugendlicher Lebenswelt zukommt, sind Frage, denen sich der Vortrag widmet.

Wann: 23.06.2026, 16:00-17:30 Uhr

Wo: Hörsaal H123 (Gebäude 216)


"Triggerpunkt Handyverbot an Schulen?! - Erziehungswissenschaftliche Diskurse, Perspektiven und Befunde zur digitalen
In- und Exklusion von Jugendlichen"
(Prof. Sven Thiersch, Universität Osnabrück)

Die Entwicklungen in der digitalen Welt hin zu einer Kultur der Digitalität berühren auch grundlegende Fragen des Verhältnisses von Schule und Jugend. Im Vortrag soll aufgezeigt werden, wie spannungsreich und widersprüchlich sich diese Entwicklungen für Jugendliche und für Schule bzw. Lehrkräfte darstellen und von diesen erfahren werden. Nach einer kurzen Einführung in das Thema und die Argumente und Befunde für und gegen die private Smartphonenutzung an Schulen, stehen erziehungswissenschaftliche Perspektiven im Fokus, die in der Kontroverse bislang zu kurz kommen.
Zum einen wird auf digitale Räume als integrale Sozialräume von Schule und Gesellschaft eingegangen, die Hybridisierungen und Dezentrierungen befördern. Verbote werden als symbolische Bearbeitungsform dieser Öffnungen und Legitimierung der „Container-Schule“ analysiert, die paradoxerweise digitale Mündigkeit konterkarieren. Zum anderen kommen die nach wie vor offenen Fragen medienpädagogischer Professionalität in den Blick. Diese wird als sorgende und reflexive Haltung konzipiert, die sowohl die Vulnerabilitäten digitaler Sozialisation als auch die gesteigerten Paradoxien pädagogischen Handelns berücksichtigt.

 

Wann? 09.12.2025, 16.00-17.30 Uhr

Wo? Hörsaal H161 (Gebäude 213)


"Zwischen Zukunftserwartung und Gegenwartsdruck: Jugendkulturelle Praktiken im Fokus" 
(Jun.-Profin Yağmur Mengilli, Universität Tübingen)

 

Wann? 24.06.2025, 16.00-17.30 Uhr

Wo? Hörsaal 123 (HF, Hauptgebäude 216)

Wie? Anmeldung namentlich über anna.lena.winkler@uni-koeln.de