Jump to main content

Laufende Studie: „Wem gehört die Stadt? Explorative Raumforschung zwischen Diskurs, Ungleichheit und Planung"

Das Projekt ist eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Sozialwissenschaft und Geographie in Zusammenarbeit mit der Stadt. Im Zentrum steht die Frage, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen städtische Räume wahrnehmen, deuten und nutzen. Methodisch arbeitet die Projektgruppe mit explorativen Stadtbegehungen, die durch qualitative Erhebungs- und Dokumentationsformen ergänzt werden. Explorative Stadtgänge stehen in der Tradition mobiler ethnografischer Methoden (Kusenbach 2003; Pink 2009) und partizipativer Planung (Transect Walks), werden hier jedoch systematisch mit einer ungleichheitssensiblen Diskursanalyse verschränkt. Ziel ist es, subjektive Perspektiven auf urbane Lebenswelten sichtbar zu machen und diese in einen analytischen sowie planerischen Zusammenhang zu stellen.

Das Projekt interessiert sich dafür, wie Stadt aus der Perspektive ihrer Bewohner*innen erlebt wird – insbesondere dort, wo sich soziale Unterschiede, Unsicherheiten oder Konflikte im Raum niederschlagen. Dabei verbindet das Vorhaben offene, partizipative Zugänge mit einer kritisch-reflektierenden Auswertung der gewonnenen Eindrücke durch die Grounded Theory. Die Ergebnisse sollen sowohl wissenschaftlich aufgearbeitet als auch in geeigneter Form öffentlich zugänglich gemacht werden. Das Projekt dient zugleich als Rahmen für mehrere Abschlussarbeiten, die unterschiedliche thematische Schwerpunkte innerhalb des Gesamtvorhabens setzen.

Die gesellschaftliche Relevanz des Projektes ergibt sich aus der symbolischen Aufladung der Stadt durch die Politik, indem diskursiv immer wieder auf Themen zurückgegriffen wird, die Migration, Sicherheit, Ordnung und Identität tangieren. Das Projekt untersucht, wie diese Diskurse räumlich erlebt werden. Stadtplanung, Integrationspolitik, Präventionsarbeit, Gleichstellung, Sicherheitspolitik – all das operiert mit Annahmen über Wahrnehmung, Zugehörigkeit, Angst, Konflikt. Diese werden wir mit dem Projekt gemeinsam aufspüren und in den Diskurs der demokratischen Stadtentwicklung übertragen.

Projekt in Leichter Sprache:

Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Stadt. Studierende aus den Sozialwissenschaften und der Geographie beschäftigen sich gemeinsam mit der Frage: Wie erleben Menschen ihre Stadt?

Dafür gehen wir zusammen durch verschiedene Stadtteile und sprechen mit Menschen über ihre Eindrücke, Erfahrungen und Wünsche. Uns interessiert, was Menschen an ihrem Umfeld mögen, was sie stört und was sie sich vielleicht anders vorstellen würden.

Die gesammelten Perspektiven werden ausgewertet und in einen größeren Zusammenhang eingeordnet. Ziel ist es, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen und Impulse für eine faire und lebenswerte Stadtentwicklung zu geben.

Das Projekt bildet außerdem den Rahmen für mehrere Abschlussarbeiten von Studierenden. Die Ergebnisse sollen am Ende öffentlich vorgestellt und zugänglich gemacht werden.

 

Teilnehmende Studierende: Kaspar Sinthern, Amira Kohlenbach, Kayin Hofer, Martha Hülsmann, Kim Schindler, Aaron Garganis, Maximilian Hohn, Harun Oral, Noel Shumpert, Moritz Ebert.

 

Laufende Studie: „Heimat in der Krise. Auswirkungen der braunkohlebedingten Umsiedlung auf die individuelle Lebenswelt und den intersubjektiv geteilten Orientierungsrahmen

Zusammenfassung: Heimat ist ein wirkmächtiger und dennoch sehr ungenauer Begriff, der zu einem großen Teil mit einer individuellen Definition gefüllt und durch verschiedene Bereiche (Identität, Land­schaft, Gemeinschaft uvm.) angeeignet wird. Heimat wird selten als Konflikt wahrge­nommen. Worte wie heimelig, Heim­kehr, Heimweh benennen Heimat gar als Sehnsuchts- bzw. Ursprungort. Erzwungene Umsiedlungen führen jedoch zu einer Fremdbestimmung von Heimat. Umsiedlungen greifen nicht nur in ländliche wie häusliche Raumstrukturen ein, sondern ebenso in individuelle Lebenswelten wie familiäre Lebens­weisen. Aus einer drohenden Umsiedlung oder dem Umsiedeln an sich können Lebenskrisen hervor­gehen, die zu schweren psychosozialen Folgen führen können. Ist dies der Fall, darf nicht von einer „sozialverträglichen Umsiedlung“ in der Öffentlichkeit gesprochen werden. Was passiert, wenn Heimat zum Konflikt oder als Krise und Trauma erlebt wird? Genau das soll das bevorstehende Projekt erarbeiten.

Weiter interessiere ich mich für die Frage, ob es eine Ver­änderung der Deutungsmuster hinsichtlich der Umsiedlungen aufgrund des Braun­koh­le­ausstiegs gibt. Mittels einer lebensweltanalytisch-ethnografischen Feldforschung soll eine phänomenologische Annäherung an das Feld erfolgen, das heißt, dass das Phänomen (Heimat in der Krise) aus dem Phänomen heraus analysiert werden soll und erst im Anschluss theoretisch und kontrastiv ergänzt wird. Innerhalb der Phänomenologie werden individuelle Handlungen anhand des Be­wusst­seins und dem subjektiven Sinn beschrieben. Mittels ethnografischer Interviews sollen Einblicke in die subjektive Orientierung in der Welt und dem davon ausgehenden sinnhaften Aufbau der sozialen (Lebens-)Welt ermöglicht werden, woraus letztlich die gesellschaftlich konstruierte Wirklichkeit hervorgeht.