Kommentare zu den Vorträgen der Ringvorlesung

‚Gutes Leben in einer alternden Gesellschaft?‘

im Sommersemester 2013

 

E. Bomsdorf: Demografischer Wandel, gibt‘s den wirklich? Ein Faktencheck

Es vergeht kaum ein Monat, in dem in Deutschland nicht ein oder mehrere Kongresse stattfinden, die sich auf irgendeine Art und Weise mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen beschäftigen. Dabei wird mitunter auf sehr hohem Niveau diskutiert, häufig jedoch ohne sich mit den demografischen Fakten zu beschäftigen. Im Gegenteil, es gibt Viele, die sich als Experten fühlen, ohne sich je mit den Fakten kritisch auseinandergesetzt zu haben.

80,70 oder 60 Millionen, wie viele Menschen werden 2060 in Deutschland leben? Gibt es den demografischen Wandel wirklich? Ändert sich die Altersstruktur Bevölkerung dramatisch? Werden wir alle 100 Jahre alt? Gehen uns die Arbeitskräfte aus? Brauchen wir mehr Kinder? Brauchen wir mehr Zuwanderung? Brauchen wir die Rente mit 67? Müssen wir länger oder nur produktiver arbeiten? Stürzen wir demografisch bedingt wirtschaftlich ab?

Auf diese und andere Fragen sollen im Vortrag anhand von vielen, zum Teil widersprüchlichen Aussagen zur demografischen Entwicklung in Deutschland und untermauert von Fakten belastbare Antworten gefunden werden. Dabei werden auch populäre Aussagen auf den Prüfstand gestellt und Ergebnisse eigener aktueller Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2060 vorgelegt. Neben der differenzierten Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung werden Positionen zur Entwicklung des Arbeitsangebotes und zur potentiellen Belastung der sozialen Sicherungssysteme diskutiert.

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F. Schulz-Nieswandt: Psychodynamik des Alterns und Arbeit am Mythos

Der klassische (orientalische wie griechische) Mythos klärt bereits darüber auf, was menschliche Existenz ist, ist somit selbst bereits eine erste Form der philosophischen Anthropologie. Die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben im Lebenszyklus des Menschen ist eine existenzielle Daseinsproblematik, die in ihrer personalen Psychodynamik jene Herausforderungen spiegelt, die im Mythos überliefert sind: Arbeit, Krankheit, Altern, Endlichkeit. So wie der Mensch in seiner Biographie sich seine eigene narrative Identität im Verstrickungszusammenhang seiner Geschichten aufbaut, ist der Mythos eine nicht enden wollende reflexiven Arbeit der Menschen in ihrer Geschichte als Mythopoetik der Wahrheit als Gestaltqualität der Daseinspraxis. Dieser Zusammenhang soll onto-theologisch entfaltet werden: Der Sorge des Menschen als homo viator (Gabriel Marcel) korrespondiert somit der „Mut zum Sein" (Paul Tillich), wodurch ein gelingender Lebenslauf aus Liebe, Gabe, Hoffnung statt Einsamkeit, Entfremdung und Verzweifelung möglich wird, wobei der Mensch immer ein homo abyssus ist und bleibt. Letztendlich geht es um seelische Gleichgewichte jenseits einer neurotischen „Verstiegenheit" (Ludwig Binswanger). Dies soll als diesseitiger Humanismus dargelegt werden.

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R.-J. Schulz: Gesundes Altern aus medizinischer Sicht mit praktischem Bezug

In der derzeitigen medizinischen Diskussion bezüglich des Alterns ist eine sehr defizitorientierte Beschreibung von gesundheitlichen Zuständen zu verzeichnen. Ziel dieses Vortrages soll im Gegensatz dazu aber sein, die positiven Seiten des Alterns und die Möglichkeiten sie günstig zu beeinflussen aufzuzeigen. In dem Vortrag werden die medizinischen Grundlagen allgemeinverständlich erklärt und die sich daraus möglicherweise entwickelnden Erkrankungen beschrieben. Besonderes Augenmerk wird aber auf die einzelnen präventiven Möglichkeiten, diese Erkrankung günstig zu beeinflussen oder sogar zu vermeiden, gelegt. Die Alterungsprozesse des Gehirns, aber auch des Muskel- und Halteapparates, sowie die inneren Organe Herz, Lunge und Nieren werden ausführlich beschrieben und die Möglichkeiten des gesunden Alterns mit Präventionsbeispielen erklärt. Entgegen der allgemeinen Meinung ist es durchaus möglich, mehrere Erkrankungszustände, die einer Symptomatik einer Demenz entsprechen, günstig zu beeinflussen bzw. sogar heilen zu können. Auch der Muskel- und Knochenapparat des Menschen unterliegt zwar mehreren Faktoren des Verschleißes und des Abbaus, aber ernährungsmedizinische und sportmedizinische Aspekte machen deutlich, dass dies sehr wohl auch im hohen Alter günstig beeinflusst werden kann und schwierige Situationen wie Stürze mit Knochenbrüchen sich vermeiden lassen.

Anhand der aufgezählten Organe und Körperbestandteile wird versucht, mit einfachen praktischen und allgemeinverständlich nachvollziehbaren Beispielen gezielt Möglichkeiten der Beeinflussung des Alterungsprozesses dem Zuhörer an die Hand zu geben. Auch für die direkte Frage- und Antwortsituationen wird ausreichend Platz eingeräumt.

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J. Ecarius: Bildung und Gerechtigkeit - Begegnungen zwischen älteren und jüngeren Generationen

Die öffentliche bildungspolitische Debatte ist gegenwärtig vorrangig beherrscht von einer Diskussion um neue Bildungsstandards und Bildungsevaluation, die sich vor allen Dingen auf das schulische System bezieht. Aber - auch wenn viel diskutiert wird über neue Wissensformen, über Verhältnisverschiebung von Nationalität und Internationalität, globale Vernetzungen - dann ist immer auch die Frage bedeutsam, welche neuen Muster an Bildung und individuellen Bildungsprozessen, an kollektiven Identitäten und Vergemeinschaftungen zwischen älteren und jüngeren Generationen hervorgebracht werden und wie darin lebenslanges Lernen sowie eine Verständigung der Generationen umgesetzt werden kann. Prozesse des Lernens, des Um- und Neulernens gehören für alle Generationen zu den Erfordernissen einer modernen Lebensführung. Der demographische Wandel führt ebenso zu neuen Fragen über den Umgang der Generationen miteinander wie auch die moderne Gesellschaft als Mediengesellschaft zu neuen Fragestellungen im pädagogischen Handeln anregt.

Diskutieren werde ich die Frage, wie Generation, Bildung und demographischer Wandel ineinandergreifen, welche Aspekte der Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit dabei aufkommen und lebenslanges Lernen von Bedeutung ist. Dabei werde ich auf zwei Thematiken aufgreifen: Zum einen den Mediengebrauch von Jüngeren und Älteren und zum anderen die Familie und die familialen Beziehungen, die Umgangsweisen zwischen den Generationen. Diskutieren werde ich vor dem Hintergrund eines Beziehungswandels zwischen den Generationen und einer kulturellen Vielfalt vor dem Hintergrund moderner Gesellschaften. In einem letzten Abschnitt stelle ich das Verhältnis von Generation, Kultur und Bildung heraus, werfe Fragen auf und richte den Blick auf mögliche Themen der Zukunft.

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H. Pfaff: Standardisierung und Individualisierung in der Versorgung von alten Menschen - Wie kann proaktives Verhalten gefördert werden?

Proaktives Verhalten älterer Menschen ist ein erstrebenswertes Ziel einer präventiven und rehabilitativen Alternspolitik. Proaktive alte Menschen nutzen soziale und persönliche Ressourcen, um altersbedingten Belastungen und Ereignissen planvoll vorzubeugen und/oder mit ihnen besser fertig zu werden. Proaktive Alte verstehen es, trotz altersbedingtem Stress eine hohe Lebensqualität aufrechtzuerhalten. Dies gelingt ihnen, weil sie eine hohe Gesundheitskompetenz besitzen.Die Frage ist, wie das Versorgungssystem helfen kann, proaktives Verhalten zu fördern. Die Grundthese des Vortrags ist: durch Individualisierung der Versorgung. Einer konsequenten Individualisierung steht jedoch die ökonomisch und medizinisch bedingte Standardisierung der Versorgung entgegen. Individualisierung und Standardisierung sind im Kern nicht voll kompatibel. Dies ist der Grund für viele Konflikte in der Versorgung von älteren Menschen. Auf der einen Seite können evidenzbasierte Standards helfen, die Lebenserwartung zu steigern. Auf der anderen Seite begrenzen diese Standards die Wahlfreiheit der kranken oder pflegebedürftigen alten Menschen. Damit aber beschränken sie auch die Möglichkeit, im Alter proaktiv zu sein. Behandlungsleitlinien und strukturierte Behandlungsprogramme sind Beispiele für den Trend zur Standardisierung. Das Prinzip der partizipativen Entscheidungsfindung, das Fall-Management und die personalisierte Medizin sind dagegen Beispiele für den Individualisierungstrend. Im Vortrag werden diese verschiedenen Trends am Beispiel der Versorgung älterer Menschen aufgezeigt und die möglichen Konfliktlinien beschrieben. Als Lösung des Problems wird das Konzept der „standardisierten Individualisierung" vorgestellt. Die Hypothese ist, dass die standardisierte Individualisierung es den älteren Menschen erlaubt, ein proaktives Leben auf der Basis evidenzbasierten Wissens zu führen.

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K. Hank: Altern - aber wie? Empirische Befunde zum produktiven, gesunden und erfolgreichen Altern in Europa

Der Vortrag beleuchtet verschiedene Aspekte des produktiven, gesunden und erfolgreichen Alterns in Europa und gibt einen Überblick über deren Determinanten im Lebensverlauf sowie im internationalen Vergleich. Dabei wird auf aktuelle Daten des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe zurückgegriffen.

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M. Wagner: Was leistet die Lebensverlaufsforschung zum Verständnis des Alterns?

Die Lebensverlaufs- und die Alternsforschung haben sich jahrzehntelang unabhängig voneinander entwickelt. Erst in den letzten Jahren wurde danach gefragt, welchen Beitrag die Lebensverlaufsforschung zum Verständnis des Alterns leisten kann. In dem Vortrag werden dazu der Stand der Forschung dargestellt und neuere empirische Befunde präsentiert, die die Wirkungen von Ereignissen in frühen Phasen des Lebensverlaufs auf die Lebenssituation im Alter betreffen.

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Kommentare zu den Vorträgen der Ringvorlesung
‚Gutes Leben in einer alternden Gesellschaft?‘
im Wintersemester 2013 /14

 

H. Meyer-Wolters: „Leben und Sterben wo ich hingehöre" mehr als ein Traum - oder wodurch entstehen lebendige Nachbarschaften und Netzwerke?

Der Wunsch zuhause alt zu werden, dort zu leben und zu sterben, wo man hingehört, ist sehr weit verbreitet. Er setzt voraus, dass es in der Nachbarschaft Menschen gibt, die bereit und in der Lage sind, sich zu kümmern, wenn man im Alltag auf kleinere oder größere Handreichungen und Hilfestellungen angewiesen ist.

Auch wenn später einfaches nachbarschaftliches Sich-umeinander-Kümmern nicht mehr ausreicht, wenn man also immer umfangreicher auf professionelle Pflege angewiesen ist, ist eine lebendige Nachbarschaft eine gute Voraussetzung dafür, dass man auch in einer Situation mehr oder weniger umfangreicher Hilfsbedürftigkeit zuhause bleiben kann, weil jemand auf einen achtet.

Solche Nachbarschaften sind heute eher selten zu finden und es ist auch nicht zu erwarten, dass alle Menschen mit dem Erreichen des Rentenalters und dem Wegfall von beruflichen Verpflichtungen sich plötzlich in Nachbarn verwandeln, die aufeinander achtgeben und sich umeinander kümmern. Wenn Sie diesbezüglich optimistischer sind, fragen Sie sich einfach, wen Sie fragen können, falls Sie Hilfe brauchen bei so alltäglichen Verrichtungen wie Wäschewaschen, Einkaufen, Geldabheben, Treppensteigen, Telefonieren, Fernsehgerät programmieren, Sich-Kämmen, Sich-Waschen, etc.

Vor dem Hintergrund, Nachbarschaft zu brauchen, aber nicht mehr zu haben, wird der Vortrag am Beispiel der Stadt Hilden einen Weg vorstellen, Nachbarschaft zu verlebendigen, indem man das Ziel ‚Lebendige Nachbarschaft‘ weder vorgibt, noch direkt anstrebt. In Hilden hat man nämlich den Mut gehabt, den Menschen zu sagen: „Du bekommst von uns Fördermittel zur Verfügung gestellt, Räumlichkeiten, Infrastruktur, mach nun was draus. Wir vertrauen dir, dass du etwas tust, was uns bereichert" wie Andreas Kruse es einmal ausgedrückt hat. Und die Menschen in Hilden haben vieles gemacht, was sie schon lange mit anderen zusammen tun wollten, und ganz nebenbei sind dabei ziemlich belastbare lebendige Nachbarschaften entstanden.

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A. Ludwig: Makroökonomische Konsequenzen des demografischen Wandels

Die makroökonomischen Konsequenzen des demografischen Wandels resultieren aus einer relativen der Verknappung des Faktors Arbeit und einem damit einhergehenden relativen Überangebot des Faktors Kapital. Dies hat zur Folge, dass Wachstumsraten sowie auch Kapitalrenditen sinken werden. Pessimistische Prognosen gehen bis 2040 von einem Rückgang der langfristigen Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens von real jährlich 1.5% auf ca. 1% aus. Kapitalrenditen sollen, ausgehend von einer Durchschnittsrendite auf Aktien von real etwa 7% jährlich um ca. einen Prozentpunkt sinken. Der Vortrag wird darstellen, warum es zu solchen Entwicklungen kommen könnte und welche Wohlfahrtskonsequenzen sich daraus für diejenigen Haushalte ergeben, die Vermögen zur Finanzierung des Ruhestands akkumulieren. Ferner wird beleuchtet, welche Faktoren der Entwicklung entgegenwirken bzw. diese abdämpfen können. Damit wird insbesondere untersucht, an welchen Stellschrauben die Wirtschaftspolitik drehen kann und welchen Trugschlüssen eine naive Analyse unterliegt.

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F. Schulz-Nieswandt: 'Hygieneangst' und die seelischen Grundlagen der 'demenzfreundlichen Kommune'

Die Rechtsphilosophie des Grundrechts auf soziale Inklusion drängt verstärkt auf die De-Institutionalisierung. Inklusion kennt letztendlich keine „Sonderwelten", die immer (trotz interner Humanisierung) Formen der sozialräumlichen Ausgrenzung bleiben. Doch das Geschehen ist keineswegs trivialer Natur. Auf der Basis einer post-strukturalistischen Analyseperspektive werden die seelischen Grundlagen der kommunalen „Gastfreundschaftskultur" gegenüber dem homo patiens (hier fokussiert auf die Demenz) diskutiert. Im Rahmen einer Verknüpfung evolutionspsychologisch verstandener Dispositionen und einer kulturwissenschaftlich auf tiefenpsychologischer Grundlage de-chiffrierter kultureller Inskriptionen (Einschreibungen) in den Habitus der Menschen wird in der Verdichtung auf eine Affektpsychologie der „Hygieneangst" die Praxis der sozialen Ausgrenzung verständlich gemacht. Damit wird deutlich, dass die Inklusion als soziale Wirklichkeit auch in den seelischen Gleichgewichten der Menschen verwurzelt sein müssen, denen es psychodynamisch gelingen muss, sich dem Fremden als das ganz Andere ent-dämonisierend durch eine Neu-Codierung des nicht-neurotischen Gleichgewichts zwischen schizoiden und syntonischen Kräften im sozialen Miteinander zu stellen. Insofern korrespondieren verschiedenen Ebenen in diesem sozialen Geschehen, das eine kulturelle Grammatik als Praktiken verschiedener, verknüpfter binärer Codes der Konstruktion sozialer Ordnung aufweist: Sozialräumliche Exklusion im liminalen Raum zwischen Innen und Außen erfordert vom Menschen eine transgressive Kreativität („Reisen"), ohne dass er auf sein Bedürfnis auf vertrauter Sicherheit („Heimat") verzichten muss. Es geht um ein gelingendes Gleichgewicht von Ur-Angst und Ur-Vertrauen, von Selbstbehauptung und „Liebe" als Modus der Personalität im sozialen Miteinander. Damit hängt wohl letztendlich vieles von gelingenden Sozialisationsbiographien der erlebten Bindungserfahrungen ab.

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M. Niehaus: Demografischer Wandel in der Arbeitswelt: Antworten aus Politik, Forschung und Betrieben

Unternehmen werden in der Zukunft neben der technologischen Entwicklung und der Globalisierung der Märkte durch die demographische Entwicklung vor große Herausforderungen gestellt. Im Jahr 2005 gab es in Deutschlands Betrieben und Dienststellen erstmals mehr Mitarbeiter, die über 50 Jahre alt waren als unter 30. Und im Jahre 2015 wird jeder dritte Beschäftigte in Deutschland älter als 50 Jahre sein.

Verknüpft man die demografische Entwicklung mit der steigenden Arbeitsbelastung für den Einzelnen, so bedeutet dies, dass die Belegschaften altern und gleichzeitig ihre Arbeitskraft intensiver genutzt wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was Unternehmen, Belegschaften, Akteure und einzelne Betroffene derzeit tun bzw. tun können!

Prävention im Sinne einer Gesundheitsförderung von Anfang an muss zum integralen Bestandteil des Geschehens in den Betrieben und Dienststellen werden. Betriebliches Qualifizierungs-, Eingliederungs- und Gesundheitsmanagement sind wichtige Instrumente, um sich als Gesellschaft und Unternehmen auf die Auswirkungen der demografischen Entwicklung vorzubereiten und den zukünftigen Herausforderungen aktiv zu begegnen. Beispiele aus der betrieblichen Praxis werden vorgestellt.

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K. M. Perrar: End-lich leben. Beiträge der Palliativmedizin zu einem gelingenden Alter(n)

Wir alle wissen, dass unser alterndes Leben einmal enden wird. Sich diesem Thema zu widmen, über die letzte Lebenszeit nachzudenken, fällt den meisten Menschen dennoch schwer. Palliativmedizin kümmert sich vorrangig um den Erhalt oder die Verbesserung der Lebensqualität von Patienten, die an unheilbaren Krankheiten leiden. Diese begrenzen das Leben fortschreitend, sind im weitesten Sinne lebensbedrohlich. Die konkrete Konfrontation mit dem endenden Leben bringt sowohl die Patienten und ihre Angehörigen dazu, unterschiedliche Perspektiven auf das verbleibende Leben einzunehmen. Der Vortrag wird Ergebnisse einer Befragung darüber vorstellen, wie zum Beispiel die aktuelle Krankheit den Blick auf das bisherige Leben verändert und was diese Patienten an ihrem Lebensende jungen Erwachsenen mit auf den Weg geben möchten. Gegenstand des Vortrages wird auch sein, welche Möglichkeiten die Palliativmedizin zur Verfügung stellt, mit schwerer Erkrankung möglichst lange selbstbestimmt mit einer und mit einer möglichst guten Lebensqualität auch im häuslichen Rahmen leben zu können.

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S. Zank: Alternde Familien und Pflegebedürftigkeit

Der demographische Wandel hat Auswirkungen auf die Familienstrukturen. Sehr lange Ehen, aber auch wachsende Scheidungsraten nach langen Beziehungen sind keine Seltenheit mehr. Ehepartner, Kinder und Enkelkinder werden durch die Zunahme insbesondere von hochalten Menschen häufig mit Pflegebedürftigkeit konfrontiert. Dies stellt die Familien vor vielfältige Herausforderungen. Zum einen ist die Übernahme von Pflegeaufgaben mit Belastungen verbunden, die zu physischen und psychischen Beschwerden der Pflegenden führen können. Je nach Lebensphase entstehen z.B. Probleme mit der eigenen Gesundheit, mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege oder der Betreuung von Kindern und Pflege. Zum anderen berichten manche Angehörige positive Aspekte der Pflege, indem sie diese als Chance zur Persönlichkeitsentwicklung begreifen. Die Potentiale und Risiken familialer Pflege und wirksame Entlastungsangebote werden in dem Vortrag thematisiert.

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M. Kubiciel: Kriminalität undAlter - Verändert der demografische Wandel das Strafrecht?

Rentner auf der Anklagebank, Hochbetagte im Strafvollzug –all dies ist heute noch ein Kuriosum, wird aber zur Normalität einer alterndenGesellschaft  gehören. In einergealterten Gesellschaft werden auch Kriminalitätsformen zunehmen, die sich, wieetwa Erscheinungsformen des Betrugs, gezielt gegen ältere Menschen wenden.Besonders heikel ist die sich bereits heute abzeichnende Frage nach demVerhältnis von strafrechtlichem Lebensschutz und der Mittelknappheit imGesundheitswesen. 

Anhand von diesen und anderen Beispielen versucht derVortrag eine Prognose zu geben, wie sich das Strafrecht mit dem demografischenWandel verändern wird. Diese basiert auf der Einsicht, dass selbst dieschärfste Waffe im Rechtsarsenal des Staates grundlegende soziale Veränderungennicht aufhalten kann, sondern sich mit diesen fortentwickelt. Das Strafrechtwird daher die Frage nach der Zulässigkeit des Behandlungsabbruchs zum Zweckder Ressourcenschonung nicht mittels eines Verbots beantworten können.Steuerungswirkung kann das Strafrecht nur in den Bereichen entfalten, in denenes den Wertentscheidungen der Gesellschaft folgt. Diese Einsicht wirkt sichauch auf die Frage aus, wie der Strafvollzug an alten Menschen zu legitimierenund praktisch auszugestalten ist.

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D. Schäfer: Gutes Altern als Aufgabe? Antworten aus der Frühen Neuzeit

Der Vortrag wird sich voraussichtlich mit der Frage beschäftigen, ob gutes Altern lediglich ein biologischer Zufall oder vielmehr (bzw. darüber hinaus) eine Aufgabe ist, die es im Alltag zu bewältigen gilt. Gelehrte der Frühen Neuzeit (vorwiegend Theologen und Philosophen) haben dazu ausführliche Werke geschrieben, in denen sie betonen, dass das Gute am Alter - einer an sich auch damals eher negativ bewerteten Lebensphase - durch ein „richtiges" Leben (im Sinne einer Tugend) entsteht. Es soll überprüft werden, ob diese Tugend-Diskussion, die übrigens auch für das gesunde Leben geführt wird, Impulse für die gegenwärtige Debatte um ein gutes Altern geben kann.

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Kommentare zu den ergänzenden Vorträgen der
Ringvorlesung ‚Gutes Leben in einer alternden Gesellschaft?‘
März bis Juni 2014

 

Die Vorträge stellen unter dem Obertitel „Gutes Leben in einer alterndenGesellschaft?“ zentrale alternswissenschaftliche Fragestellungen und Erkenntnisse in kompakter und allgemeinverständlicher Form vor. An jedenVortrag schließt sich eine ausführliche Diskussion an. Da die einzelnenVorträge sich nicht unmittelbar aufeinander beziehen, können auch einzelne Vorträge mit Gewinn besucht werden. Die Vortragsreihe ist eine Kooperationsveranstaltung des Centrums für Alternsstudien der Universität zu Köln mit der VHS Köln - Amt für Weiterbildung der Stadt Köln. 

 

Demenz und Selbstbestimmung

Referentin: Prof. Dr. Christiane Woopen

Zeit/Ort: Dienstag, 18. März 2014, 17.30 Uhr, VHS-Forum im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33 (Nähe Neumarkt)Vortragsreihe: Gutes Leben in einer alternden Gesellschaft? 

Erläuterung: Für viele Menschen ist die Diagnose Demenz gleichbedeutend mit dem Ende eines selbstbestimmten Lebens. Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit und Pflegebedürftigkeit stehen im Vordergrund einer defizitorientierten Sichtweise, der demenzkranke Mensch mit all seinen noch gegebenen Möglichkeiten tritt dabei allzu oft in den Hintergrund. In dem Vortrag wird beleuchtet, was Selbstbestimmung im Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung bedeutet, welche Herausforderungen der Betroffene und die ihn begleitenden Personen zu bewältigen haben, und welche Bereicherung es sein kann, das Selbst des betroffenen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei werden unter anderem die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates und verschiedene literarische Werke einbezogen. Die Referentin ist Leiterin der Forschungsstelle Ethik am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Uniklinik Köln.

 

Altersbilder in Bewegung. Präsentation des intergenerationellenForschungsprojekts ‚Querformat: Alter-Bilder-Medien‘

Referenten/innen: Dr. Miriam Haller, Dr. Sabine Kampmann, Dr. Thomas Küppergemeinsam mit Seniorstudierenden der Universität zu Köln und Doktoranden/innen der Graduiertenschule ‚Alternskulturen‘ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Zeit / Ort: Dienstag, 29. April 2014, 17.30 Uhr, VHS-Forum im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33 

Erläuterung: „Altersbilder“ ist ein Verwirrung stiftender Begriff. Je nachdem werden damit Vorstellungsbilder, sprachliche Topoi oder Diskursedes Alters und Alterns bezeichnet ebenso wie visuelle Phänomene von denGattungen der Hochkunst über die verschiedenen fotografischen Visualisierungen bis hin zu den Medien Film, Fernsehen, Video und deren Präsenz in den unterschiedlichen Formationen des Internet. Das intergenerationelle Forschungsprojekt ‚Querformat: Alter-Bilder-Medien‘ hat diese Unklarheit des Begriffs aufgegriffen und seine Offenheit als Chance für eine transdisziplinäre und intergenerationelle Verständigung über den Zusammenhang von Alter, Visualität und Medialität genutzt. Die Ergebnisse der Arbeiten über bewegte und bewegende Altersbilder in Film,Fernsehen, Kunst und Literatur werden von Seniorstudierenden der Universität zu Köln und Doktoranden/innen der Graduiertenschule ‚Alternskulturen‘ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vorgestellt.Das Projekt ist ein Kooperationsprojekt der Graduiertenschule ‚Alternskulturen – Alter(n) als kulturelle Konzeption und Praxis‘ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Studiengang ‚Information and Communication Design‘ an der Hochschule Rhein-Waal und dem Center for Aging Studies der Universität zu Köln. Die Projektergebnisse werden 2014in der im Bielefelder transcript-Verlag erscheinenden Zeitschrift „Querformat. Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur“ veröffentlicht. DasProjekt wird vom Förderfonds Kultur & Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

 

Das Genossenschaftsmodell – Potenziale für die Sozialraumentwicklungaus Sicht der Altersforschung

Referent: Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt

Zeit / Ort: Dienstag, 27. Mai 2014, 18.00 Uhr, VHS-Forum im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33 (Nähe Neumarkt)

Erläuterung: Im Lichte der sozialen Wandels, zu dem einerseits die demographische Dynamik, andererseits ein Wandel der Ideenwelt und der Rechtsregime (radikales Inklusionsrecht) gehören, stellt sich immer stärker die Frage nach der Entwicklung integrierter Sozialräume im Sinnedes lokalen Daseinsraumes der Menschen im Lebenszyklus. Welche Rolle können genossenschaftliche Organisationsformen (im eigentlichen Sinne der eG) oder im soziologischen Sinne der Genossenschaftsartigkeit in Vereinsform oder als einfache Form der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts) spielen? Mit ihren Eigenschaften der Selbsthilfe, Selbstorganisation und Selbstverwaltung gehört die Genossenschaftsidee zu den Quasi-Universalien in Kulturgeschichte und Kulturvergleich. Dabeisoll neben dieser auf die Formanalyse abstellenden Potenzialabschätzungaber auch kritisch die Frage nach der Lückenbüßer-Funktion der Genossenschaft im Kontext der Risikoprivatisierung eines sich aus der Verantwortung zurückziehenden Sozialstaates reflektiert werden. Die Überlegungen beruhen auf einer Fülle von Projekterfahrungen. Vgl. auch Schulz-Nieswandt (2013): Der leidende Mensch in der Gemeinde als Hilfe- und Rechtsgenossenschaft. Berlin. Der Referent ist Professor für Sozialpolitik und Methoden qualitativer Sozialforschung an der Universität zu Köln.

 

Von Eheglück, ewiger Partnerschaft und Rosenkrieg. Neuere Befunde zurQualität und Stabilität von Ehen

Referent: Prof. Dr. Michael Wagner

Zeit / Ort: Dienstag, 17. Juni 2014, 17.30 Uhr, VHS-Forum im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33 (Nähe Neumarkt)

Erläuterung: Der Vortrag behandelt aus soziologischer Sicht neuere Forschungsbefunde zur Qualität und Stabilität von Ehen. Zunächst geht esum die Frage, in welcher Hinsicht Ehescheidungen ein soziales Problem darstellen. Wir beschreiben dann das Ausmaß der Ehescheidungen in Deutschland – auch im europäischen Vergleich. Ferner widmen wir uns den Scheidungsrisiken, also denjenigen Faktoren, die das Scheidungsrisiko erhöhen. Hierzu gibt es eine Reihe von Scheidungsmodellen, aber auch zahlreiche empirische Befunde. Dabei geht es unter anderem um die Ehedauer (Gibt es ein „verflixtes“ siebtes Ehejahr?), das Heiratsalter (Früh gefreit, hat nie bereut?) und die Stabilität der elterlichen Ehe (Überträgt sich das Scheidungsrisiko von einer Generation auf die nächste?). Schließlich betrachten wir eheliche Konflikte und fragen, ob und wie sie sich auf die Ehestabilität auswirken können. Dabei wird sichzeigen, dass es nicht so sehr auf das Ausmaß und die Art der Konflikte ankommt. Vielmehr ist der Umgang mit Konflikten entscheidend. Der Referent ist Professor am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) der Universität zu Köln.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu dieser Vortragsreihe auf der Seite der Stadt Köln.

 

Die Vorträge des Wintersemesters 2013/14 finden Sie hier.

Die Vorträge des Sommersemesters 2014 finden Sie hier.

 

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