Sind Befunde zu Unsicherheit auf Entscheidungsschwäche übertragbar? – Konzeptuelle Bezüge, kritische Randbedingungen und Implikationen für die Anwendung
Verantwortlich
Prof. Dr. rer. nat. Alexander Gerlach alexander.gerlach[uk]uni-koeln.de
Weiter verantwortlich
Helmut Appel
Zeitraum
01.06.2020-31.05.2023
Beschreibung
Entscheidungsschwäche bezeichnet die chronische Unfähigkeit, eine Wahl zu treffen aus Angst, sich falsch zu entscheiden. Sie kann über viele psychische Störungen hinweg beobachtet werden und stellt eines der Diagnosekriterien für Depressionen dar. Dennoch ist bisher wenig über zugrundeliegende psychologische Mechanismen bekannt. Obwohl sich Entscheidungsschwache durch starke Unsicherheit auszeichnen, sind nur in Ausnahmefällen Befunde zu Unsicherheit herangezogen worden, um diese besser zu verstehen. Aufgrund der starken inhaltlichen Nähe zwischen Entscheidungsschwäche und Unsicherheit erscheint es vielversprechend, Erkenntnisse über Unsicherheit nutzbar zu machen, um Entscheidungsschwäche hinsichtlich ihr zugrundeliegender Prozesse und daraus ableitbarer Interventionsmöglichkeiten gezielt zu beleuchten. Der vorliegende Antrag verfolgt somit das Ziel, sich gesichertes Wissen über Unsicherheit zunutze zu machen, um letztlich geeignete Ansatzpunkte zur Reduktion von Entscheidungsschwäche aufzuzeigen. Dazu sind im Wesentlichen drei Schritte vorgesehen: (1.) Die Abgrenzbarkeit von Entscheidungsschwäche und Unsicherheit soll demonstriert werden (2.) Es soll geprüft werden, inwieweit Befunde aus der Forschung zu Unsicherheit auch für Entscheidungsschwäche gültig sind und wo Einschränkungen beachtet werden müssen. (3.) Evidenz soll gesammelt werden, die den möglichen Nutzen dieser Ergebnisse für therapeutische Ansätze gegen Entscheidungsschwäche prüft. Es wird erwartet, dass sich (1.) Entscheidungsschwäche und Unsicherheit als ähnliche aber abgrenzbare Konzepte herausstellen, dass (2.) Effekte von und auf Unsicherheit sinnvoll auf Entscheidungsschwäche übertragbar sind, wobei in einigen Fällen genau zu definierende Einschränkungen gelten, und dass (3.) dabei gewonnene Erkenntnisse auch für Interventionsmöglichkeiten relevant sind und sich auf klinische Stichproben mit pathologischen Ausmaßen von Entscheidungsschwäche anwenden lassen. Zur Prüfung dieser Annahmen werden zehn Experimente vorgestellt, wobei unter anderem innovative empirische Methoden (z.B. Ecological Momentary Intervention) sowie eine klinische Stichprobe einbezogen werden.