Forschung
Forschungsschwerpunkte
Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf Networkingverhalten in Organisationen, d.h. Aufbau, Pflege und Nutzung von sozialen Beziehungen im beruflichen Umfeld. Im Fokus stehen dabei zum einen Konsequenzen von Networking für Individuen und Organisationen. Im Sinne einer ausgewogenen Perspektive untersuchen wir sowohl positive Konsequenzen wie z.B. Karriereerfolg als auch negative Konsequenzen, wie sie etwa in Konflikten mit außerberuflichen Rollen („Work-Life Balance“) entstehen können. Zum anderen untersuchen wir Determinanten von Networking im Sinne fördernder bzw. erschwerender Aspekte, wie sie etwa Persönlichkeitseigenschaften darstellen. Als Basis verwenden wir karriere-, gender- und machttheoretische Perspektiven.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Investitionsentscheidungen, insbesondere der Bindung an Ziele, die durch Entscheidungen avisiert werden, dem Commitment. Einerseits fördert Commitment zielorientiertes Verhalten und die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung, andererseits kann Commitment jedoch auch zum Festhalten und zu Folgeinvestitionen führen, obwohl negatives Feedback einen Abbruch des Projekts nahelegt. Der Fokus unserer Forschung liegt neben psychologischen und situativen Determinanten insbesondere auf zugrundeliegenden kognitiven Prozessen, welche zum Beispiel die Entwicklung von Interventionsmaßnahmen und eine Beurteilung der Rationalität des Verhaltens erlauben. Darüber hinaus spielt die sich über wiederholte Entscheidungen entwickelnde Dynamik der Prozesse für uns eine zentrale Rolle.
Weiterführend beschäftigen sich Projekte der Arbeitsgruppe mit interindividuellen Unterschieden in der alltäglichen Entscheidungsfindung. Im Fokus steht dabei das Persönlichkeitskonstrukt Maximizing, das beschreibt, inwiefern Personen zu viel Anstrengung in ihre Entscheidungen investieren. Das Konstrukt steht im Zusammenhang mit Entscheidungsschwierigkeit und erlebter Reue und wurde in der Vergangenheit als mögliche Determinante psychopathologischer Symptome wie Angst, Depressivität oder Rumination diskutiert. Im Kern unserer Projekte steht die Messung des Maximizing-Konstrukts (mittels Selbstbericht und Informationssucheparadigmen) sowie dessen Erfassung im alltäglichen Leben mittels Tagebuchstudien.
Aktuelles Projekte
Ziel ist es, verschiedene Strategien beim Online-Networking sowie mögliche Einflussfaktoren wie Geschlecht, digitale Kompetenzen und Selbstwirksamkeit zu identifizieren. Darüber hinaus werden Empfehlungen formuliert, wie Online-Networking erfolgreich genutzt werden kann. So sollen Individuen in der aktiven Gestaltung ihrer Karriere in einer digitalisierten Arbeitswelt evidenzbasiert unterstützt werden.
Digi_Net II (2025 – 2026)
Digi_Net II, „Berufeinstieg nach dem Studium: Die Rolle digitaler Netzwerke und die Teilhabe am Arbeitsmarkt“ widmet sich der Frage, wie berufliche soziale Netzwerke (PNS) den Übergang vom Studium in den Beruf beeinflussen – insbesondere für relativ vulnerable Studierendengruppen. Das Projekt ist eng an die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen angebunden, insbesondere an Ziel 8 („menschenwürdige Arbeit und wirtschaftliches Wachstum“) und Ziel 10 („weniger Ungleichheiten“), und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung inklusiver und gerechter digitaler Arbeitsmärkte. Zu relativ vulnerablen Gruppen zählen etwa Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, aus nicht-akademischen Familien oder mit geringem sozioökonomischen Status sowie Personen, die potenziell aufgrund von Religion, Krankheit oder sexueller Orientierung Diskriminierung oder Benachteiligung erleben können. Neben solchen demografischen Merkmalen werden auch psychologische Aspekte wie erlebte Stigmatisierung oder mangelnde Ressourcen berücksichtigt. Im Zentrum steht die Frage, ob PNS bestehende Ungleichheiten am Arbeitsmarkt verstärken – etwa durch stereotype Beurteilungen auf Basis von Profilbildern – oder ob sie zur Chancengleichheit beitragen können. Durch eine intersektionale Perspektive werden auch Mehrfachzugehörigkeiten zu benachteiligten Gruppen systematisch analysiert. Grundlage ist eine quantitative längsschnittliche Studie die Hochschulabsolvent*innen über mehrere Monate vom Studium in den Arbeitsmarkt begleitet und wiederholt befragt. Auch hier werden, gefördert von der RheinEnergie Stiftung Jugend, Beruf, Wissenschaft, Über einen Beirat, Podcasts und Workshops die Ergebnisse in die Öffentlichkeit getragen.
Mitarbeitende:
UzK: Prof. Dr. Hans-Georg Wolff, Elian Hemes,
TH Köln: Prof. Dr. Ivonne Preusser, Nils Rottgardt
MaxiWell (Gefördert von C-SEB & RheinEnergie Stiftung)
Im Forschungsprojekt MaxiWell (2026) untersuchen wir die Auswirkungen von Persönlichkeitseigenschaften auf die alltägliche Entscheidungsfindung. Im Zentrum steht das Persönlichkeitskonstrukt Maximizing, das beschreibt, inwiefern Personen nach der besten Option streben und dabei übermäßigen Aufwand investieren. Mithilfe eines Tagebuchdesigns soll erfasst werden, wie Maximizer Entscheidungen treffen (z. B. wie viele Optionen gesucht werden), wie sie diese erleben (z. B. empfundene Entscheidungsschwierigkeit) und welche affektiven Konsequenzen daraus entstehen (z. B. erlebte Reue). Darüber hinaus wird die Bedeutung von Maximizing über die Big Five hinaus untersucht. Die Studie liefert wichtige Einblicke in die Validität von Maximizing und bietet erste Anhaltspunkte dafür, wie Maximizing zur Entwicklung psychischer Belastungen beitragen kann.
Mitarbeitende:
- UzK: Mira Hertel, Prof. Dr. Hans-Georg Wolff
- University of Maryland: Nathan N. Cheek
- Colgate University: Rebecca Shiner
Weitere Projekte
- Corporate Social Responsibility und die Attraktivität von Arbeitgebermarken am Beispiel von Genossenschaftsbanken
- Die Opferpersönlichkeit als Determinante von Mobbing in Organisationen
- Digi_Net I (2023-2025)

