Materialität und Geschlecht

Unser Forschungszusammenhang im Forschungsschwerpunktbereich Materialität und Geschlecht untersucht den Zusammenhang von Technik und Sorgeverhältnissen in Prozessen der Wissensproduktion und zeitgenössischen sozialen Umbruchskonfigurationen. Ausgangspunkt unseres Forschungsvorhabens ist die Problematisierung der binär vergeschlechtlichten Gegenüberstellung von Technik und Sorge und somit die zeitgenössische Herausforderung die Verschränkung von Wissen, Technik und Verantwortung bzw. Sorgeverhältnissen in den Blick zu bekommen. Mit unserer Konzeptionalisierung von Geschlecht als provisorischer Grenzziehung relationaler Materie "kommt (dagegen) eine Form von Handlungsfähigkeit in den Blick, die nicht von Kategorien, Binarität und Homogenität ausgeht", sondern von Relationen und Verschränkungen, und somit "gerade Politiken der Ausschließung sichtbar macht, insofern sie von der Unmöglichkeit des Ausschlusses handelt." (zit. Bath/Meißner/Trinkaus/Völker 2013, S. 21) Dabei verstehen wir Prozesse der Wissensproduktion als soziotechnische Apparaturen der Produktion von Phänomenen, die bestimmte Relevanzen und Ausschlüsse erzeugen und somit je schon als Sorgepraktiken, -Beziehungen und -techniken der Herstellung von Welt bzw. einem mehr-als-menschlichem Sozialem begriffen werden müssen. Dies erfordert ganz grundlegend eine methodologische Umorientierung von repräsentationalistischen Abbildungsverhältnissen hin zu explorativen Methodendesigns, die Forschungsmethoden selbst als Teil der Phänomene verstehen, zu deren Hervorgehen und Fortbestehen sie beitragen, und in diesem Sinne Forschungsmethoden somit selbst als Sorgepraktiken verstehen. Damit geht es in unserem Projektvorhaben auch darum Methodologien des New Materialism zu entwickeln, die nichtmenschlichen, mithin technischen Akteur*innen eine aktive Teilhabe am Forschungsprozess und Werden von Welt gestatten.

Der Forschungszusammenhang der Universität zu Köln (Prof. Dr. Susanne Völker, Dr. Lisa Handel) mit der Universität Bielefeld (Prof. Dr. Diana Lengersdorf, Prof. Dr. Tomke König, PD Dr. Stephan Trinkaus) und der Technischen Universität Braunschweig (Prof. Dr. Corinna Bath) umfasst die Antragstellung von Einzelanträgen und zielt zugleich auf den Aufbau einer hochschulübergreifenden Forschungsgruppe. 

for an english translation see below:

Materiality and Gender

Our research context in the Research area Materiality and Gender investigates the relationship between technoilogy and care relationships in processes of knowlegde production and contemporary social upheaval configurations. The starting Point of our Research Project is the problematization of the binary gendered Juxtaposition of Technology and care, and thus the contemporary challenge to Focus the entanglement of knowlegde, Technology and responsability respectivly of care relationships. With our coneptualization of ´gender´as a provosional demarcation of relational matter "a form of capacity to act Comes into view that does not emanate from categories, binarity and homogeneity", but from Relations and entanglements, and thus "Shows politics of exclusion, insofar as it deals with the impossibility of excluding" (Bath/Meißner/Trinkaus/Völker 2013, p. 21) Here we understand processes of knowlegde production as socio-technical apparatuses of the production of phenomena that generate certain relevance- and exclusion-patterns and must thus always be understood as care practices, relationships and techniques of the production of the world respectively of a more-than-human-social. This fundamentally requires a methodological reorientation from relationships of representation to explorative method designs, which understand research methods themselves as part of the phenomena to whose emergence and persistence they contribute, and in this sense understand research methods themselves as care practices. Thus, our project also aims at developing methodologies of New Materialism that allow non-human, i.e technical actors to actively participate in the research process and becoming of the world.

The Research Group of the University of Cologne (Prof. Dr. Susanne Völker, Dr. Lisa Handel) with the University of Bielefeld (Prof. Dr. Diana Lengersdorf, Prof. Dr. Tomke König, PD Dr. Stephan Trinkaus) and the Technical University of Braunschweig (Prof. Dr. Corinna Bath) comprises the submission of individual proposals and at the same time aims at the etablishment of a cross-university research group.

Geschlechterforschung und soziale Ungleichheiten: Intersektionen von Gender, Sexualität, race, class, dis/ability:

1.) Eribon revisited - Perspektiven der Gender und Queer Studies - D-A-CH-Publikationsprojekt zu Theorien und Empirien sozialer Ungleichheiten (class, race, sexuality, gender), herausgegeben von Prof. Dr. Elke Kleinau und Prof. Dr. Susanne Völker (Universität zu Köln)

Auf der Phänomenebene sozialer Prozesse und Praktiken zeigen sich fortdauernde und zugleich in ihren Verknüpfungen und Gewichtung immer wieder auch neue Konstellationen sozialer Ungleichheiten. Aktuelle Forschungen hierzu sowie deren theoretische und methodologische Reflexion haben weitgehende Verschiebungen in der analytischen Fassung sozialer Ungleichheiten motiviert: etwa zu der Verschränkung vielfältiger Dimensionen und Dynamiken sozialer Klassifizierung (Intersektionalitätsforschung), zu der geopolitischen Verortung von Ungleichheitsdebatten (Einsprüche aus post- und dekolonialer Perspektive) oder zum Zusammenhang von Sexualität und sozialen Klassen (zuletzt die Arbeiten von Didier Eribon).  Unser Anliegen ist es, die Schriften von Eribon zum Ausgangspunkt zu machen und zu fragen, in welcher Weise sie zur Neufigurierung der Debatten um soziale Ungleichheit und Bildungsprozesse beitragen. Wir haben Forscher*innen verschiedener Disziplinen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland eingeladen, diese Debatte mit uns im Rahmen eines Workshops und einer Publikation zu führen.

2.) Prekarisierung und Privilegierung als subjektive Erfahrung und alltägliche Praxis - Projektvorhaben von Prof. Dr. Susanne Völker und Prof. Dr. Anne Waldschmidt (Universität zu Köln)

In dem Projekt wird der ungleichheitssoziologischen Frage nachgegangen, wie Erfahrungen von Prekarisierung und/oder Privilegierung in konkreten biographischen Konstellationen und situativen Praktiken er- und gelebt werden. Untersucht werden soll, wie intersektional unterschiedlich positionierte Subjekte in ihren Lebenszusammenhängen mit komplexen, oft widersprüchlichen gesellschaftlichen Anrufungen und Anordnungen umgehen, wie sie ihre Lebenswege und Lebenssituationen als Bedingungsgefüge wahrnehmen und zugleich praktisch, im biographischen Handeln hervorbringen und (neu) gestalten. Welche Effekte sozialer Differenzierung und Hierarchisierung (z.B. class, race, gender, dis/ability, sexuality, age) sind lebensweltlich in welchen Relationen und auf welche Weise verflochten und interferieren miteinander? Welche gesellschaftlichen Strukturen und Praxen eröffnen biographische Spielräume oder verengen sie (bzw. tun zugleich beides)? Mit welchem subjektiven `Wissen`und welchen `Identitäten`sind diese Handlungsspielräume verbunden? In Vorbereitung ist die Beantragung eines Einzelprojekts, eingebunden in die thematischen Schwerpunkte von iDiS (Internationale Forschungsstelle Disability Studies, UzK), GeStiK (UzK) und in Kooperation SINTER (Kompetenzfeld V Soziale Ungleichheiten und Interkulturelle Bildung, UzK).

3.) Sexuelle Bildung, Heterogenität und Inklusion - Forschungstagung vom 16. bis 17.11.2018 in Kooperation mit SINTER (veranstaltet von Prof. Dr. Elke Kleinau, Prof. Dr. Susanne Völker, Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität zu Köln) und Dr. Karla Verlinden (Hochschule Düsseldorf)

Die Forschungstagung setzt den thematischen Schwerpunkt  ´Sexuelle Bildung`am Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Humanwissenschaftlichen Fakultät der UzK und die Zusammenarbeit mit GeStiK in diesem Themenfeld fort. Diskutiert werden differente theoretische Zugänge, die Praktiken pädagogischer Institutionen, Fragen von dis/ability und geschlechtlicher Vielfalt sowie die Erfahrungen von Flucht und Migration für die Anforderungen an sexuelle Bildung.

for an english translation see below:

Gender Studies and Social Inequalities: Intersections of Gender, Sexuality, Race, Class, Dis/Ability 

(1) Eribon revisited - Perspektiven der Gender und QueerStudies - D-A-CH-Publikationsprojekt zu Theorien und Empirien sozialerUngleichheiten (class, race, sexuality, gender), edited by Prof. Dr. ElkeKleinau and Prof. Dr. Susanne Völker (University of Cologne).

At the phenomenal level of social processes and practices, there are ongoing  constellations of social inequalities that are at the same time constantly  changing in their links and weighting. Current research in this field and its  theoretical and methodological reflection have motivated far-reaching shifts in  the analytical version of social inequalities: for example, to the entanglement  of diverse dimensions and dynamics of social classification (intersectionality  research), to the geopolitical location of inequality debates (objections from  a postcolonial and decolonial perspective), or to the connection between  sexuality and social classes (most recently the work of Didier Eribon).
Our aim is to make Eribon's writings the starting point and to ask how they  contribute to the reconfiguration of debates on social inequality and  educational processes. We have invited researchers* from various disciplines in  Switzerland, Austria and Germany to conduct this debate with us within the  framework of a workshop and a publication.

(2)Precarisation and privileging as subjective experience and everyday practice -project by Prof. Dr. Susanne Völker and Prof. Dr. Anne Waldschmidt (Universityof Cologne).

The project  investigates the sociological question of inequality, how experiences of  precarization and/or privileging are experienced and lived in concrete  biographical constellations and situational practices. The aim is to  investigate how intersectionally differently positioned subjects deal in their  life contexts with complex, often contradictory social invocations and arrangements,how they perceive their life paths and life situations as a set of conditions  and at the same time produce and (re)shape them practically in biographical  action. Which effects of social differentiation and hierarchization (e.g.class, race, gender, dis/ability, sexuality, age) are intertwined and interfere  with each other in which relations and in which ways? Which social structures  and practices open up or narrow biographical scope (or do both at the same  time)? With which subjective 'knowledge' and which 'identities' are thesespaces  of action connected?
In preparation is the application for an individual project, integrated into  the thematic priorities of iDiS (International Research Centre DisabilityStudies, UzK), GeStiK (UzK) and in cooperation with SINTER (Competence Field VSocial Inequalities and Intercultural Education, UzK).

(3) Sexual  Education, Heterogeneity and Inclusion - Research Conference from 16 to 17November 2018 in cooperation with SINTER (organized by Prof. Dr. Elke Kleinau, Prof.Dr. Susanne Völker, Prof. Dr. Lisa Rosen (University of Cologne) and Dr. KarlaVerlinden (Düsseldorf University of Applied Sciences).

The research  conference continues the  thematic focus 'Sexual Education' at the Department of   Education and Social Sciences of the Faculty of Human Sciences of the UzK and  the cooperation with GeStiK in this field. The different theoretical  approaches, the practices of educational institutions, questions of dis/ability  and gender diversity as well as the experiences of flight and migration for the  demands of sexual education will be discussed. 

 

Abgeschlossene Projekte:

"Gender und Altern in NRW - Begleitung des Aufbaus der Altenberichterstattung und Beteiligung an dem Entwurf des ersten Altenberichts "Alt werden in Nordrhein -Westfalen" unter der Genderperspektive, gefördert durch das Ministerium für Gesundheit, Emazipation, Pflege und Alter (MGEPA) Nordrhein-Westfalen

Laufzeit: November 2013 bis einschließlich November 2014

Gefördert vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

Leitung: Prof. Dr. Susanne Völker, Mitarbeit: Indra Röglin und Miriam Courbier

Kommentierung und Überarbeitung der Berichterstattung, Flankierung durch eine qualitative Pilotstudie zur Lebenssituation und Geschlechterkonstellation (hoch)altriger Paare. Konzeptionelle Grundlegung für weitere Berichterstattungen (vgl. Abschlussbericht).

Die Lebensbedingungen von älteren und hochaltrigen Menschen sind heterogen und verweisen auf unterschiedliche Potenziale und Problemlagen. Dabei bringen Alter(n)sprozesse einerseits spezifische Herausforderungen mit sich, andererseits ist die Phase des Alter(n)s nicht vom gesamten Lebensverlauf, von der Wirksamkeit sozialer Ungleichheitsdimensionen und von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen anzukoppeln. Hierbei spielt "Geschlecht" als Dimension der Vergesellschaftung und der Selbstverhältnisse eine wesentliche Rolle.

Dabei sind die Einzelnen - als `Männer` und `Frauen`oder als Menschen, die sich dieser Klassifikation entziehen - nicht nur biographischen, sozio-kulturellen Anforderungen und unterschiedlichen Sozialpolitiken ausgesetzt, sie gestalten ihre Leben selbst, nehmen Gelegenheitsstrukturen wahr, verwerfen diese oder arbeiten sie um und bringen damit `Alter(n)`als Lebensphase mit hervor.  

Für die Konzeptionierung und Begleitung einer Altenberichterstattung in NRW bedarf es daher sowohl eines gesellschaftsanalytischen, multidimensionalen Zugriffs, der Verhältnisse der Privilegierung und/oder Benachteiligung im Lebensverlauf und in der Verschränkung mit weiteren Ungleichheitsdimensionen erfasst, als auch der systematischen Berücksichtigung des Handelns der Akteur_innen, die `eigen-sinnig`und ganz praktisch ihren Alltag leben und bewältigen.

In dieser Forschungskonzeption wird daher ein theoretischer und methodologischer Zugang gewählt, der drei Perspektiven bearbeitet und verknüpft:

eine gesellschaftsanalytisch eingebettete Genderperspektive, die Tranformationsprozesse in gesellschaftlichen Teilbereichen (Erwerbsarbeit, Lebensformen und `Familie`, Sozialstaat) hinsichtlich der Implikationen für Alt-sein/Alt-werden aus Perspektive der Geschlechterforschung untersucht, 

ein zeitlich / generationell situiertes  Lebenslagenkonzept, das die komplexe Lebenssituation älterer und hochaltriger Männer und Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilfeldern, nach regionalen (urban / ländlich) und infrastrukturellen Aspekten unterschieden analysiert und

eine auf Ressourcen der praktischen Lebensführungen zielende Milieuforschung, die nach den spezifischen lebenspraktischen und sozialen Orientierungsgender Einzelnen und ihren Handlungsstrategien bei der Bewältigung des Alltäglichen fragt.

 

"Studieren an der Universität zu Köln - Vielfältige Lebensführungen, chancengleiche Partizipation und  interdisziplinäres Studieren", gefördert aus Mitteln des Finanzfonds der Universität zu Köln zur Umsetzung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrags.

Laufzeit: Sommersemester 2014 und Wintersemester 2014/2015

Gefördert  aus Mitteln des Finanzfonds der Universität zu Köln zur Umsetzung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrages

Leitung: Stephanie Reuter Zakirova

Projekt zur Alltags- und Diversitätsforschung und zur Erprobung innovativer, queertheoretisch fundierter Methodologien. Inhaltliche und didaktische Vorbereitung des einzurichtenden Verbundstudiengangs Master Gender&Queer Studies, geplant in Kooperation der Kölner Hochschulen, Deutsche Sporthochschule Köln, Fachhochschule Köln, Kunsthochschule für Medien, Hochschule für Musik und Tanz und der Universität zu Köln (Federführung).

Das Projekt zielt darauf , die Einführung eines fakultätsübergreifenden zweistufigen Zertifikats `Gender Studies`zu begleiten und die Einführung eine fakultätsübergreifenden Masterstudiengangs `Gender Studies`vorzubereiten. Es geht darum, den Studiengang auf eine partizipative Weise zu entwickeln, so dass im Prozess der Konzeptionierung die Frage des chancengerechten Zugangs zum maßgebenden Planungskriterium wird. Zugleich und mit Blick auf die nachhaltige Verankerung innovativer Methoden soll ein Lehrveranstaltungsformat entwickelt werden, das die Herausbildung von Gender- und Diversitäts-Kompetenz auch für künftige Studierende des Masterstudiums befördert.

Entwickelt und  Erprobt werden soll eine forschende Lehrveranstaltung, die Geschlechtergerechtigkeit als zentralen methodischen Ausgangspunkt hat und sich an Student_innen aller Fakultäten richtet. Ihre konkrete Forschungsaufgabe ist es, Studierende mit sozial ungleichheitsrelevanten Lebenslagen über ihre Möglichkeiten und eben auch Verhinderungen für die Teilnahme an einem solchem Verbund-Masterstudiengang `Gender Studies`zu befragen und in den Prozess der Konzeption fakultätsübergreifender Studiengänge aktiv zu integrieren.