Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik

 

Individual Differences Action Monitoring- IDAM - Lab

 
  

 

Schwerpunkt I: Persönlichkeit - Mathemathische Modellierung - Neurowissenschaften


"Irren ist menschlich", besagt eine altbekannte Weisheit. Doch stellt sich die Frage, ob die Verarbeitung von Fehlern bei jeder Person identisch abläuft? Und wie reagieren unterschiedliche Personen auf unterschiedliche Konsequenzen von Fehlern?

In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit Forschungsthemen, die sich mit der menschlichen Fehlerverarbeitung auseinandersetzen. Uns interessieren generelle Mechanismen der menschlichen Handlungskontrolle sowie spezifische neurophysiologische Mechanismen der Fehlerentdeckung und der Fehlerkorrektur sowie interindividuelle Unterschiede im Zusammenhang mit diesen Mechanismen.

Zur Untersuchung interindividueller Unterschiede der beteiligten psychischen Prozesse nutzen wir psychometrische Verfahren (Persönlichkeitsfragebögen, Leistungstests), psychophysikalische Maße (Reaktionszeiten, Reaktionskraft) elektrophysiologische Maße (Elektroenzephalogramm, Elektromyogramm) und die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI).

Wir versuchen aus diesem multimodalen Ansatz abzuleiten, wie die beteiligten psychischen Prozesse ablaufen. Dazu nutzen wir u.a. die Informationen: wann, welche Aktivität, an welchem Ort im Gehirn auftritt. Diese Informationen versuchen wir mit dem Verhalten der Personen abzugleichen und gegebenenfalls Unterscheide zwischen Personen aufzudecken.

Auf den ersten Blick würden wir erwarten, dass Perfektionismus eine Persönlichkeitseigenschaft ist, die bei hoher Ausprägung zu weniger Fehlern führen und mit einer sehr guten Fehlerentdeckung einhergehen sollte. Dies ist jedoch nicht der Fall. Neben zum Teil unerwünschten gesundheitlichen Konsequenzen kann Perfektionismus auch zu einer schlechtere Entdeckung von Fehlern führen (Barke et al., 2017, Stahl et al., 2015). Dieses paradoxe Ergebnis versuchen wir besser zu verstehen, um Methoden zu entwickeln, damit die Personen diese kontraproduktiven Strategien verändern können. 

 

 

Literatur

Barke, A., Bode, S., Dechent, P., Schmidt-Samoa, C., van Heer, C., & Stahl, J. (2017). To Err is (Perfectly) Human: Behavioural and Neural Correlates of Error Processing and Perfectionism. Social cognitive and affective neuroscience. Advance online publication. https://doi.org/10.1093/scan/nsx082 

Niessen, E., Fink, G. R., Hoffmann, H. E. M., Weiss, P. H., & Stahl,J. (2017). Error detection across the adult lifespan: Electrophysiological evidence for age-related deficits. NeuroImage, 152, 517–529. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2017.03.015

Stahl, J., Acharki, M., Kresimon, M., Völler, F., & Gibbons, H. (2015). Perfect error processing: Perfectionism-related variationsin action monitoring and error processing mechanisms. International Journal of Psychophysiology 97(2), 153-162

Bode, S. Sewell, D.K. Lilburn, S. Forte, J.D., Smith, P.L. & Stahl, J. (2012). Predicting Perceptual decision Biases from Early Brain Activity. The Journal of Neuroscience, 2(36), 12488-12498.

 

 

 

Schwerpunkt II: Persönlichkeit - Gesellschaft - Fehlerkultur

Fehler spielen auch in diesem Forschungsschwerpunkt eine wichtige Rolle, jedoch eher aus einer individuellen bzw. subjektiven sowie gesellschaftlichen Perspektive. 

Vielen Menschen fällt es schwer, Fehler als reinen Informationsgewinns, also einen wichtigen Teil des Lernprozesses, zu betrachen. Imperfektionen werden verschwiegen oder geleugnet. Dies hat nicht nur individuelle Konsequenzen, sondern auch soziale und wirtschaftliche und bremst nicht selten jeden innovativen Prozess.

In diesem Forschungsfeld werden Fehlerkulturarten und deren Determinanten und Konsequenzen untersucht.