Aus: Günther Noll/Wilhelm Schepping (Hg.): Musikalische Volkskultur in der Stadt der Gegenwart. Tagungsbericht Köln 1988 der Kommission für Lied-, Musik- und Tanzforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V., Hannover: Metzler 1992 (=Musikalische Volkskunde – Materialien und Analysen BD. X), S. 96-126

Günther Noll

STRAßENMUSIK IN KÖLN

Köln gehört zu jenen Städten in der Bundesrepublik, die über eine reich entfaltete Straßenmusik verfügen. Dies ist einerseits dem Umstand zu verdanken, daß von seiten der Stadtverwaltung Straßenmusik - wenn auch mit Auflagen und Einschränkungen - zugelassen wird, und daß andererseits die Fußgängerzone des Einkaufszentrums verkehrsmäßig leicht zu erreichen ist. Wie bekannt, liegt Kölns Hauptbahnhof mitten in der Stadt, direkt neben dem Dom. Mit Fernbahn, S- und U-Bahn oder Auto kommen große Ströme von Einkaufswilligen, Besuchern und Touristen an diesem zentralen Punkt an und bewegen sich über die Domplatte, einem neu gebauten, großen Plateau rings um den Dom, in die beiden zentralen Einkaufsstraßen der Stadt, die Hohestraße und von dort in die Schildergasse. Täglich herrscht hier ein reges Treiben, meistens ein dichtes Gedränge. An einigen Stellen öffnen sich günstige Stellplätze, so daß die Straßenmusiker dort ständig mit einem großen Publikum rechnen können. An manchen Tagen, natürlich bevorzugt an Samstagen, klingt es an vielen Stellen zugleich. So hat man Gelegenheit, bei einem einzigen Einkaufsbummel oder Spaziergang ein musikalisch und stilistisch reichhaltiges Programm an Straßenmusik unterschiedlichster Provenienz auf engstem Raum zu hören.

Straßenmusik existiert nicht erst seit Einrichtung der Fußgängerzone, sondern hat eine längere Tradition. Wenngleich die sich inzwischen herausgebildete Vielfalt von Erscheinungsformen eine "Straßenmusik neuen Typus" darstellt und über die historischen Überlieferungen weit hinausgeht, gehörten doch zum Stadtbild Kölns Straßenmusiker mit jeweils unverwechselbarer Individualität schon in früherer Zeit. Leider ist eine Geschichte der Straßenmusik in Köln bisher nicht geschrieben worden. Wie in jeder anderen Stadt hat es aber über die Jahrhunderte hinweg jene Vielzahl von fahrenden Spielleuten und Wandermusikanten gegeben, die die Vorläufer der Straßenmusiker waren.

Spielmann - Musikant

Der Begriff der Spielleute ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Im frühen Mittelalter gab es viele Arten beruflich agierender Künstler bzw. Künstlerinnen, aber vorwiegend im weltlichen Bereich. Vom 13. Jahrhundert an wird dieser Begriff aber hauptsächlich für Musikanten bzw. Musikantinnen verwendet. Seit dem 7. Jahrhundert ist die Tätigkeit von berufsmäßigen Schaustellern, Akrobaten, Zauberkünstlern und Musikanten belegt. Sie traten besonders bei höfischen Festen und Kirchweihfesten auf. Sie verbreiteten die volkssprachliche Dichtung und spielten zum Tanz auf. Diese fahrenden Männer und Frauen waren ein wichtiges Bindeglied zwischen den Gruppen oder auch den Wohngemeinschaften. Sie hatten in vielfältiger Weise soziale Funktionen wahrzunehmen. Sie waren die Hauptträger der mittelalterlichen Musikkultur neben der katholischen Kirche, dem Ritterwesen und den lateinisch dichtenden Gelehrten. Es gab natürlich später im Hochmittelalter Hinweise auf fest angestellte Musiker in den Städten und an den Höfen. Aber diese fahrenden Leute kann man durchaus schon als Berufsmusiker des Frühmittelalters bezeichnen.

Im 12. und 13. Jahrhundert mischten sich unter diese Spielleute viele Studenten und entlaufene Kleriker. Ihnen sind z.B. die sinnenfreudigen Trink- und Liebeslieder zu verdanken (etwa die Carmina burana), ebenso Spruchdichtungen mit sozialen und politischen Inhalten. Dies waren teilweise Parodien auf die Kirche oder auch gegenwartsbezogene Streitgedichte. Jene Vagantenpoesie trug neben dem volkstümlichen Lied, der Gregorianik und der französischen Troubadourkunst zur Entstehung des deutschen Minnesangs bei.

Fahrende Spielleute bildeten allerdings keine homogene Schicht. Zu ihnen gehörten z.B. vielseitig ausgebildete Spielleute, Gaukler und Schausteller, umherziehende Geistliche, entlaufene Mönche, arbeitsscheue Gauner, Bänkelsänger und Bettelmusikanten beiderlei Geschlechts. Einerseits waren sie hochgeehrte Gäste, andererseits verachtete Tagediebe, ein wahrlich "buntes Volk".

Der Begriff "Spielmann" oder "Spielweib" wurde im europäischen Mittelalter für sehr viele Arten agierender, "spielender Künstler" gebraucht. Unter Umständen bezog er sich auch auf die "Künste" des Schreibens und Heilens. Seit dem 13. Jhdt. gewinnt der Spielmann-Begriff betont eine musikalische Bedeutung, und seit dem 14. Jahrhundert setzt eine Entwicklung ein, die den Begriff mehr in bezug auf die sozial tiefer gestellten Musiker anwendet. Im 16. und 17. Jahrhundert galt er zunehmend nur noch für die nicht vom Adel oder vom Rat einer Stadt angestellten Musiker der unteren Volksschichten. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wird anstelle des Spielmann-Begriffs nur noch die Bezeichnung "Musikant" verwendet.

Diese seßhaften oder nichtseßhaften Spielleute waren Unterhaltungskünstler, die primär oder auch sekundär musizierten. Ein Stück dieser Tradition lebt heutzutage noch in musizierenden Clowns, in den musizierenden Artisten im Zirkus fort. Musiker spielten zur Unterhaltung und zum Tanz vor den Haustüren, auf öffentlichen Plätzen, auf Jahrmärkten, im Wirtshaus, im Tanzhaus, im Freudenhaus, im Badehaus usw. Sie begleiteten Pilgerzüge, musizierten zum geistlichen Schauspiel, bei weltlichen und geistlichen Volksfesten, Prozessionen, Hochzeiten usw. Auch im Brauch spielten die Spielleute eine hervorragende Rolle, wo sich besonders aus heidnischen Formen christliche und weltliche entwickelten. Rechtsverbindlich war z.B. das öffentliche Geleit des Brautzuges durch musizierende Spielleute. Häufig wurden hierzu die seßhaften Spielleute herangezogen, die z.T. schon zunftmäßig organisiert waren. Später entwickelte sich diese Formation zu den sogenannten Stadtpfeifen. Spielleute waren gleichzeitig als Gaukler, Possenreißer, Mime, Taschenspieler, Zauberer, Tierführer usw. tätig. Sie wurden aber der niederen Schicht zugerechnet bzw. gehörten ihr an. Diese Musiker zeichneten sich dadurch aus, daß sie das Volk direkt ansprachen. Sie suchten durch artistische Tricks zu fesseln, tanzten, nahmen am Brauch auch als handelnde Personen teil. Sie musizierten in der Regel schriftlos, improvisierten nach bestimmten Regeln. Typisch waren hier Variantenbildungen in der Wiederholung. Die Kleidung der Spielleute entsprach im Prinzip der Kleidung der weltlichen Stände. Wir finden aber auch Spielleute in Bettlerlumpen, wie wir sie z.T. in erschütternden Darstellungen dieser Zeit wiederfinden. Z.B. mußten die in Kriegen versehrten oder verkrüppelten Soldaten, die ja keinerlei Rente bezogen, sich kümmerlich durch das Leben schlagen, indem sie z.B. Liedblätter verkauften oder mit der Drehleier durch die Lande zogen und tatsächlich auf den niedrigsten Sozialstufen standen.

Man sollte nicht überrascht sein über die große Verbreitung und Vielzahl der fahrenden Spielleute, was beweist, daß sie zu ihrer Zeit eine bedeutsame Funktion innerhalb des gesamten Kulturbereiches Musik wahrnahmen. In der Stadt Mecheln wurden z.B. 1407/08 allein 168 Fahrende und 1418/19 215 Fahrende entlohnt. In der Folgezeit setzten dann zahlreiche soziale Konflikte der Spielleute ein. Mit der Bildung eines gehobenen Instrumentalmusiker-Standes in der Kirche und vor allem an den Höfen, später auch in den Städten, wurden die von den Spielleuten weiterhin gebrauchten Instrumente und sie selbst damit diffamiert: Drehleier, Sackpfeife, Hackbrett, Rebec usw. Die Städte "schützten" die seßhaften Spielleute vor der Konkurrenz der fahrenden Musiker. So wurden z.B. in den Rechtsbüchern und Zunftordnungen des hohen und späten Mittelalters Spielleute - übrigens auch Berufe, wie Leineweber, Müller - zu den "Unehrlichen" gezählt. "Unehrliche" waren: rechtlos, unfähig zu gerichtlichen Handlungen. Der Rechtlose konnte z.B. nicht Richter, Eidhelfer oder Zeuge sein. Er konnte weder Vormund werden, noch konnte er städtische Ämter bekleiden. Er war lehensunfähig, die Handwerkerzünfte nahmen ihn nicht auf. Unrecht artete daher zur Rechtlosigkeit aus: Abends mußten die Spielleute aus der Stadt hinaus und vor den Stadttoren kampieren, von Dieben bedroht, schutz- und rechtlos. Allerdings sagt auch der "Sachsenspiegel", ein Rechtsbuch zwischen 1220 -1235, aus, daß auf die Tötung eines "Unerlichen" oder "Rechtelosen" die Strafe der Enthauptung stand. Auch die Notzucht an fahrenden Frauen wurde mit dem Tode bestraft.

Die gesellschaftlich verachtete Stellung wurzelt natürlich tiefer: Diese soziale Wurzellosigkeit aus der Nichtseßhaftigkeit stand im Gegensatz zum handwerklichen Ehrbegriff des Mittelstandes. Andererseits entstanden immer Schwierigkeiten mit der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit, da z.B. im erotischen Lied oder im zeitkritischen Lied eigentlich immer ein schlechtes Gewissen hervorgerufen wurde. Das Volk hatte allerdings ein großes Ergötzen an dem offiziell Verpönten. Gegen Ende des 13. und Beginn des 14. Jahrhunderts begann der Zusammenschluß der Spielleute in Musikerzünften, und in einem gewissen Sinne war es das Ziel, eine Integration in die bürgerliche Gesellschaft zu leisten. Es erfolgte in diesem Zusammenhang auch eine Distanzierung vom sünd- und lasterhaften Ruf der vagierenden Spielleute. Ziel war ebenso die Befreiung vom Makel der Recht- und Ehrlosigkeit.

Zeitungslied - Bänkelgesang

Straßenmusiker waren auch als Verbreiter und Verkäufer von Zeitungsliedern in einer wichtigen Funktion tätig. Mit dem aufkommenden Buchdruck begann die Vermarktung des Liedes als Ware. Seitdem haben wir eine sowohl orale, d.h. mündliche/nicht schriftliche und eine schriftliche Liedtradierung. Das Zeitungslied hatte insofern auch eine wichtige Funktion, da es später zur Herausbildung des Bänkelgesangs führte. Man muß sich einmal vor Augen führen, daß der größte Teil der Bevölkerung aus Analphabeten bestand. Nachrichten wurden daher von Lesekundigen auf Flugblättern verbreitet, daher auch auf Liedblättern. Diese Zeitungslieder hatten eine enorme Bedeutung für ihre Zeit. Sie vermittelten wirkliche oder erfundene Zeitereignisse, auch besondere Geschehnisse, wie Mordgeschichten z.B. Es wurde aber auch gleichzeitig durch sie eine meinungsbildende Propaganda betrieben. Massenwirksame religiöse, politische oder soziale Emotionen wurden geweckt, z.B. durch Lieder gegen die Türken, gegen die Antichristen, aber auch gegen das Papsttum und die weltliche Obrigkeit. Der später entwickelte Bänkelgesang, der noch bis in unser Jahrhundert hinein lebte, vereinigte in sich die Elemente Prosa und Lied. Die Musikbegleitung, der Gesang, das Bild, das Bänkel, d.h. die Bank, auf der der Sänger stand und sich von daher auch der Begriff ableitet, und der Zeigestab gehörten zusammen. Man muß hier deutlich den Unterschied zu den Zeitungsverkäufern sehen. Und zwar bestanden die Unterschiede darin, daß die Bänkelsänger zunächst nur eine primär unterhaltende Funktion wahrnahmen. Natürlich verzichtete man nicht auf eine relative Aktualität oder auf eine erzieherisch-moralische Komponente. Allerdings wurde später dann das Tätigkeitsfeld auf Jahrmärkte und Messen beschränkt. Etwa von Beginn des 17. Jahrhunderts an bis zu Beginn des 2. Weltkrieges wäre die Zeit des Bänkelsangs einzusetzen.

Straßenmusik in Köln

Eine wichtige Quelle der jüngeren Zeit über die Straßenmusik in Köln bilden die 1972 von Johannes Fritsch mit Kölner Straßenmusikern durchgeführten Interviews. Aus dem Vorwort von Fritsch wird erkennbar, wie vielfältig bereits in den 50er, 60er Jahren das Bild der Straßenmusik in Köln gewesen sein muß. Ein Thema für eine systematische Erforschung und Dokumentation war dies jedoch auch seinerzeit nicht. Viele Erscheinungsformen werden daher nur aus den Berichten der damaligen Tagespresse bzw. den Stadtarchiven rekonstruierbar sein. Sicher hat auch das im allgemeinen geringe Sozialprestige der Straßenmusiker zu dieser "wissenschaftlichen Mißachtung" geführt, waren doch Drehorgelspieler, Kriegsversehrte, Blinde häufig in eine Reihe mit Bettlern und unechten Krüppeln gestellt, die betrügerische Mittel nicht scheuten, um Mitleid zu erregen. Selbst Fritsch bezeichnet Straßenmusik noch als "Randgruppe".

Von den seinerzeit interviewten Straßenmusikern sind nur noch Klaus von Wrochem (Klaus der Geiger) und Richard Bargel, der inzwischen ein bedeutender Blues-Sänger geworden ist, in Köln tätig. Was aus Tauso Sato, einem japanischen Diplom-Chemiker und Gitarristen z.B. geworden ist, war nicht zu ermitteln. Die Straßenmusikkommune "Tabernakel", aus dem Trio Richard Bargel, Bruno Eckhardt und Klaus von Wrochem bestehend, überdauerte nur ein Jahr. Das soziale Experiment einschließlich Teestube und Puppentheater mit seiner aggressiven Kritik an der kapitalistischen Umwelt mißlang. Josef Dürwerdt, der herzkranke Drehorgelspieler, Willi Tacke, der noch nicht einmal eine eigene Drehorgel besaß, sondern auf einer gepachteten spielte, der blinde Drehorgelspieler Wilhelm Küpper, sämtlich gezwungen, ihre kümmerliche Rente aufzubessern, sowie die durch Funk, Film und Fernsehen über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Gruppe der "Drei Rabauen" leben nicht mehr. Im Gegensatz zu anderen Straßenmusikern nahmen "Die drei Rabauen" eine sozial hochgeachtete Stellung ein. Teilweise über vier Jahrzehnte hindurch spielten sie nicht nur auf der Straße, sondern auf zahlreichen Familienfesten, in Heimen und Institutionen der verschiedensten Art. Als "Kölner Originale", wie sie sich bezeichneten, bei der Kölner Bevölkerung sehr beliebt, waren sie eine eigene Institution. Insofern bildeten sie eine Ausnahme unter den Kölner Straßenmusikern in dieser Zeit. Sie arbeiteten vollberuflich mit Gewerbeschein, sorgten selbst für ihre Sozial- und Rentenversicherung und zahlten pünktlich ihre Steuern, die als Fixum wohl eher symbolischen Charakter hatten. Im Gegensatz zu heute zogen sie von Straße zu Straße, so daß der Aspekt der Lärmbelästigung oder Ruhestörung nicht auftrat. In Konflikt mit den Behörden gerieten sie nur in der NS-Zeit, wo sie verfolgt und nach eigenen Angaben verprügelt wurden. Nach dem Krieg kehrten sie, teilweise verwundet, nach Köln zurück. Gerade in der Notzeit, als die Stadt Köln noch in Trümmern lag, sahen sie in ihrer Musik eine soziale Aufgabe. Der damalige Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, ließ sie einkleiden und bat sie: "Jungens, tut mir einen Jefallen. Jeht auf die Trümmer und bringt den Kölnern wieder Humor".

Die Behandlung des Themas "Straßenmusik" setzt die Prämisse voraus, daß dies auch Forschungsgegenstand der Musikalischen Volkskunde ist. Auf der Arbeitstagung der Kommission für Lied-, Musik- und Tanzforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 1980 in Aichwald zum Thema "Feldforschung heute" hatte ich schon einmal Gelegenheit, auf die Grenzsituation in diesem speziellen Fall hinzuweisen, da sich in der Straßenmusik der Gegenwart nichtprofessionelle, semiprofessionelle und professionelle Erscheinungsformen auf den unterschiedlichsten Niveaus und in einer stilistischen Breite mischen, die mit den Traditionen der Straßenmusik nicht mehr bzw. nur noch in sehr vereinzelten Ausprägungen vergleichbar sind. Auch wenn sich in der Musikalischen Volkskunde der Forschungsgegenstand längst auf den Bereich des Laienmusizierens (oder Amateurmusizierens) in ganzer Breite ausgedehnt hat, was den traditionellen Forschungsrahmen in einer Weise sprengt, deren Konsequenzen möglicherweise gegenwärtig noch gar nicht voll zu übersehen sind, setzt bei der Straßenmusik mit dem Aspekt der teilweise gegebenen Professionalität eine neue Schwierigkeit ein. Der Hinweis auf historische Formen der Straßenmusik, die schließlich auch dem Broterwerb dienten, damit beruflich oder quasi beruflich ausgeübt wurden, reicht allein nicht aus, da sich die Inhalte und Strukturen inzwischen entscheidend verändert und differenziert haben. Unbesehen der intensiven Bemühungen um Definition und Begründung des Forschungsgegenstandes Straßenmusik verfolgt das Institut für Musikalische Volkskunde an der Universität zu Köln dieses Feld längerfristig als eigenen Forschungsbereich, da sich in ihm in vielfältiger Weise das widerspiegelt, was der Begriff "Volkskultur" beinhaltet.

Auf die ersten beiden systematischen Untersuchungen zu diesem Themenbereich aus den Jahren 1982/83 konnte andeutungsweise auf der Kommissionstagung in Freiburg 1984 hingewiesen werden. Durch die zweimalige Überleitung des Instituts innerhalb weniger Jahre - erst an die Universität Düsseldorf, dann an die Universität zu Köln - unterbrochen, sind jedoch die Untersuchungen keineswegs abgeschlossen. Die heutigen Ausführungen sind daher als Zwischenbericht anzusehen.

Mit Sicherheit kann heutzutage die seinerzeit 1980 in Aichwald im Zusammenhang mit dem Forschungsgegenstand der Musikalischen Volkskunde bewußt provokativ gestellte Frage, ob es sich bei den Straßenmusikern um "Außenseiter der Gesellschaft" handele, verneint werden, aber: eine eindeutige Definition des Gegenstandes birgt angesichts der stilistischen und strukturellen Heterogenität immer noch ihre Schwierigkeiten. Die forschungsmethodischen Probleme z.B. sind gravierender, als es die damaligen Hoffnungen artikulierten. Weder sind wir gegenwärtig in der Lage, vergleichende Analysen, etwa auch im internationalen Rahmen, anzustellen, noch verfügen wir über eine entsprechende Materialbasis, um die Situation in den einzelnen Städten der Bundesrepublik z.B. beurteilen zu können. Andererseits ist es erfreulich, daß sich die wissenschaftliche Publizistik in letzter Zeit in verstärktem Maße der Straßenmusik zuwendet. Aber mir scheint, daß sich das forschungsleitende Interesse der Musikalischen Volkskunde insgesamt auf die Straßenmusik noch nicht in dem Maße gerichtet hat, wie dies eigentlich dem Gegenstand angemessen wäre. Auch wenn meine Ausführungen heute punktuell auf Köln begrenzt sind, dienen sie in gleicher Weise dem Impuls, daß sich die Musikalische Volkskunde stärker als bisher diesem Forschungsbereich zuwenden möge. Dies wäre schon allein der Dokumentation wegen erforderlich. Wie in anderen Bereichen unserer Zeit unterliegt auch die Straßenmusik Veränderungsprozessen. Daher sollten die Erscheinungsformen zumindest dokumentiert werden.

Hindern dürften dabei auch nicht bestimmte forschungsmethodische Einschränkungen:

Meine Ausführungen vermögen daher nur einen Einblick in typische, für Köln typische Erscheinungsformen zu geben. Auch müssen sich die jeweiligen Kommentare knapp fassen. Einzelnen Straßenmusikern oder Gruppen, wie z.B. Klaus dem Geiger und den mit ihm und um ihn herum spielenden "Kölner Straßenmusikern", könnte man nur in gesonderten Portraits gerecht werden, die hier unterbleiben müssen. Punktuelle Beobachtungen zur Straßenmusik in anderen Städten der Bundesrepublik oder auch europäischen Großstädten, wie Kopenhagen z.B., zeigen ähnliche Erscheinungsformen, so daß die Beobachtungen in Köln durchaus als typisch für dieses Genre in unserer aktuellen Gegenwart gelten können.

Hans Quadt (Alter Mundharmonikaspieler)

Das Photo zeigt den 78jährigen Hans Quadt, der in jeder Woche einmal aus Düsseldorf anreist und vor einem Geschäft in der Hohestraße Mundharmonika spielt. Er berichtete mir, daß er auf diese Weise seine schmale Behindertenrente aufbessere. Die Geschäftsinhaberin habe ihm erlaubt, ständig an diesem Platz zu musizieren. Er würde auch immer wieder ein einziges Lied spielen ("Muß i denn"/"Das Lieben bringt groß Freud"), weil es die Passanten "so wünschten". Die befragte Geschäftsfrau erklärte, daß man Mitleid mit diesem alten Manne habe. Er würde zwar immer dasselbe spielen, da sein Spiel aber leise sei, würde es nicht wesentlich stören. "Auf die Nerven" würden aber andere Straßenmusiker gehen, die "laut", "falsch" oder "schlecht" spielten. Hier begegnet uns zum ersten Male der Konflikt in der Beurteilung von Straßenmusik, ob sie als angenehme, unterhaltende Zutat beim Geschäft des Einkaufes, manchmal hastig und flüchtig, manchmal intensiv und verweilend wahrgenommen, aufgenommen wird oder ob sie den dort ständig arbeitenden Geschäftsleuten, Verkäuferinnen und Verkäufern, Büroangestellten etc. eine störende akustische Belastung auferlegt.

Hans Quadt besitzt sehr einfache musikalische Fähigkeiten. Selbst die schlichte Liedmelodie wird nicht immer sicher gespielt. Beide Lieder werden miteinander verquickt. Die Passanten honorieren seine Leistung aus Mitleid. Die äußerlich sichtbare Armut und Behinderung appelliert an das soziale Mitempfinden.

Dieser Typus Straßenmusiker entspricht jener in der Tradition weit verbreiteten Form. Bis in unsere Zeit hinein sind Beispiele überliefert, wo mit Hilfe der Straßenmusik die kärglichen Einkünfte dieser auf der untersten sozialen Stufe lebenden - zumeist alten - Menschen etwas aufgebessert werden. Die Kölner Bürger waren auch in der Vergangenheit bei solchen Straßenmusikern gebefreudig. 1970 z.B. wird in der Tagespresse über ein altes Ehepaar berichtet, das seine schmale Rente von 200 DM durch Straßenmusik aufbessert. Das Bild zeigt einen 66jährigen Mann, der die Geige auf der rechten Schulter und der rechten Hand - also falsch herum - spielt. Seine 72jährige Frau hat mit 60 Jahren noch Akkordeon spielen gelernt, um ihm behilflich zu sein. Sie spielten zweimal wöchentlich in den Städten des Rheinlandes und durften alle drei Monate einmal nach Köln kommen. Sie stammen aus Gladbeck im Ruhrgebiet. Abschätzig wurde dieser Typus früher als "Bettelmusikant" deklassiert. Welche sozialen, gesellschaftlichen, politischen etc. Gründe, welches persönliche Schicksal diese materielle Bedürftigkeit jeweils bewirkt haben, fand keine oder wenig Beachtung.

Es handelt sich hierbei um einen Typus des wirklich sozial bedürftigen Straßenmusikers, dessen musikalische Fähigkeiten häufig auf einem sehr niedrigen Niveau stehen, dem in der Regel auch keine musikalische Ausbildung zuteil wurde. Die Armut ist nicht vorgetäuscht, wie dies teilweise auch noch unserer Zeit von professionellen Bettlern praktiziert wird. Mit Hilfe einer gespielten Behinderung wird von jenen das altbewährte "Geschäft mit dem Mitleid" versucht. Hans Quadt aber möchte mit seiner Mundharmonika die Passanten erfreuen. Er fühlt sich nicht bemitleidet, sondern freundlich behandelt.

Straßentänzerin

Auffällig und interessant für die Forschung ist die Vielfalt der Formen, die zuweilen auch skurrile Blüten treibt. Die Abbildung zeigt hierzu ein junges Mädchen, das sich in Frack und Zylinder nach Schlagermusik der 20er, 30er Jahre im Stil einer mechanischen Puppe bewegt. Als Electric-Dancing in unserer Zeit, vor allem in den USA - auch in der Schaufensterwerbung - in Mode gekommen, wird eine Tanztradition aus dem Ballett- bzw. Pantomimenrepertoire aufgegriffen und auf die Straße gebracht. Auch in Köln existiert eine Gruppe dieser Art: die "Living Dolls", die diese Tanzform professionell betreibt.

Flötenspielerin mit Puppen

Hier handelt es sich um eine Querflötenspielerin, die mit dem Fuß während des Spielens einen Mechanismus bedient, der Marionetten in Bewegung setzt und im rhythmischen Gleichklang mit der Musik tanzen läßt. Auf die Frage, ob solche Form der Straßenmusik sich nicht auf den bloßen Gag reduziere, erwiderte Klaus von Wrochem in einem längeren Gespräch einleuchtend, daß jeder Straßenmusiker das Recht habe, mit besonderen Werbemitteln auf sich aufmerksam zu machen, wie es schließlich auch beim Warenkauf üblich sei und als normal empfunden werde.

Bei dieser Straßenmusikerin bleiben die Passanten stehen, hören und sehen belustigt zu. Die Kommunikation ist sehr intensiv, besonders, wenn Kinder dabei sind. Dann spielt die Musikantin kleine Geschichten mit den Puppen und bezieht die Kinder ein, was natürlich auch den Eltern großes Vergnügen bereitet.

Auffällig sind die sehr unterschiedlichen Intensitätsgrade der Kommunikation zwischen Straßenmusikern und Passanten. Einzelne Musiker oder Gruppen versammeln eigentlich immer ein mehr oder minder großes Auditorium um sich, andere wiederum spielen vor sich hin, scheinbar nur für sich und wenig beachtet.

Die Querflötenspielerin verkörpert einen Typus des Straßenmusikers, der Elemente der jahrhundertealten Gauklertradition aufnimmt.

Ernesto Simpson - Lateinamerikanischer Gitarrist

Einen Appell ganz anderer Art richtet ein lateinamerikanischer Gitarrist, der jetzt in Frankfurt lebt, an seine Zuhörer, der immer wieder dasselbe Lied singt, dessen Text er in deutscher Übersetzung verteilt. Es ist ein religiöses, neues Lied aus Chile, in dem die Botschaft des Glaubens und des Himmelreiches verkündet wird.

Der Text lautet:

"Es sind die Neuigkeiten des gesegneten Königreiches,

in welchem Christus und die Seinen diejenigen sein werden,

die die leidenden Menschen führen

und sie vom Schlechten befreien.

An dem Tag werden Segnungen ausgehen.

Lebende und Tote,

die in ihren Körpern Schlafende sind,

bei dem Klang der Stimme meines Königs werden sie leben.

Hier kommt der Herr in den Wolken,

hier kommt er, um sein Volk zu suchen.

Es werden ihn diejenigen sehen, die ihn bisher nicht

kannten,

meinen König, das unsterbliche Lamm.

Du bist die Seligkeit derer, die daran geglaubt haben,

daß er kommen würde, seine Treuen zu holen.

Erheben wir das Angesicht,

und laßt uns das Zeichen des ewigen Lebens lesen.

Ich habe gelesen, daß in einem Paradies

eines Tages diese Erde sein wird,

wo junge Leute, schön und makellos,

Gottes Lob singen werden,

dort wird der Tod, der Schmerz und die Sünde

für immer verbannt sein.

Weil sein Wort immer wahr ist,

kann es annehmen, wer möchte.

Es ist darum, daß wir Sie einladen,

das unsterbliche Lamm anzunehmen,

und daß Sie diese Nachricht anderen mitteilen,

von der Ankunft des Friedens.

Bringen Sie anderen die Tröstung,

von dem, der die selige und heilige Botschaft

hören möchte und hören kann,

von diesem Königreich des Friedens ohne Ende.

Als Verfasser von Text und Musik wird Oscar Martinez Pena angegeben.

Ernesto Simpson erzählte mir, daß er in einer Phase der tiefsten Depression einen Selbstmordversuch mit Tabletten unternommen habe, aber gerettet wurde. Während seiner Genesung sei ihm die Erkenntnis gekommen, welche Hilfe in der seelischen Not der christliche Glaube sein könne. Diese Botschaft wolle er nun mit seinem Lied ständig vermitteln, um andere Menschen vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Ein Straßenmusiker versteht sich hier als religiöser Moralist. Es ist zu unterstellen, daß seine Botschaft ehrlich gemeint ist und keinen Werbetrick darstellt.

Jürgen Stecher (Behinderter Straßenmusiker im Rollstuhl)

Unter den Straßenmusikern befinden sich auch Behinderte. Sie setzen sich in besonderem Maße dem Verdacht aus, Mitleid erregen zu wollen. Wie sehr jene Vorurteil-Klischees der Wirklichkeit widersprechen, wird am Beispiel von Jürgen Stecher (29) deutlich, der schon seit 12 Jahren in Köln und naheliegenden Städten Straßenmusik macht. Als Kleinkind an Kinderlähmung erkrankt, wollte er zunächst Bürokaufmann werden, widmete sich dann ganz der Musik, dem Trompetenspiel.

Auf die Frage, wieweit er angesichts seiner Behinderung die Reaktionen des Publikums einschätze, antwortete er mir, daß etwa 20% Mitleid, aber 80% Anerkennung seiner musikalischen Leistung ausmachten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sei er inzwischen als Straßenmusiker weit bekannt und beliebt, seine Einnahmen würden inzwischen zum Leben ausreichen. Er fühlt sich glücklich in seinem Beruf und möchte mit seiner Musik den Zuhörern Freude bereiten. Ursprünglich auf zeitgenössische Musik konzentriert, spielt er jetzt bekannte, "zeitlose" Lieder, z.B. Titel der Beatles, die die Zuhörer kennen und mitsummen können. Er leitet zugleich eine Theaterwerkstatt, in der auch andere Rollstuhlfahrer mitarbeiten. Ziel dieser Gruppe ist es, Behinderte und Nichtbehinderte in engeren Kontakt zu bringen. Als Hilfsbegriff sei hier der Typ des körperlich behinderten Straßenmusikers verwendet, der natürlich völlig wertungsfrei zu verstehen ist.

Missionsschwestern

Die musikalischen Aktivitäten der Heilsarmee auf der Straße sind uns seit vielen Jahren vertraut. Inwieweit sie überhaupt zur Straßenmusik hinzuzurechnen sind, da sie nicht gegen Entgelt spielen, sondern eher von "Musik auf der Straße" gesprochen werden könnte, wäre eine gesonderte Frage. Aber nicht nur die Heilsarmee missioniert auf der Straße. Ich konnte in Köln eine Gruppe von Schwestern des Missionswerkes "Der Weg zu Jesus" (Burg Steineck) z.B. beobachten, die mit selbst getexteten und komponierten Liedern für ihr Anliegen warben. Das neugeschaffene Liedgut wird in Liederbüchern abgedruckt, in Kassetten eingesungen und verkauft. Sprachlich und musikalisch entsprechen diese Lieder dem Typus des rhythmisch bewegteren, neuen geistlichen Liedes.

Liedsängerin mit Gitarrenbegleitung

Der wohl am weitesten verbreitete Typus des Straßenmusikers unserer Zeit ist der Liedsänger, der sich selbst auf der Gitarre - gelegentlich auch auf der Laute - begleitet. Sein Repertoire besteht meistens aus bekannten Melodien, die vom Auditorium teilweise mitgesungen oder mitgesummt werden. Das Beispiel zeigt eine 18jährige Schülerin des Musikgymnasiums in Köln, die seit zwei Jahren mit großer Begeisterung Straßenmusik betreibt. Ihr Repertoire ist von Schallplatten bekannter Interpreten abgenommen. Sie besitzt eine große tragende Stimme und hat ein intensiv zuhörendes Publikum. Zugute kommt ihr der Standplatz im Lichthof des Stollwerck-Hauses in der Hohe Straße, der als akustisch reizvoller und vor allem wettergeschützter Standort der "Platz No. 1" der Straßenmusiker in Köln ist. Mitunter warten mehrere Gruppen auf "ihre Zeit", da in Köln den Straßenmusikern per Verordnung auferlegt worden ist, nach 20 Minuten den Standort zu wechseln, eine Regelung, die allerdings im allgemeinen sehr großzügig gehandhabt wird. Aus dem großen Repertoire der Sängerin sei nur ein Lied mitgeteilt, das typisch für ihre Vorlieben ist.

Musizierende Spielleute im mittelalterlichen Spiel

Einen anderen Typus von Straßenmusikern demonstriert das vierte Beispiel. Unter Verwendung von historischen Instrumenten und Kostümen werden mittelalterliche Spiele nachgestaltet, wie hier vor dem Seitenportal des Kölner Doms. Der Leiter der Gruppe berichtete im Interview, daß er diese Form hauptberuflich betreibe und von Institutionen, Privatgesellschaften oder Privatpersonen eingeladen werde. Auch andernorts, wie z.B. auf der Burg Satzvey in der Eifel, finden regelmäßige Ritterspiele statt. Auch werden "Ritter" und "Burgfräulein" für private Feste, Parties etc. regelrecht ausgeliehen. Nostalgie und Kommerz gehen hier offensichtlich eine gewinnträchtige Ehe ein. Diese Gruppe der Straßenmusiker wäre als historisierender Typus einzuordnen.

Die Bezeichnung träfe auf einen hier nicht vorgeführten Straßenmusiker sicher nicht zu, der auf der Querflöte zur Minus-One-Kassette ein Mozart-Konzert spielt und im Kostüm dieser Zeit auftritt. Die Kostümierung dient hier lediglich als Werbemittel.

Flötenspieler mit 3 Hunden

Der Versuch einer kategorisierenden Zuordnung von typischen Ausprägungen der Straßenmusik stößt bei den beiden folgenden Beispielen auf Schwierigkeiten. In Köln musiziert z.B. ein Flötenspieler, der immer drei Hunde bei sich sitzen hat. Auf einem Plakat weist er auf das Schicksal dieser Tiere hin und auf seine Bemühung, mit der Straßenmusik für deren Erhaltung zu sorgen. Man kann davon ausgehen, daß es seine ehrliche Überzeugung ist. Ebensogut könnte ihm aber auch unterstellt werden, daß die Hunde seine Werbeträger sind. Wieweit den Tieren das stundenlange Stillsitzen zuträglich ist, berührt ein anderes Gebiet. Eindeutig ist jedoch bei diesem Typus von Straßenmusiker der Appell an das Mitleid.

Jim Taylor (die "One-Man-Band")

Ein inzwischen wieder sehr vertrauter Typus des Straßenmusikers ist die sogenannte "One-Man-Band", d.h. der Musiker spielt mehrere Instrumente zugleich. Er begleitet sich nicht nur mit der Gitarre, sondern bedient zudem mit den Füßen eine große Trommel, die er auf dem Rücken trägt, auf dem sich außerdem noch ein High-hat befindet. In der Hohe Straße traf ich den in den Niederlanden lebenden englischen Straßenmusiker Jim Taylor, der durch ganz Westeuropa zieht und mit seiner begeisternden Fröhlichkeit auch das Publikum ständig zum Mitmachen zu animieren bemüht ist. Sein Repertoire besteht ebenfalls aus bekannten Songs, z.B. Titeln der Beatles, von Elvis Presley usw. Dieser Typus Straßenmusiker versteht sich auch als Animateur, der jedoch nicht mit dem kommerziell eingesetzten Allround-Animateur im Touristik-Geschäft zu verwechseln wäre.

Lateinamerikanische Gruppen

Unter den Straßenmusikanten bilden die lateinamerikanischen Gruppen eine besondere Kategorie, da sie sich in der instrumentalen Besetzung, im Stil ihrer Musik sowie in ihrer Kleidung von anderen Gruppen besonders auffällig absetzen. Man findet sie in Köln in der Regel in der klassischen Besetzung mit Gitarre/Charango (10-saitige indianische Mandoline), Cuatro (venezuelanische viersaitige Gitarre), Kena (indianische Längsflöte), Zamponas (indianische Panflöte) neben Percussionsinstrumenten, wie Bombo (indianische Trommel) sowie Rasseln, Schellenkränzen etc. Aber es gibt deutliche und auch stilistische Niveauunterschiede.

Während sich die Gruppen in der Regel stilistisch im Rahmen ihrer traditionellen Musikfolklore bewegen, findet man bei einzelnen Gruppen bestimmte Anpassungsmechanismen. Eine im Lichthof des Stollwerck-Hauses aufgezeichnete Gruppe aus Argentinien (Besetzung: Violine, Gitarre und Akkordeon) z.B. spielt nur noch eine einzige Literatur: Tangos aus der Unterhaltungsmusik. Auf Befragen erklärten die Musiker, daß sie früher Folklore gespielt hätten. Besonders das jugendliche Publikum hätte begeistert in der Runde gesessen und zugehört. Aber das zahlungsfreudige, ältere Publikum sei vorbeigegangen. Erst als sich die Gruppe dem Geschmack dieser Generation angepaßt hatte, besserte sich die finanzielle Situation. Da alle drei Musiker in Deutschland studieren bzw. sich auf ein Studium vorbereiten (Sozialpädagogik, Musikwissenschaft, Violine), sind sie auf die Straßenmusik als einzige Erwerbsquelle angewiesen.

Von der Straßenmusik allein, so erklärten sie mir, könne man nicht leben. Daher bilden private Einladungen auf Parties, Geburtstagen etc., eine wichtige Einnahmequelle für sie. Jedoch sollten die Einkünfte nicht überschätzt werden. Es reiche zum Leben innerhalb eines bescheidenen Standards. Diese Aussage stimmt übrigens auch mit denen anderer Straßenmusiker überein.

Die anderen Gruppen spielen ihre originale Folklore. Sie treten auch in ihren Nationaltrachten auf. Um die lateinamerikanischen Straßenmusiker bilden sich immer große Zuhörergruppen.

Liedsänger Robert Klein

Bei Robert Klein handelt es sich um einen bekannten Straßenmusiker aus Moosbach, der häufig auch in Köln musiziert. Über ihn hat Barbara James bereits ein ausführliches Portrait veröffentlicht. Robert Klein ist ein Sänger zur Laute, der sich in großer Ernsthaftigkeit mit seinem Liedmaterial auseinandersetzt, das er ein Leben lang gesammelt hat und weiterhin sammelt. Einerseits historisierend, andererseits mit aktuellem Zeitbezug im Liedgut, ist er ein Typus, der seine Zuhörer unmittelbar anspricht und seine Lieder erklärt, d.h. eine enge kommunikative Beziehung zwischen sich und den Zuhörern aufbaut. Er will nicht nur unterhalten. Ganz sicher versteht er sich auch als Aufklärer bzw. Moralist.

Harmonikaspieler

Die angesprochenen Unterschiede im Spielniveau, in der Stilistik und vor allem in der Literatur sind beträchtlich. Während ein älterer, aus Jugoslawien stammender, jetzt in Köln lebender Straßenmusiker z.B. auf seiner Knopfharmonika ausschließlich Material seiner heimatlichen Musikfolklore verwendet, ist ein anderer, junger Straßenmusiker stilistisch breiter angelegt. Mit hohem virtuosen Können spielt er Akkordeon-Solo-Literatur. Dazu gehören auch Bearbeitungen von klassischer Musik, z.B. des letzten Satzes "Alla turca" aus der A-Dur-Sonate von Wolfgang Amadeus Mozart oder des "Säbeltanzes" von Aram Chatschaturjan aus dem Ballett "Gajaneh".

Besonders das letzte Beispiel zeigt den hohen Grad des spieltechnischen Könnens. Man ist nahezu verwundert, wie wenig Notiz von diesem sehr guten Musiker genommen wird. Ist möglicherweise hier das Publikum im Anspruch bereits überfordert, oder liegt es daran, daß der Musikant in sich versunken spielt und nicht, durch Gesten der Animation z.B., engeren Kontakt mit dem Publikum sucht? Dieser Typus des Straßenmusikers zeichnet sich durch ein virtuoses technisches Können und eine hohe Musikalität aus.

Pianist Reiner Weiss

Einen aus dem Rahmen der Straßenmusik-Tradition völlig herausfallenden Typus stellt in Köln Reiner Weiss dar. Als examinierter Tonmeister und ausgebildeter Pianist stellt er mit seinem rollenden Kleinklavier eine besondere Attraktion dar, die immer dicht umdrängt ist. Sein Repertoire ist vielseitig und reicht von Schumanns "Träumerei" bis zum "B-moll-Klavierkonzert" von Tschaikowsky, von Gershwins "Rapsody in Blue" bis zum Jazz. Für einen voll akademisch ausgebildeten Musiker und Kompositionspreisträger (Ernst-Fischer-Preis im Rahmen des Kompositionswettbewerbs der GEMA für gehobene Unterhaltungsmusik) ist es schon außergewöhnlich, Straßenmusik zu machen. Dies ist nicht seine einzige Tätigkeit. Er veranstaltet z.B. Klavier-Konzertabende in Nobel-Lokalen, die auch Showelemente beinhalten. So gestaltet er z.B. auch einen Titel, wo er auf dem erhöht stehenden Klavier spielt und gleichzeitig dazu stept. Aufsehen in Köln erregte er z.B., als er unlängst mit Hilfe der Straßenmusik DM 10.000 sammelte, die er den Bonner Botschaftern der USA und der UdSSR übermitteln wollte, um Ronald Reagan und Michael Gorbatchow einen "Privaten Urlaub" zu finanzieren, damit sie sich persönlich näherkommen könnten. Dies kann man natürlich als naiv und unrealistisch abtun, aber es ist ihm wohl ernst um eine Verständigung von Ost und West. Er komponierte z.B. die "Rapsodia Krassnaja" (Rapsodie in Rot) für Klavier und Großes Orchester, bewußt auch als Gegenstück zu Gershwins "Rapsody in Blue", in der er u.a. auch Elemente der russischen Musik verarbeitet hat.

Kann man ihn als Straßenmusiker bezeichnen, oder hat er nur einen Teil seiner Spielpraxis auf die Straße verlegt? Da er, wie er mir gesprächsweise versicherte, sehr gern auf der Straße spielt, weil er in engen, unmittelbaren Kontakt mit seinen Zuhörern kommen und auch bewußt klassische Musik auf eine mehr oder weniger lockere Art an die Menschen heranbringen möchte, wie dies auf dem Konzertpodium nicht möglich ist, aber ein besonderes Kriterium der Straßenmusik und der Motivation der Straßenmusiker heute darstellt, wäre die gestellte Frage zu bejahen, wenngleich ein Grenzfall vorliegt.

Klaus der Geiger

Mit dem letzten Beispiel ist ohne Zweifel der bekannteste Straßenmusiker in Köln und wohl auch in der Bundesrepublik angesprochen: Klaus von Wrochem, oder wie er sich nennt: Klaus der Geiger. Über ihn wurde zwar schon mehrfach berichtet, aber ein umfassendes Portrait steht noch aus. Klaus der Geiger (48) nimmt insofern eine Sonderstellung, auch unter den Straßenmusikern Kölns, ein, da er einerseits als ausgebildeter Geiger - ehemaliger Meisterschüler von Prof. Max Rostal in Köln - über ein hohes technisch-virtuoses Können verfügt, gleichzeitig aber komponiert und sozialkritische, auch aggressive Texte schreibt, die zum Teil von anderen Straßenmusikern übernommen werden. Sein Interpretationsstil ist unverwechselbar: Ein selbstgefertigter Rundbogen gestattet, die Geige auch als Harmonieinstrument zu benutzen. Die Singstimme ist groß und rauh. Er spielt nicht allein, sondern musiziert immer mit einer Gruppe von jungen Straßenmusikanten zusammen. Für sie ist er eine Art Vaterfigur.

Er ist Liedersänger und Liedermacher zugleich. Stilistisch reicht sein Repertoire von der virtuosen Hora bis zur gekonnten Jazzimprovisation verschiedenster Stilrichtungen. Seine Lieder, dem Typus Zeitungslied zuzuordnen, greifen u.a. aktuelle lokale oder überregionale Ereignisse auf und entsprechen dem historischen politischen Lied, das Kritik an geistlicher und weltlicher Obrigkeit übte. Es handelt sich um politische Lieder, um sog. "garstige" Lieder. Erinnert sei u.B. an den sehr bekanntgewordenen Herstatt-Blues. (Beispiel 2)

Teilweise verwendet er bekannte Melodien, denen neue Texte unterlegt werden, so z.B. auf die Melodie "Die Rittersleut". Aber seine Lieder reflektieren auch Persönliches, z.B. das "Kommune-Lied" (s. Seite 119) oder der "Liebes-Blues" (s. Seite 119). Im übrigen enthält seine Straßenmusik nicht nur politische Lieder, sondern es werden auch instrumentale Stücke zur Unterhaltung gespielt. Oftmals dient eine Melodie, z.B. der Schlager "Schwarze Augen", als Vorlage einer freien Improvisation, etwa im Swing-Stil.

Es ist nahezu zwingend, daß ein Straßenmusiker wie Klaus, ein Unangepaßter in jeder Beziehung, häufig in Konflikt mit der Ordnungsbehörde gerät. Er wurde z.B. wegen Ruhestörung angezeigt, verhaftet, angeklagt und freigesprochen. Die von ihm gewählte Freiheit, auf der Straße ungehindert seine Botschaft zu vermitteln, verteidigt er mit allen Mitteln. Sein Anliegen ist zutiefst human. In offener, manchmal auch derber Sprache, will er Geschehnisse, allgemeine, die Menschheit bedrohende Gefahren beschreiben, will die politische Wahrheit sagen. Insofern ist er Moralist.

Meine Frage, ob seine Botschaft denn bei den Zuhörern ankomme, wurde ohne Zögern bejaht. Konsequent einer Karriere im allgemeinen, etablierten Musikbetrieb absagend, sucht er den unmittelbaren Kontakt mit den Zuhörern. Es ist erstaunlich, wie sich nach langen Jahren Straßenmusikpraxis keine Ermüdung bemerkbar macht, wie sich etwa vermuten ließe. Temperamentvoll musiziert er mit dem ganzen Körper, sucht und findet immer wieder den engen Kontakt mit den Zuhörern, verausgabt sich etc.

Die Bevölkerung kennt und "liebt" ihn, wie mir eine Passantin versicherte. Er hat seine Stammhörer, und immer bildet sich ein großer Kreis um ihn und um seine Gruppe. Inzwischen eine Art Kölner Institution, was eine monatelange Abwesenheit durch Tourneen nicht beeinträchtigt, genießt er großes Ansehen bei den Kölner Bürgern, was ihm das Vertrauen gibt, daß sein Anliegen vernommen wird. Das ausgewählte Beispiel beinhaltet das Spottlied "Es war einmal ein Geigerlein", in dem er seine eigenen Erfahrungen mit der Ordnungsmacht beschreibt. (s. Seite 121)

Teilkulturen

Wie eingangs erwähnt, konnte heute nur eine Auswahl von Erscheinungsformen der Straßenmusik in Köln dargestellt werden. Nicht berücksichtigt werden konnten z.B. zahlreiche durchreisende Straßenmusikanten: Harfenspieler; Dudelsackspieler; Gitarristen; Sänger; Duos in verschiedenen Besetzungen (z.B. zwei Violinen; Gitarre und Flöte); Querflötenspieler; Blockflötenspieler; ein Streichquartett; eine Jugend-Big-Band; neben Studierenden der Musikhochschule Köln, die Mozarts "Kleine Nachtmusik" professionell perfekt wiedergaben; Akkordeonspielern; Bayerischen Musikanten; Gruppen, die dixielandähnlich spielen; Drehorgelspielern u.a. mehr.

Die Vielfalt und Fülle der Erscheinungsformen von Straßenmusik in unserer Zeit erlaubt, von einer eigenständigen Teilkultur - nicht von einer Subkultur - zu sprechen. Es handelt sich nicht mehr um "Randgruppen", wenngleich vereinzelte Erscheinungsformen durchaus noch aus dieser Tradition stammen.

Das Spektrum der Stilniveaus ist breit gestreut. Von der untersten Anfangsstufe bis zum Konzertvirtuosen sind alle Schattierungen vertreten. Die Skala reicht von Folklore und Klassik bis zur Unterhaltungsmusik und zum Jazz, vom tradierten Lied bis zum engagierten neuen politischen Lied. Das stilistische Spektrum ist international weit geöffnet. Neben musikalischem Anfangsniveau und Pfusch stehen hochwertige künstlerische Leistungen, so daß eine einheitliche Beurteilung nicht mehr möglich ist.

Straßenmusik dürfte heutzutage nicht mehr primär unter der verengten Fragestellung nach Nutzen und Ökonomie (für die Städte und Geschäftsleute einerseits und die Straßenmusiker andererseits), wie dies oft geschieht, betrachtet werden, sondern unter weiterreichenden Perspektiven.

Viel zu wenig Beachtung hat bisher gefunden, wie hier auf der Straße z.B. musikalische Bildungsarbeit geleistet wird, daß insgesamt die kulturelle Bedeutung von Straßenmusik in ihrem Umfang und in ihrer neuen Qualität kaum erkannt und berücksichtigt wird. Viel zu stark ist das Verhältnis von Straßenmusik und Kommune bisher von dem Konflikt um zeitliches Ausmaß und örtliche Ausdehnung der Straßenmusik bestimmt gewesen. Sicher ist die Frage nach der Beurteilung der Straßenmusik, wann und für wen sie zu einer Belastung werden kann, nicht immer einfach zu lösen. Aber eine pauschale zeitliche und örtliche Reglementierung macht es sich sicher zu einfach, auch wenn eine Behörde die Bedürfnisse sämtlicher Gruppen der Bevölkerung zu berücksichtigen hat.

Typisch ist derzeit noch die Einschätzung und Zuordnung der Straßenmusik zum Laienbereich, so daß das Kulturamt der Stadt Köln - bisher nur für die Förderung und den Einsatz professioneller Künstler zuständig - keine Veranlassung zu ihrer Förderung sieht.

Straßenmusik ist Teil einer inzwischen hochdifferenzierten musikalischen Volkskultur und in sich wiederum hoch differenziert. Auf der Straße hat sie eine unmittelbare Öffentlichkeit, vielleicht in einer Intensität, wie sie nur Brauchformen erreichen. Sie ist in vielen Bereichen Musikalische Volkskunst. Die Erscheinungsformen in der Stadt Köln bieten hierzu hervorragende Beispiele.

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