Stellungnahme des akademischen Mittelbaus der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln zu den anstehenden Haushaltskürzungen 

 
 
Auf der Vollversammlung des Mittelbaus der Humanwissenschaftlichen Fakultät am 24. April 2019 wurde beschlossen, eine gemeinsame Stellungnahme zu den Auswirkungen der durch das Rektorat angeordneten Sparziele sowie den daraufhin durch das Dekanat der Humanwissenschaftlichen Fakultät vorgeschlagenen Spar-Szenarien (s. Präsentation der Fakultätssitzung vom 10.04.19) zu verfassen. Die Stellungnahme dient als Grundlage für die Abstimmung mit der Mittelbauvertretung der anderen Fakultäten sowie für die Beteiligung des Mittelbaus an den Abstimmungen in den Departments/Fachgruppen. 
 

Präambel 

Hochschulen und Wissenschaftler*innen sind durch die zunehmende Abhängigkeit von externen Mitteln angehalten, prestigeträchtige Programme einzuwerben und „Leuchtturmprojekte" zu initiieren. Die damit zumeist einhergehende Unterfinanzierung wissenschaftlicher Arbeit zeigen sich unter anderem in der Exzellenzinitiative. Wir gehen davon aus, dass das aktuelle Finanzierungsdefizit durch die im Rahmen der Exzellenzinitiative getätigten Investitionen verschärft wurde. Es erscheint uns paradox, dass die aktuell laufende Bewerbung für eine weitere Beteiligung an der Exzellenzinitiative dazu zu führen scheint, dass die extremen Einschnitte, die durch die Sparvorgaben an der Fakultät umgesetzt werden sollen, nicht kontroverser und auf einer politischen Ebene diskutiert werden. Die Auswirkungen des Finanzierungsdefizits werden somit zugunsten einer Beteiligung an einer Initiative klein geredet, die auch dazu beigetragen hat, dass die Universität zu Köln sich eben in dieser Situation befindet. Weil durch die vom Dekanat vorgelegten Spar-Szenarien zum Teil starke inhaltliche und langfristige Veränderungen des Profils der Fakultät vorgenommen werden würden, sehen wir den Zeitraum von der Nennung konkreter Zahlen, über den Aufruf zu Kürzungsvorschlägen bis hin zur Entscheidungsfindung von Dezember 2018 bis Mai 2019 als zu kurz an. Zuvor wurde auf die anstehenden Sparmaßnahmen nur hingewiesen. 

Stellungnahme

Der Mittelbau der Fakultät wird sich nicht im Einzelnen zu den vom Dekanat vorgelegten vier SparSzenarien positionieren und durch das Abwägen der Kürzungsvorschläge eine Entscheidung mitlegitimieren. Da die Szenarien zu einer direkten Konkurrenzsituation zwischen Lehr- und Forschungsbereichen innerhalb wie auch zwischen den Departments/Fachgruppe führen und in allen Fällen Mitglieder des Mittelbaus unmittelbar von den Kürzungen betroffen wären, können und wollen wir in diesem Rahmen keine gemeinsame Position des Mittelbaus formulieren. Mit der Kritik an den in den Spar-Szenarien vorgeschlagenen Kürzungen geht somit kein Vorschlag für Einsparungen durch den Wegfall anderer Arbeitsschwerpunkte einher. Zudem möchten wir darauf hinweisen, dass bisher ausschließlich Vorschläge zur Einsparung von Personalmitteln und nicht von Infrastrukturkosten und Sachmitteln vorgelegt wurden. Die folgenden Punkte stellen eine Sammlung von Argumenten im Rahmen der Diskussion im Mittelbau dar, die „quer" zu den vorgeschlagenen Spar-Szenarien liegen. 

Die eingeforderten Einsparungen an der Humanwissenschaftlichen Fakultät können nicht unabhängig von der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation in Deutschland und international vorgenommen werden. Auch wenn die Spar-Szenarien nicht inhaltlich, sondern durch organisationale Argumente begründet würden, haben sie doch eine symbolische Wirkung nach außen und sind somit ein Politikum. Auch ohne entsprechende Intention wird der Wegfall von Lehr- und Forschungsschwerpunkten als ein Argument für ihre inhaltliche Bedeutungslosigkeit wahrgenommen werden. Der Abbau von Lehr- und Forschungsbereichen, die zu Migration, Gender und Inklusion forschen, stellt in Zeit des Erstarkens differenzkritischer, diskriminierender und populistischer Positionen im öffentlichen Diskurs sowie in der Parteienlandschaft ein gefährliches Zeichen dar. Mit Blick auf die Selbstverortung der Universität zu Köln, die sich „offensiv für Diversität, Perspektivenvielfalt und Chancengerechtigkeit" (https://www.portal.uni-koeln.de/12363.html) einsetzt und diese Perspektive durch die Beteiligung am Diversity-Audit „Vielfalt gestalten" des Stifterverbandes weiter ausbaut, erscheint es schwer verständlich, wie Lehr- und Forschungsbereiche wegfallen können, die genau diese Themen wissenschaftlich bearbeiten. Ferner basiert die Attraktivität der Universität zu Köln als Studien- und Arbeitsort unter anderem gerade auf einem inhaltlich breiten Angebot an Lehr- und Forschungsschwerpunkten. Eine Universität dieser Größe sollte das Potenzial eines solchen Angebotes nicht zu Gunsten einer verengten Profilbildung aufgeben. Dass alle Fakultäten die Last der angeordneten Sparmaßnahmen zu gleichen prozentualen Anteilen ihrer Haushaltsmittel tragen sollen, sehen wir vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Arbeits- und somit auch Finanzstrukturen der Fakultäten kritisch. An der lehrintensiven Humanwissenschaftlichen Fakultät, die damit stärker auf Haushaltsmittel angewiesen ist als andere Fakultäten, führt eine durch die Kürzungsvorschläge unweigerlich eintretende Umverteilung von Arbeit auf die verbliebenen Mitarbeiter*innen im Vergleich zu einer höheren Belastung. Abgesehen davon erscheint die Verteilung von Themenschwerpunkten auf andere Bereiche auch fachlich nicht ohne weiteres machbar. Das auf universitärer Ebene genannte Argument eines breiten thematischen Spektrums zeigt sich in der Humanwissenschaftlichen Fakultät und den in ihr verorteten Disziplinen noch einmal in besonderer Weise. Gerade die thematische Breite im forschungsbezogenen Lehrangebot macht die Universität zu Köln für Studierende und potenzielle Promovierende attraktiv. In drei der vier Spar-Szenarien würden durch den Abbau von Professuren und damit verbundenen Mittelbaustellen Studiengänge wegfallen. Es wurde der Hinweis gegeben, dass auf diese Weise die Einschnitte durch die Kürzungen auch nach außen sichtbar werden; das so gesetzte Zeichen könne „politische klug" (Zitat Dekanat) sein. Der Wegfall von Studiengängen ist an sich nicht lehrkapazitativ wirksam, sondern es soll damit vielmehr Aufmerksamkeit erzeugt werden. Diese Strategie sehen wir als problematisch an, da ein Zeichen vorab gesetzt werden muss, um diese Entwicklung zu verhindern. Das Argument der nachträglichen Sichtbarkeit eines Stellenabbaus ist eine reaktive Argumentation, von der nicht ausgegangen werden kann, dass sie zu der erhofften kritischen Reaktion in der Öffentlichkeit führen wird. 


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Mittelbau der Humanwissenschaftlichen Fakultät die massiven Fehlkalkulationen an der Universität zu Köln, die zu den angeordneten Sparmaßnahmen geführt haben, als ein Symptom eines problematischen und fehlerhaften Prozesses der Umgestaltung von Hochschulen nach unternehmerischen Prinzipien versteht.  
 
7. Mai 2019