AG Kompetenzmessung

(Sprecher: Prof. Dr. Johannes König)

 

 Kompetenzen von Lehrer*innen sind in den vergangenen zehn Jahren zunehmend zum Gegenstand der empirischen Bildungsforschung geworden. Ihre empirische Erfassung ist von grundlegender Bedeutung, zum Beispiel

  • zur Prüfung von Annahmen zur Funktion der Lehrer*innenbildung, zukünftige Lehrer*innen auf ihren Beruf vorzubereiten,
  • zur Analyse, welche Kompetenzen auf Seite von Lehrer*innen nötig sind, um qualitätsvollen Unterricht zu halten und das Lernen sowie die Persönlichkeitsentwicklung von Schüler*innen zu unterstützen sowie
  • für die Arbeit an einer empirisch gestützten Theorie zum Lehrer*innenberuf und zur Lehrer*innenbildung.

Darüber hinaus wird die Wichtigkeit, Kompetenzen angehender Lehrkräfte zu messen, derzeit durch globale Entwicklungen, wie eine zunehmende Output-Steuerung in Bildungssystemen, Maßnahmen der Qualitätssicherung sowie der Internationalisierung der tertiären Bildung, zusätzlich verstärkt. Vor diesem Hintergrund setzt die AG Kompetenzmessung Schwerpunkte in zwei Bereichen: (1) Projekte, die grundsätzlich an Konzeptualisierungen zur professionellen Kompetenz von Lehrer*innen arbeiten, Kompetenzmodelle entwickeln und darauf aufbauend auf eine Messung mithilfe testdiagnostischer Verfahren zielen. (2) Ferner untersuchen einige der Projekte auch Annahmen zur Wirksamkeit der Lehrer*innenbildung unter Verwendung von Ansätzen der Kompetenzmessung oder analysieren, welche Bedeutung die Kompetenzen von Lehrer*innen für die Qualität ihres Unterrichts und das Lernen der Schüler*innen besitzen. Den Projekten liegt ein Verständnis professioneller Kompetenzen von Lehrer*innen zugrunde, wie es derzeit in der empirischen Bildungsforschung vielfach Verwendung findet: Kompetenzen von Lehrer*innen werden dabei vor allem definiert als die bei ihnen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähig- und Fertigkeiten, die zur Lösung bestimmter Probleme und Aufgaben in ihrem Beruf nötig sind. Kompetenzen stellen Konstrukte dar, die anhand von Testinstrumenten operationalisiert und somit auch gemessen werden können. Hier spielen Aspekte des professionellen Wissens von Lehrer*innen eine tragende Rolle, aber auch spezifische, situationsbezogene Merkmale, wie ihre professionelle Wahrnehmung von typischen Unterrichtssituationen und ihre Fähigkeiten zur Analyse und Interpretation solcher Situationen. Doch nicht nur kognitive Merkmale, sondern auch affektiv-motivationale Merkmale bilden den Forschungsgegenstand, wie beispielsweise die Motivation für den Lehrer*innenberuf oder Überzeugungen von Lehrkräften zum Lehren und Lernen in der Schule. Die so definierten Kompetenzmerkmale werden stets im funktionalen Zusammenhang zur erfolgreichen Bewältigung von beruflichen Anforderungen betrachtet und begründet – insbesondere zum Unterrichten als die Kerntätigkeit von Lehrer*innen.

 

In der AG Kompetenzmessung befinden sich folgende Forschungsprojekte:


TEDS-Unterricht - Teacher Education and Development Study

Das Hauptziel der Studie TEDS-Unterricht ist die empirische Untersuchung der professionellen Kompetenz von Mathematiklehrkräften der Sekundarstufe I und ihres über die Unterrichtsqualität vermittelten Einflusses auf den Leistungszuwachs von Schülerinnen und Schülern.  Von speziellem Interesse ist, welche Kompetenzfacetten von Lehrkräften für welche Schülerinnen und Schüler besonders hilfreich sind.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Gabriele Kaiser (Universität Hamburg), Prof. Dr. Sigrid Blömeke  (CEMO Oslo/HU Berlin), Prof. Dr. Johannes König (Universität zu Köln)

Projektdauer: ab Februar 2015


TEDS-Validierung - Teacher Education and Development

Grundlegende Vorarbeiten für die Studie TEDS-Validierung stellen die in TEDS-M, TEDS-FU und in TEDS-Unterricht entwickelten und überprüften Instrumente zur Erfassung der Kompetenzen von Mathematiklehrkräften dar.

Vor dem Hintergrund der Zielsetzungen des Projekts fokussieren wir folgende Fragen zur prognostischen Validität und zum messtheoretischen Ansatz, mit denen Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Lehrerausbildung - am Beispiel der Mathematik - getroffen werden können:

(1) Erweisen sich die im Kontext von TEDS-M und TEDS-FU entwickelten Instrumente zur Messung der während der universitären Lehrerausbildung vermittelten professionellen Kompetenzen als prognostisch valide für qualitativ hochwertigen und erfolgreichen Mathematikunterricht?

(2) Trägt die Aufnahme situationsspezifischer Fähigkeiten (gemessen über video-basierte Tests) über die Effekte des in der universitären Lehrerausbildung vermittelten Professionswissens (gemessen über Wissenstests) hinaus substanziell zur Erklärung von Unterrichtsqualität und dem Leistungszuwachs bei Schülerinnen und Schülern bei?

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Gabriele Kaiser (Universität Hamburg), Prof. Dr. Johannes König (Universität zu Köln), Prof. Dr. Sigrid Blömeke  (CEMO Oslo/HU Berlin)

Literatur:

Busse, A. & Kaiser, G. (2015). Wissen und Fähigkeiten in Fachdidaktik und Pädagogik: Zur Natur der professionellen Kompetenz von Lehrkräften. Zeitschrift für Pädagogik, 61, 328-344.

König, J., Blömeke, S. & Kaiser, G. (2015). Early career mathematics teachers' general pedagogical knowledge and skills: Do teacher education, teaching experience, and working conditions make a difference? International Journal of Science and Mathematics Education, 13, 331-350.


Analysekompetenz von Lehrpersonen - Diagnose und Entwicklung (Teil 2)

Mit der Fortsetzung des Forschungsprojekts werden im Wesentlichen zwei Ziele verfolgt.

  1. Validierung des Konstrukts Analysekompetenz
  2. Untersuchung der Entwicklung der Analysekompetenz in der zweiten Ausbildungsphase

Diese beiden Ziele werden über drei Teilprojekte realisiert:

  1. Wie analysieren Experten und Novizen Unterricht? – Ein qualitativer Zugang (Matthias Krepf)
  2. Welchen Einfluss hat das didaktisch-methodische Wissen auf die Ausprägung der Analysekompetenz? - Empirische Prüfung der prognostischen Validität (Prof. Dr. Wilfried Plöger, Dr. Daniel Scholl)
  3. Wie entwickelt sich die Analysekompetenz in der zweiten Ausbildungsphase (Referendariat) – eine Längsschnittstudie (Prof. Dr. Wilfried Plöger, Dr. Daniel Scholl, Universität zu Köln; Prof. Dr. Andreas Seifert, Universität Lüneburg)

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Wilfried Plöger, Dr. Daniel Scholl (Universität zu Köln)

gefördert von:

 (GZ: PL 272/3-1)


LtP - Learning to Practice. Das Praxissemester auf dem Prüfstand

An den Universitäten Paderborn, Siegen und Köln wurden mit der flächendeckenden Einführung des Praxissemesters in Nordrhein-Westfalen zum Sommersemester 2015 standortspezifische Forschungsprojekte ins Leben gerufen, die im Längsschnitt zentrale Prozess- und Ergebnisvariablen des Praxissemesters erfassen und Fragestellungen zur Kompetenzentwicklung der Lehramtsstudierenden im Praxissemester bearbeiten.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Johannes König (Universität zu Köln), Prof. Dr. Martin Rothland (Universität Siegen), Prof. Dr. Niclas Schaper (Universität Paderborn)

Projektdauer: Seit Juni 2015


CME - Classroom Management Expertise 

Gegenstand des CME-Forschungsprojekts ist die Identifikation und Klassifikation von Merkmalen der Klassenführungexpertise (Classroom Management Expertise - CME) von Lehrkräften, die eine entscheidende Komponente von Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität bildet. Vor dem Hintergrund des Forschungsbedarfs ist das Anliegen des CME-Projekts, die Kennzeichen von Klassenführungsexpertise zu ermitteln. Die neu gewonnenen Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt für die Entwicklungeines standardisierten Testinstruments und die Entwicklung eines Kompetenzmodells.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Johannes König (Universität zu Köln)

Projektdauer: seit 2011

Literatur:

König, J. (2015). Measuring Classroom Management Expertise (CME) of Teachers: A Video-Based Assessment Approach and Statistical Results. Cogent Education, 2(1), 991178. Download PDF

König, J. & Lebens, M. (2012). Classroom Management Expertise (CME) von Lehrkräften messen: Überlegungen zur Testung mithilfe von Videovignetten und erste empirische Befunde. Lehrerbildung auf dem Prüfstand, 5(1), 3-29.

König, J. & Rothland, M. (2016). Klassenführungswissen als Ressource der Burnout-Prävention? Zum Nutzen von pädagogisch-psychologischem Wissen im Lehrerberuf. Unterrichtswissenschaft, 44(4), 425-441.


EMW - Entwicklung von berufsspezifischer Motivation und pädagogischem Wissen in der Lehrerausbildung

Ziel des Projekts "Entwicklung von berufsspezifischer Motivation und pädagogischem Wissen in der Lehrer*innenausbildung" (EMW) ist die differenzierte Beschreibung und längsschnittliche Modellierung von Prozess- und Ergebnisvariablen des bildungswissenschaftlichen (synonym: erziehungswissenschaftlichen, pädagogischen) Segments universitärer Lehrer*innenausbildung, um bislang fehlende Aussagen zur Wirksamkeit treffen zu können.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Johannes König (Universität zu Köln) & Prof. Dr. Martin Rothland (Universität Siegen)

Projektdauer: seit Oktober 2011

gefördert durch: Rhein-Energie Stiftung

Literatur:

Drahmann, M., Rothland, M., König, J. & Pflanzl, B. (2016). Lehramtsstudierende an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten - Zur Bedeutung motivationaler und kognitiver Eingangsvoraussetzungen für die Wahl der lehrerbildenden Institution und des Lehramtstypus. Lehrerbildung auf dem Prüfstand, 9 (2), 227-252.

König, J. (2017). Motivations for teaching and relationship to general pedagogical knowledge. In S. Guerriero (ed.), Pedagogical Knowledge and the Changing Nature of the Teaching Profession (pp. 119-135). OECD Publishing, Paris. Download PDF

König, J. & Klemenz, S. (2015). Der Erwerb von pädagogischem Wissen bei angehenden Lehrkräften in unterschiedlichen Ausbildungskontexten: Zur Wirksamkeit der Lehrerausbildung in Deutschland und Österreich. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 18 (2), 247-277. Download PDF