AG Sprachliche Bildung

(Sprecherin: Prof.‘in Dr.‘in Petra Hanke)

 

 Die Forschung zur Lehrerexpertise, die Teacher Cognition Research und die Kompetenzforschung heben in den letzten Jahren das Wissen von Lehrkräften als einen wichtigen Bestandteil professioneller Kompetenz hervor. Das Fachwissen umfasst sowohl das domänenspezifische Wissen des Unterrichtsfaches als auch das Wissen darüber, wie sich die Inhalte des Faches organisieren und wie sie mit anderen Bereichen innerhalb und außerhalb der eigenen Domäne verknüpft sind (Lange et al., 2015). Das fachdidaktische Wissen impliziert hingegen Wissen über Bedingungen des (domänenspezifischen) Lernens sowie Wissen über die Gestaltung kognitiv anregender und motivierender Lerngelegenheiten sowie adaptiver Unterstützung im Unterricht (Kunter et al., 2011; Lange et al., 2015). Das pädagogische Wissen umfasst vom Fachinhalt weitgehend losgelöstes Wissen über die Organisation und Optimierung von Lehr- und Lernumgebungen sowie allgemeines Wissen über Lerntheorien und Lehrmethoden (König, 2014; Lange et al., 2015; Voss et al., 2015). In den mathematischen und naturwissenschaftlichen Domänen sind das Fachwissen und das fachdidaktische Wissen von Lehrkräften inzwischen gut erforscht. Im Bereich der sprachlichen Bildung liegen dazu hingegen erst wenige Studien vor.

Die AG Sprachliche Bildung fokussiert vor diesem Hintergrund insbesondere Facetten des professionellen Wissens von angehenden Lehrkräften im sprachlichen Bereich. Die Projekte beziehen sich speziell auf das Wissen von Lehrkräften in den sprachlichen Fächern Deutsch und Englisch als Fremdsprache. Die Projekte verfolgen drei grundlegende Schwerpunktsetzungen:

  • Konzeptualisierung, Operationalisierung und Messung des professionellen Wissens von angehenden Lehrkräften in den sprachlichen Fächern Deutsch (zum basales Lesen- und Schreibenlernen in der Grundschule; zur Literaturwissenschaft und Linguistik bzw. Literatur- und Sprachdidaktik in der Sekundarstufe I) und Englisch als Fremdsprache (Sekundarstufe I) sowie der Planungskompetenz von angehenden Deutschlehrkräften (Sekundarstufe I) unter Berücksichtigung des Aspekts deutschdidaktischer Adaptivität,
  • Untersuchung der Veränderung des fachlichen und fachdidaktischen Wissens von angehenden Lehrkräften in den Fächern Deutsch und Englisch sowie der Planungskompetenz von angehenden Deutschlehrkräften über die erste bzw. die erste und zweite Ausbildungsphase hinweg,
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem professionellen Wissen, das angehende Deutschlehrkräfte für den Sekundarstufenbereich in der ersten Ausbildungsphase erworben haben, und der Kompetenz zur schriftlichen Planung von Unterricht der angehenden Deutschlehrkräfte in der zweiten Ausbildungsphase unter besonderer Berücksichtigung deutschdidaktischer Adaptivität.

Die Ergebnisse der Projekte werden wichtige Perspektiven für die Erstausbildung von Deutsch- und Englischlehrkräften an Universitäten, für die Gestaltung des Praxissemesters und für die zweite Phase der Lehramtsausbildung eröffnen.

 

In der AG Sprachliche Bildung befinden sich folgende Forschungsprojekte:


PlanvoLL-D - Die Bedeutung des professionellen Wissens angehender Deutschlehrkräfte für ihre Planung von Unterricht

Das Projekt "Die Bedeutung des professionellen Wissens angehender Deutschlehrkräfte für ihre Planung von Unterricht: Validierung und methodische Innovation" (PlanvoLL-D) zielt auf die Beantwortung der Frage, wie das professionelle Wissen, das angehende Deutschlehrkräfte während der ersten Phase ihrer Ausbildung an Universitäten erworben haben, mit der Bewältigung einer Kernanforderung in der zweiten Phase der Lehrerausbildung (Vorbereitungsdienst bzw. Referendariat) zusammenhängt: der Planung von Unterricht.

Es werden zwei übergreifende Fragestellungen verfolgt:

1. Gelingt eine Konkretisierung generischer Planungskompetenz (didaktische Adaptivität) im Hinblick auf die Fachdidaktik Deutsch (fachdidaktische Adaptivität)?
2. Lässt sich mithilfe des im Rahmen der universitären Ausbildung erworbenen Wissens Planungskompetenz bzw. die Veränderung von Planungskompetenz vorhersagen und damit ein Beleg für dessen prognostische Validität erbringen?

Zielgruppe sind angehende Sekundarstufenlehrkräfte mit Fach Deutsch in Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage .

Projektleitung: Prof. Dr. Johannes König (Verbundleitung, Universität zu Köln), Prof. Dr. Albert Bremerich-Vos (Universität Duisburg-Essen), Dr. Christiane Buchholtz (Humboldt-Universität zu Berlin)

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Dr. Sandra Lammerding , Dr. Sarah StraußNina Glutsch, Ilka Fladung (Universität Duisburg-Essen), Charlotte Schleiffer (HU Berlin)

Literatur:

Bremerich-Vos, A. & Dämmer, J. (2013). Professionelles Wissen im Studienverlauf: Lehramt Deutsch. In S. Blömeke, A. Bremerich-Vos, G. Kaiser, G. Nold, H. Haudeck, J.-U. Keßler & K. Schwippert (Hrsg.), Professionelle Kompetenzen im Studienverlauf. Weitere Ergebnisse zur Deutsch-, Englisch- und Mathematiklehrerausbildung aus TEDS-LT (S. 47-75). Münster: Waxmann.

König, J., Buchholtz, C. & Dohmen, D. (2015). Analyse von schriftlichen Unterrichtsplanungen: Empirische Befunde zur didaktischen Adaptivität als Aspekt der Planungskompetenz angehender Lehrkräfte. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 18 (2), 375-404. Download PDF (Open Access)


PKE - Professionelle Kompetenz von Englischlehrkräften:
Fachdidaktisches Wissen angehender Englischlehrkräfte - Konzeption, Messung, Validierung

Ziel der Studie ist die Erweiterung des in der TEDS-LT-Studie entwickelten Ansatzes zur Messung von eher handlungsnahem Wissen zu fremdsprachlichen Lehr- und Lernprozessen. Das weiterentwickelte Instrument wird an Stichproben angehender Englischlehrkräfte im Master-Studium und im Referendariat eingesetzt, verbunden mit der Testung ihres Fachwissens, ihres pädagogischen Wissens und ihrer Sprachkompetenz.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung: Prof. Dr. Johannes König (Universität zu Köln)

Projektdauer: Seit Januar 2014

gefördert von:

 (GZ: KO3947/6-1)

Literatur:

König, J., Lammerding, S., Nold, G., Rohde, A., Strauß, S. & Tachtsoglou, S. (2016). Teachers' Professional Knowledge for Teaching English as a Foreign Language: Assessing the Outcomes of Teacher Education. Journal of Teacher Education, 67 (4), 320-337. Download PDF

Rohde, A. & König, J. (2015). Messbarkeit von Kompetenzen im Unterricht. In A. Bresges, B. Dilger, T. Hennemann, J. König, H. Lindner, A. Rohde & D. Schmeinck (Hrsg.), Kompetenzen perspektivisch. Interdisziplinäre Impulse für die LehrerInnenbildung (Teil III). Münster: Waxmann.

Roters, B., König, J., Tachtsoglou, S. & Nold, G. (2013). Fachdidaktisches Wissen angehender Englischlehrkräfte - Theoretischer Rahmen und empirische Ergebnisse zur Struktur eines Testinstruments. Lehrerbildung auf dem Prüfstand, 6 (2), 155-177.


WibaLeS - Professionelles Wissen von Lehrkräften, Unterrichtsqualität und Lernfortschritte von Schüler*innen im basalen Lese- und Schreibunterricht

Bislang weitgehend unerforscht ist die professionelle Kompetenz, insbesondere das Fachwissen, das fachdidaktische Wissen sowie die Überzeugungen, von Grundschullehrkräften auf dem Gebiet des basalen Lesen- und Schreibenlernens im Zusammenhang mit der Unterrichtsqualität im schriftsprachlichen Anfangsunterricht und dem Erfolg von Schülerinnen und Schülern im unteren Leistungsbereich beim basalen Lesen- und Schreibenlernen. In einem interdisziplinären Forschungsverbund aus Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Fachdidaktik Deutsch, Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Lernen, Psychologie, Quantitative Methoden der empirischen Schulforschung, Allgemeine Didaktik und Pädagogik der Grundschule soll vor dem skizzierten Hintergrund folgenden Fragestellungen nachgegangen werden:

1. Welche Aspekte gehören zum Fachwissen, zum fachdidaktischen Wissen sowie zu grundlegenden Überzeugungen von Grundschullehrkräften zum basalen Lesen- und Schreibenlernen, und wie lassen sich diese Aspekte legitimieren?
2. Wie können Fachwissen, fachdidaktisches Wissen und Überzeugungen von Grundschullehrkräften zum basalen Lesen- und Schreibenlernen gemessen werden?
3. Wie verändern sich Fachwissen, fachdidaktisches Wissen und Überzeugungen zum basalen Lesen- und Schreibenlernen bei (angehenden) Grundschullehrkräften über die verschiedenen Phasen der Lehrer/innenbildung hinweg?
4. Welche Wissensbestände und Überzeugungen von Grundschullehrkräften zum basalen Lesen- und Schreibenlernen sind bedeutsam für den Lernerfolg beim Schriftspracherwerb von Schülerinnen und Schülern im unteren Leistungsbereich im ersten Schuljahr?

Projektdauer: Ab 2015

Projektleitung: Prof. Dr. Petra Hanke

Projektbeteiligte: Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Prof.‘in Dr. Hilde Haider, Prof. Dr. Johannes König, Prof. Dr. Thorsten Pohl, Prof. Dr. Alfred Schabmann, Rebecca Schmitt, Dr. Sarah Strauß