Open-Science-AG

Im Februar 2017 wurde die Open Science-Arbeitsgruppe des Departments gegründet, die für alle Mitglieder des Departments und die Studierenden offen ist. Auf Anregung der AG hat sich das Department Psychologie klar positioniert und in der Departmentversammlung beschlossen:

"Das Department Psychologie bekennt sich zu Transparenz und intersubjektiver Überprüfbarkeit sowie einer auf ethischen Grundsätzen basierenden wissenschaftlichen Haltung als Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens am Department Psychologie der Universität zu Köln und orientiert sich dabei an den allgemeinen Empfehlungen der berufsethischen Richtlinien der DGPs."

Die Open-Science-AG hat, aufbauend auf den ethischen Richtlinien derDGPs, einige Empfehlungen formuliert.

Sie hat sich außerdem zur Aufgabe gemacht, die Umsetzung dieser Empfehlungen im Department durch eine Reihe von Maßnahmen zu fördern und in Lehre und Forschung stärker zu etablieren.


Empfehlungen:

  1. Vor dem Hintergrund einer auf ethischen Grundsätzen basierenden wissenschaftliche Haltung wird empfohlen:
    • eine offene und sachliche Debatte über methodische Stärken und Schwächen von Forschungsarbeiten sowie über die (Grenzen der) theoretischen Interpretierbarkeit von Forschungsergebnissen, in der insbesondere auch das Eingestehen von Fehlern wertgeschätzt wird
    • eine Förderung der Berücksichtigung von Gegenargumenten und Kritik bereits im Forschungsprozess sowie der offenen Dokumentation durch verstärkte Kooperation zwischen WissenschaftlerInnen in gemeinsamen Forschungsvorhaben
    • einen offenen Austausch und gemeinsame Nutzung jeglicher Art von Produkten des Forschungsprozesses mit dem Ziel der effizienten Nutzung öffentlicher Ressourcen
  2. Die wissenschaftliche Methode zeichnet sich durch intersubjektive Überprüfbarkeit aus. Ein Forschungsprozess ist daher nur in dem Maße wissenschaftlich, wie er eine solche Überprüfbarkeit und offene Kritik gewährleistet. Notwendige Grundlage der wissenschaftlichen Methode ist daher Transparenz auf allen Stufen des Forschungsprozesses. Für alle Forschungsvorhaben wird daher empfohlen:
    • Präregistrierung: die öffentliche bzw. nachweisbare Festlegung der Ziele und Hypothesen, der Methoden und der geplanten Auswertung von Untersuchungen vor der Datenerhebung (mit dem Ziel der intersubjektiv nachvollziehbaren Unterscheidung zwischen a-priori- und post-hoc aufgestellten Hypothesen).
    • Veröffentlichung der Rohdaten: die offene Bereitstellung der erhobenen Daten zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in einem öffentlichen Repositorium und unter Beachtung des Datenschutzes (s. DGPs-Empfehlung zum Umgang mit Forschungsdaten)
    • Offene Bereitstellung von Materialien, die zur Durchführung und/oder Auswertung der Untersuchung (bzw. einer Replikation) benötigt werden
    • Reproduzierbare Auswertung: Verwendung nachvollziehbarer Verfahren in Datenauswertung und Berichterstellung
    • Ergebnisunabhängiges Berichten aller Forschungsergebnisse in jeweils geeigneter Form und mit möglichst großer Reichweite und Verfügbarkeit
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Maßnahmen:

  1. Standards für Forschungsprojekte formulieren und in die Lehre integrieren

    Zur Implementation transparenter Forschungspraktiken sollen allgemeine Standards für Forschungsprojekte formuliert werden, die der Arbeit im Department nach Möglichkeit zugrunde liegen sollen. Konkrete Maßnahmen zur Gewährleistung eines transparenten Forschungsprozesses, wie z.B. Trennung explorativer und konfirmatorischer Befunde, Präregistrierung, informatives Studiendesign (z.B. Stichprobenumfang), Replikation, umfassende Veröffentlichung von Forschungsmaterial, -daten und -analyseskripten, oder das freie Verfügbarmachen von Artikeln in Form von Open-Access-Publikationen oder Preprints sollen als Ermutigung zu einer stetigen Verbesserung wissenschaftlichen Arbeitens verstanden werden. Die erarbeiteten Standards sollen darüber hinaus möglichst von Beginn an Eingang in die Lehre (Bsc., Msc., PhD) finden und nach Möglichkeit auf allen Ebenen der wissenschaftlichen Ausbildung umgesetzt werden. Hierdurch sollen transparente Forschungspraktiken als Norm etabliert werden und in angeleiteten wissenschaftlichen Arbeiten (z.B. Experimentelles Praktikum, empirische Abschlussarbeiten) standardmäßig zur Anwendung kommen.

  2. Fort- und Weiterbildung über aktuelle Entwicklungen und neue Methoden; Bereitstellen von Materialien zu Open-Science-Themen

    Der Einsatz transparenter Forschungspraktiken in eigenen Arbeiten sowie deren Vermittlung an den wissenschaftlichen Nachwuchs sollen durch Fort- und Weiterbildungsangebote für DP-Mitglieder unterstützt werden. Als Grundlage für die Weiterbildung sollen Curricula zu neuen Forschungsmethoden und transparenten Praktiken entwickelt werden, die sich an alle Ebenen richten (Studenten, Doktoranden, PostDocs und Professoren). Eine unterstützende Sammlung von Materialen zur selbstständigen Weiterbildung über transparente Praktiken soll entwickelt und zur Verfügung gestellt werden. Der wissenschaftliche Nachwuchs soll über wissenschaftliche Karrierestrategien unter Berücksichtigung von Aspekten der Anreizstruktur und der wissenschaftlichen Integrität informiert werden.

  3. Berücksichtigen von Open-Science-Kriterien bei allen Personalentscheidungen (insbesondere Berufungskommissionen)

    Es wird angestrebt, WissenschaftlerInnen einzustellen und zu berufen, die transparente und reproduzierbare Forschung betreiben. Das Ausmaß, mit dem BewerberInnen diese Ziele in der Vergangenheit verfolgt haben bzw. in der Zukunft verfolgen wollen, geht als ein wichtiges Kriterium in die Auswahlentscheidung mit ein.

  4. Etablieren bzw. Stärken einer offenen Debattenkultur (die insbesondere das Eingestehen von Informationslücken und Fehlern erleichtert)

    Ein transparenter Forschungsprozess gewährleistet intersubjektive Überprüfbarkeit und fördert die im wissenschaftlichen Prozess angestrebte Selbstkorrektur (d.h. das Entdecken von methodischen sowie theoretischen Fehlern und deren Korrektur in der wissenschaftlichen Literatur). Eine notwendige Voraussetzung hierfür ist eine offene inklusive Debattenkultur, in der ein kritisches Hinterfragen von Theorie und Methodik ein erwünschter und geschätzter Teil des Forschungsprozesses darstellt sowie eine offene Fehlerkultur, die es dem einzelnen Wissenschaftler leicht macht, Informationslücken und Fehler einzugestehen und zu korrigieren ohne eine Rufschädigung zu fürchten. Ein konstruktiver Umgang mit Kritik sowie das Offenlegen und die Korrektur von Fehlern sollten daher als Beitrag zu Wissenschaft und Erkenntnisgewinn wertgeschätzt und ermutigt werden. Das DP versteht daher eine offene Debatten- und Fehlerkultur als Kernbestandteil des wissenschaftlichen Prozesses. Sie sollen daher in eigenen sowie angeleiteten Forschungsarbeiten, in internen und öffentlichen wissenschaftlichen Debatten, sowie in der Lehre etabliert werden. Konkret können hierzu z.B. Vorträge und Diskussionen zu konkreten Fehlern in der eigenen oder in der Forschungsarbeit anderer (sowie dem Umgang mit diesen) genutzt werden.


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