Aktuelle Forschung

 

KuBIn - Kulturelle Bildung und Inklusion

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt KuBIn - Kulturelle Bildung und Inklusion fokussiert die möglicherweise ‚inklusiven Dimensionen‘ kultureller Teilhabe im Bereich Musik und Sprachkünste und wird in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Kulturwissenschaftlicher Bildungsforschung (Prof. Dr. Cornelie Dietrich, Universität Lüneburg) und Allgemeiner Heilpädagogik (Prof. Dr. Markus Dederich, Universität zu Köln) durchgeführt. Erkenntnisleitend ist die Frage, ob und inwiefern in Bildungsprozessen sprachlich-musikalischer Kommunikation, zugleich mit dem künstlerischen Kompetenzaufbau, ein Beitrag zum Abbau möglicher Berührungsängste und stereotypisierender Wahrnehmungsmuster zwischen Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen geleistet werden kann. Der kulturellen Bildung wird in Hinblick auf den Abbau von ‚inneren‘ Barrieren eine erhebliche Transferwirkung zugeschrieben - das Forschungsvorhaben begegnet diesen Annahmen zunächst mit Skepsis. So ist etwa über die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmungsprozessen, Urteils- und Einstellungsentstehung - insbesondere bei Kindern - wenig bekannt. Im diesem Projekt gehen wir im Anschluss an die phänomenologische Theorie der Wahrnehmung davon aus, dass Einstellungen aisthetisch fundiert sind und mit häufig nicht bewussten affektiven Resonanzen einhergehen. Demnach beruhen Teilhabeordnungen, und damit Fragen der In- bzw. Exklusion, auch auf der sinnlich fundierten gegenseitigen Wahrnehmung und Kommunikation.

Für die Bearbeitung der Forschungsfrage wird vor diesem Hintergrund ein vergleichendes Design in zwei Teilprojekten gewählt: die leiblich fundierte Seite der Kommunikation wird zum einen im alltäglichen inklusionsorientierten Grundschulunterricht (TP Köln), zum anderen in musikalisch-künstlerischen, außerunterrichtlichen pädagogischen Settings (TP Lüneburg) untersucht. Im Kölner Teilprojekt sollen diese ‚mikrologischen Prozesse‘ unter Berücksichtigung materieller, räumlicher, personeller, didaktischer und curricularer Aspekte darauf hin analysiert werden, ob sich in ihnen ordnungsbildende Strukturen, Muster und Regeln zeigen. Methodisch erfolgt die ethnografisch angelegte Datenerhebung anhand (zum Teil videogestützter) teilnehmender Beobachtungen, Interviews und Gruppendiskussionen zu drei Erhebungszeitpunkten über einen Zeitraum von drei Schuljahren (Projektlaufzeit bis 11/2019). Die Auswertung der Materialien findet unter Bezugnahme auf leibphänomenologische und kulturtheoretische Rahmungen statt. Zentral sind die komparatistischen Analysen der Ergebnisse beider Teilprojekte im Hinblick auf Teilhabeordnungen, die sich auf der zwischenleiblichen Ebene manifestieren. Mit dem Forschungsvorhaben soll ein Beitrag zur empirischen und theoretischen Fundierung des Zusammenspiels von Wahrnehmung, künstlerischer Gestaltung und Teilhabe in inklusionsorientierten pädagogischen Settings geleistet werden.

Wenn Sie mehr über das Projekt erfahren möchten oder konkrete Fragen und/oder Anmerkungen haben, freuen wir uns, von Ihnen zu hören: hannah.nitschmann@uni-koeln.de