Sozialwissenschaften in Studium und Lehre (HF)

Inhalt

  1. Sozialwissenschaften als Wissenschaft
  2. Sozialwissenschaften als Studienfach
    1. Sozialwissenschaften (HRGe, GymGe, SP) bzw. Politik (BK) als Unterrichtsfach
    2. Sozialwissenschafte Anteile in anderen Studiengängen
  3. Der Sinn kontinuierlicher Teilnahme an Lehrveranstaltungen

1. Sozialwissenschaften als Wissenschaft

Die Sozialwissenschaften untersuchen die Phänomene und Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

  • Wie entwicheln sich aus dem Handlen von Individuen gesellschaftliche Phänomene (Mikroperspektive)?
  • Wie wirken sich gesellschaftliche Probleme , Herausforderungsne , Institutionen und Systeme auf Individuen und ihre Stellung in der Gesellschaft aus (makroperspektive)?
  • Welche Verfelchtungen und Wechselwirkungen existieren zwischen Individuum, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik?
Solche Prozesse wollen die Sozialwissenschaften sowohl verstehen als auch erklären, weshalb sie sich sowohl Methoden der qualitativen als auch der quantitativen Sozialforschung bedienen. Sozialwissenschaften setzen sich zusammen aus den Teildisziplinen Soziologie , Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft sowie aus Methoden empirirscher Sozialforschung und der Didaktik der Sozialwissenschaft. Hochspezialisierte Wissenschaftsdisziplinen tragen mit unterschiedlichenKonzepten, Theorien und Methoden dazu bei, gesellschaftliche Herausforderungen zu beschreiben, zu analysieren, in ihren Ursachen und Gestaltungsmöglichkeiten zu erklären, zu verstehen und zu beurteilen. Sich gegenseitig ergänzend und bereichernd tragen sie dazu bei, einen multiperspektivischen Blick auf die moderne Gesellschaft zu entwickeln, eine begründete Urteilsbildung zu ermöglichen und eine mitverantwortliche Gestaltungskompetenz zu fundieren.  
 
 
2. Sozialwissenschaften als Studienfach
2.1 Sozialwissenschaften (HRGe, GymGe, SP) bzw. Politik (BK) als Unterrichtsfach 
 
An der Universität zu Köln ist die Einheit der Sozialwissenschaften an der Humanwissenschaftlichen Fakultät vor allem auf solche Lehrangebote und Forschungsvorhaben ausgerichtet, die für eine sozialwissenschaftliche (Allgemein-)Bildung im primären, sekundären und tertiären Sektor von allgemeinem Interesse und von besonderer Bedeutung ist. Das Profil der Sozialwissenschaften ist grundlagen-, forschungs-, problem- und berufsorientiert.
 
Die Studien im Bachelor sind
  • grundlagenorientiert: diese werden in den Basismodule Soziologie, Politik- und Wirtschaftswissenschaft gelegt und werden in den Aufbaumodulen vorausgesetzt,
  • forschungsorientiert: die Basis für diese besondere Kompetenz von Sozialwissenschaftler*innen legt das Modul empirische Sozialforschung,
  • berufsorientiert durch das Modul Didaktik der Sozialwissenschaften, das Bedeutung, Ziele, Felder und Wege sozialwissenschaftlichen Lernens erläutert, reflektiert und kritisch analysiert und exemplarisch an gesellschaftlichen Herausforderungen zusammenführt,
  • problemorientiert auf zentrale gesellschaftliche Herausforderungen ausgerichtet wie "Soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Teilhabe", "Kulturelle Heterogenität", "Globalisierung und Transformationsprozesse".
Bachelor Sozialwissenschaften HRGe GymGe BK SP / Bachelor Politik BK
Grundlagen der Wirtschaftswissenschaft
Grundlagen der Politikwissenschaft
Grundlagen der Soziologie
Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik (BK)
Klausur
Klausur
Klausur
Hausarbeit
Didaktik der Sozialwissenschaften
Empirische Sozialforschung
 Hausarbeit Hausarbeit
Soziale Ungleichheit und Gesellschaftliche Teilhabe
 Kulturelle Vielfalt und Differenzierung
 Globalisierung und Transformationsprozesse
Hausarbeit
Schriftlich ausgearbeitetes Referat
Schriftlich ausgearbeitetes Referat
 
Modul
SP
HRGe
GymGe
BK P
EZW
Basismodule
1-3. Sem
1-3. Sem
1-3. Sem
1-3 Sem
3-4. Sem
BM-W Grundlagen der Wirtschaftswissenschaft +: Techniken wiss. Arbeitens
9
/
9
3
9
3
/
/
0/9
/
BM-S Grundlagen der Soziologie 
9
9
9
9
0/9
BM-P Grundlagen der Politikwissenschaft 9
9
9
9
0/9
BM-P1 Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik + Techniken wiss. Arbeitens
      9
3
 
  3./5. Sem 3.-4.
Sem
3.-4.
Sem
3.-4.
Sem
 
BM-F Empirische Sozialforschung
 / 9
9
9
/
BM-D Didaktik der Sozialwissenschaften (EZW AM)
6
9
9
9
 
Aufbaumodule
4-6. Sem
4-6. Sem
4-6. Sem
4./6. Sem
5-6. Sem
EZW AM: Sozioökonomische und politische Bildung (=BM-D)
        0/9
AM-S Soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Teilhabe
6
6
9
9
0/9
AM-K Kulturelle Vielfalt und Differenz
/
0/6
6
6
0/9
AM-G Globalisierung und Transformationsprozesse
/
0/6
6
6
0/9
  39
60
69
69
 
 
 
Die Studien im Master zielen auf  
  • eine theoretisch reflektierte und forschungsorientierte Praxis durch Vorbereitung, Begleitung und Reflexion des Praxissemesters und zentraler und aktueller Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Bildung
  • problemorientierte, vertiefende Studien soziökonomischer und politischer Herausforderungen,
  • theorieorientierte vergleichende Analysen gesellschaftlicher Systeme und Prozesse
  • interdisziplinäres Arbeiten zu Migration und Diversität, Gender Studies sowie European an International Studies.

Master Sozialwissenschaften HRGe GYMGe BK SP / Master Politik BK
Praxissemester
Didaktik der Sozialwissenschaften

Sozioökonomische und -politische Herausforderungen
Klausur
Komplexe sozialwissenschaftliche Theorien und Analysen
Hausarbeiten
Interdisziplinarität in den Sozialwissenschaften
Vorbereitung des Praxissemesters
Lehr-Lernforschung

Studienskizze (Profilgruppe)

Wahlpflichtmodule

  • Migration und Diversität
  • Gender Studies
  • European and International Studies
Begleitung des Praxissemesters
Dokumentation und Kolloquium (Profilgruppe)
Theoretische Reflexion
Mündliche Prüfung
Schriftlich ausgearbeitetes Referat


Modul Semester
GymGe
BK
HRGe
SP
Et al
Anteil Sozialwissenschaften an der Vorbereitung und Begleitung des Praxissemesters 1./2.
3
3
3
 
AM-SWD: Didaktik der Sozialwissenschaften
1./3.
6
6
6
 
SM-SÖP: Sozio-ökonomische und politische Herausforderungen
1./3.
6
6
6
 
SM-STA: Komplexe sozialwissenschaftliche Theorien und Analysen
3.
9
0/6
   
SM-SWI: Interdisziplinarität
4.
6
0/6
   
... MD Migration und Diversität
        IKB
... GS Gender Studies
        Gestik
... EIS European and International Studies
        IKB



2.2 Sozialwissenschaftliche Anteile in anderen Studiengängen

Bachelor / Master Natur- und
Gesellschaftswissenschaften

Bachelor und Master
Bildungswissenschaft
Master Interkulturelle
Kommunikation und Bildung

V 2-4 SWS Grundlagen
Soziologie, Politik- o.
Wirtschaftswissenschaft

V 2 SWS Politische
soziökonomische Bildung
für Kinder

S 2-4 SWS Beitrag zu
fachübergreifenden
Herausforderungen
(Konsum, Arbeit / Beruf,
Demokratie, Gender,
Kultur, Nachhaltigkeit,
globales Lernen)

4 SWS Soziale Intervention
und Kommunikation

2-4 SWS Erziehung und
Sozialisation im Jugendalter

2 SWS Wege in den Beruf

4 SWS Migration und
Diversität

4 SWS Internationale
Zusammenarbeit und
globales Lernen

Bachelor Erziehungs-
wissenschaft Ein-Fach
Master Gender Studies
6 SWS BM Soziologie
6 SWS BM Wirtschaftswiss.
6 SWS BM Politikwiss.
4 SWS AM nach Wahl
2-6 SWS Methoden
empirischer Bildungs-
und Sozialforschung
(gemeinsam mit EW)
Under Construction


3 Der Sinn kontinuierlicher Teilnahme an Lehrveranstaltungen

Der Gesetzgeber hat geregelt, dass die Prüfungszulassung nicht an eine bestimmte regelmäßige Anwesenheit geknüpft werden darf. Damit wird anerkannt, dass Studierende erwachsen genug sind, um mündig und verantwortlich mit ihrer Freiheit umzugehen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Sinn kontinuierlicher Teilnahme an Lehrveranstaltungen in Frage gestellt würde.
Auf regelmäßig im Sommer stattfindenden Studiengangvollversammlungen  wurde festgestellt, dass Lehrende und Studierende eine regelmäßige Teilnahme für sinnvoll halten. Studierende haben mehr von den Lehrveranstaltungen, wenn sie sie vor- und nachbereiten, aber auch die Bereitschaft der aktiven Partizipation mitbringen, die Bedeutung des Gebiets erkennen, eine gegenseitige Wertschätzung und ein respektvoller Umgang existiert. Die Studierenden haben aber auch daraufverwiesen, dass Nebenjobs und Betreuungspflichten sowie andere Studienanforderungen die Regelmäßigkeit mindern können, so dass eine klare Veranstaltungskonzeption ihnen hilft, eine mangelnde regelmäßige Teilnahme durch Eigenstudium auszugleichen. 

Die Sicherung der Grundlagen ist in Ihrem eigenen Interesse!

Die Lehrenden machen deutlich, dass es äußerst schwierig ist, sich relevante Inhalte durch begleitende Literatur im Selbststudium zu erwerben. Das sozialwissenschaftliche Studium setzt sich aus drei Teildisziplinen zusammen, die auch als einzelne studiert werden könnten. Dies wird zudem mit Forschungsmethoden und Fachdidaktik verbunden. Ohne eine solche Basis lassen sich in diesem an Aktualität und Komplexität nicht zu überbietenden Fach weder Zusammenhänge erkennen, noch aktuelle Entwicklungen und Phänomene einordnen. Unsere Grundlagenvorlesungen bieten ein solches ausgewähltes relevantes und kompaktes Orientierungs- und Zusammenhangswissen. Sie zielen darauf ein Problemverständnis zu entwickeln, das in den Seminaren desBasismoduls vertieft und angewandt wird. Dies gilt genauso für die Grundlagenvorlesungen der Einführung in die empirische Sozialforschung und die Didaktik der Sozialwissenschaften. Die Kenntnisse aus den Grundlagenvorlesungen werden im weiteren Modulverlauf ebenso wie in den Aufbaumodulen vorausgesetzt. Sie werden als Orientierungs- und Zusammenhangswissen in allen Kontexten sozialwissenschaftlicher Bildung in Hochschule und Schule benötigt. Auch spätere Prüfungsleistungen basieren auf der aktiven Auseinandersetzung mit diesen Grundlagen, wenn vertiefende problemorientierte Analysen sowohl eine theoretische Einordnung erfordern als auch die Einschätzung empirischer Ergebnisse. NutzenSie die Grundlagenvorlesungen, um in den Prüfungsleisungen, im Praxissemester, im Referendariat und im Berufseinstieg die Vernachlässigung dieses wichtigen Strukturwissens nicht zu bereuen.

Manche sozialwissenschaftlichen Kompetenzen lassen sich im Selbststudium gar nicht entwickeln

  • Prüfungsleistungen vorbereitende, kooperative Projektarbeiten erfordern die Anwesenheit der ganzen Gruppe und weiterer Seminarteilnehmer*innen, um die Erprobung und Präsentation der Ergebnisse zu ermöglichen (z.B. in der fachdidaktischen Perspektivierung, im Praxisprojekt, in der Vorbereitung auf das Praxissemester).
  • Ein begründetes Urteil als wichtige Kompetenz sowohl sozialwissenschaftlichen Unterrichts als auch sozialwissenschaftlicher Profession erfordert die Beteiligung am wissenschaftlichen Diskurs. Dieser wird vor allem in den fachwissenschaftlichen Aufbau- und Mastermodulen ermöglicht.
  • Die Kompetenz zur praktischen Anwendung, Übung, Umsetzung von Forschungs- und Unterrichtsmethoden erfordert gleichzeitig Anwendung, Erprobung und Feedback. Dies ist in Eigenarbeit gar nicht möglich und für eine reflektierte sozialwissenschaftliche Einschätzung von Studien sowie die Berufsvorbereitung dringend erforderlich.  

Bereicherung des wissenschaftlichen Diskurses durch informierte, interessierte Teilnehmer*innen

Seminare, in denen Studierende schlechte Referate halten, Lehrende nichtvorbereitet sind, die Kommiliton*innen nicht informiert sind, sind sicher aus der Perspektive aller Beteiligten unnötige Zeitverschwendung, die man besser mit einem guten Buch und dem wissenschaftlichen Diskurs unter Freund*innen verbringt. Seminare, in denen Studierende und Lehrende regelmäßig anwesend sind, angemessen vorbereitet sind, einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch führen, stellen hingegen eine Bereicherungfür alle Beteiligten dar.
(Auch Diskussionsergebnis der Studiengangvollversammlung vom 8.7.2015, siehe Auswertung und der Studiengangkommission 17.07.2015)