Studien der Abteilung Entwicklungspsychologie

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Blickdauer und visuelle Aufmerksamkeit der Säuglinge

Studienleitung Dr. Matus Simkovic
Alter 4 bis 10 Monate
Bechreibung Um das Interesse von Säuglingen an verschiedenen Reizmaterialien feststellen zu können wird häufig das Habituationsparadigma angewendet. Hierbei geht man davon aus, dass das Kind sich bei erneuter oder anhaltender Präsentation des gleichen Reizes an diesen gewöhnt, das Interesse verliert und somit wegschaut. Die gemessene Blickdauer wird häufig als Indikator für das Interesse des Kindes herangezogen. Allerdings fehlen bisher Daten zum Zusammenhang zwischen Blickzeit und Interesse der Säuglinge, bzw. zwischen Blickzeit und visueller Auffälligkeit der Reize.

Die Studie soll Säuglinge (circa 4, 7 oder 10 Monate alt) mit Hilfe eines Eyetrackers im Rahmen eines Habituationsparadigmas untersuchen. Hierbei wird dem Kind auf einem Monitor mehrmals hintereinander ein Feld von acht Rechtecken präsentiert. Der Reiz wird jeweils solange präsentiert bis das Kind den Blick abwendet. Im Laufe der Darbietungen ändern sich entweder Helligkeit, Farbe, Ausrichtung oder die Anzahl der Rechtecke. Das Ausmaß der Stimulusänderung wird zwischen verschiedenen Gruppen von Kindern variiert. Die Dauer der Blickzeiten werden mit Hilfe des Eyetrackers erfasst. Ziel der Erhebung ist es, den Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Stimulusänderung und der Blickdauer zu untersuchen und mit Hilfe eines mathematischen Modells zu beschreiben.
Ergebnisse
Die Datenerhebung läuft derzeit.

Untersuchung der Eyetrackergenauigkeit

Studienleitung Dr. Matus Simkovic
Alter 4 bis 10 Monate
Bechreibung Wie auf anderen Forschungsgebieten ist es auch für Säuglingsforscher wichtig, Informationen über die Messgenauigkeit ihrer Messgeräte zu sammeln, um damit erzielte Befunde besser beurteilen zu können. Aus diesem Grund möchten wir in dieser Studie die Messgenauigkeit zweier unterschiedlicher Eyetrackinggeräte genauer untersuchen und miteinander vergleichen. Hierzu zeigen wir den Kindern auf beiden Geräten gleichartige dynamische Bilder (z.B. einen sich bewegenden Kreis). Die Abweichung zwischen der Blickposition und der tatsächlichen Position des Bildes, erlaubt es uns, die Messenauigkeit der Geräte zu erfassen. Zusätzlich wird der Abstand des Kindes zum Bildschirm verändert um herauszufinden, ob auch der Betrachtungsabstand die Messgenauigkeit beeinflusst.
Ergebnisse
Die Datenerhebung läuft derzeit.

Was sagen uns die Blickverfolgungsbewegungen über das Physik-Wissen der Säuglinge?

Studienleitung Dr. Matus Simkovic
Alter 4 bis 10 Monate
Bechreibung In der Säuglingsforschung wird häufig angenommen, dass das Blickverhalten von Säuglingen ausschließlich aus Sakkaden (schneller Wechsel der Blickposition) und Fixationen (fixieren/behalten einer Blickposition) besteht. Jedoch zeigen bereits zwei Monate alte Säuglinge auch Blickverfolgungsbewegungen. Bei Blickverfolgungsbewegung fixiert der Blick ein sich bewegendes Objekt, so dass sich beide mit konstanter Geschwindigkeit bewegen. Es ist bislang nicht geklärt, inwieweit man anhand der beobachteten Blickverfolgungsbewegungen Rückschlüsse auf kognitive Verarbeitungsprozesse der Säuglinge ziehen kann. Mit dieser Studie versuchen wir, dieser Frage genauer nachzugehen.

In einem Experiment soll der Frage nach frühem Vorwissen über physikalische Objektbewegungen nachgegangen werden. Den Kindern wird auf einem Monitor ein Kreis präsentiert, der sich mit konstanter Geschwindigkeit fortbewegt. Mit Hilfe des Eyetrackingverfahrens werden die Blickbewegungen der Kinder erfasst. Dabei interessiert zum einen, wie gut die Säuglinge den Reiz in Abhängigkeit von der Bewegungsgeschwindigkeit verfolgen können. Außerdem soll ermittelt werden, ob und welcher Art die Säuglinge vorausschauende Blickbewegungen zeigen, wenn es bei Kontakt des Kreises mit dem Bildschirmrand zu einem Abprall-Ereignis kommt. Die Analyse dieses Blickverhaltens bietet die Möglichkeit, frühe Erwartungen zum Bewegungsverhalten von Objekten zu untersuchen.
Ergebnisse
Die Datenerhebung ist abgeschloßen. Die Auswertung läuft derzeit.

Wahrnehmung der sozialen Verbundenheit und Ausgrenzung

Studienleitung Dr. Vesna Marinovic
Alter 4 Jahre
Beschreibung Als Erwachsene gelingt es uns schnell zu erkennen, wann Menschen zusammengehören und wann eine Person ausgegrenzt wird. Das verhilft uns zu einer besseren Orientierung in der sozialen Welt und ermöglicht uns, die Art unserer Beziehungen aktiv zu gestalten, deren Qualitäten den Verlauf einer gesunden Entwicklung maßgeblich beeinflussen. Wie früh und auf welche Weise Kleinkinder Situationen von sozialer Verbundenheit und Ausgrenzung wahrnehmen und welchen Einfluss dies auf ihr Verhalten und Denken hat, sind die Fragen der vorliegenden Studie. Dazu untersuchen wir derzeit Kinder im vierten Lebensjahr. Wir zeigen kurze Filme, in denen sich geometrische Figuren zueinander hin oder voneinander weg bewegen. Anschließend beobachten wir, wie sich die Kinder im Rahmen kurzweiliger Spiele mit spannenden Objekten und Bildern verhalten. Die Testung dauert etwa 30 Minuten. Die Befunde sollen zu einem gründlicheren Verständnis der Wirkung von beobachteter Ausgrenzung in der frühen Kindheit verhelfen.
Ergebnisse Herzlichen Dank an alle Eltern und Kinder, die an dieser Studie teilgenommen haben und unsere Forschung dadurch wesentlich unterstützt haben!

In Abhängigkeit davon, ob Kinder anhand der kurzen Filme soziale Ausgrenzung oder Verbundenheit  sahen, unterschieden sie sich in ihrem nachfolgenden Spielverhalten und in ihren spontanen Präferenzen. Sahen Kinder die Filme der sozialen Ausgrenzung, setzten sie sich beispielsweise näher zum Sitz einer anderen Person hin als Kinder, welche soziale Ausgrenzung nicht beobachteten. Aus den Studien mit Erwachsenen wissen wir, dass diese nach sozialer Verbundenheit streben, nachdem sie sozialen Ausschluss erfuhren. Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass Vierjähre sich in ähnlicher Weise zu verhalten scheinen, in dem sie buchstäblich stärker die Nähe zu einer anderen Person aufsuchen. Das verdeutlicht, dass bereits die bloße Wahrnehmung von sozialer Ausgrenzung unmittelbaren Einfluss auf das Verhalten - auch in der frühen Kindheit - ausüben kann.

Weitere Unterschiede konnten wir bei einer Imitationsaufgabe beobachten, bei welcher zunächst die Versuchsleiterin eine Handlung demonstrierte und daraufhin die Kinder diese Handlung nachahmen konnten. Aus der Forschung mit Erwachsenen und älteren Kindern ist bekannt, dass nach direkter und indirekter Erfahrung vom sozialen Ausschluss stärker imitiert wird. Imitation wird in diesem Fall als soziales Mittel benutzt, um Ähnlichkeit auszudrucken und auf diese Weise Verbundenheit wiederherzustellen. Interessanterweise indizieren unsere Ergebnisse erstmals Unterschiede zwischen den Geschlechtern in dem untersuchten Alter: Nur Mädchen, welche soziale Ausgrenzung beobachteten, imitierten genauer als Mädchen, welche den entsprechenden Film nicht sahen. Hingegen ahmten Jungen wenigerHandlungsschritte nach, wenn sie soziale Ausgrenzung beobachteten. Im Allgemeinen stimmt dieses Muster mit Befunden überein, die zeigen, dass erwachsene Männer und Frauen mit sozialer Ausgrenzung unterschiedlich umgehen. Unsere Ergebnisse deuten auf einen frühen Beginn dieser Unterschiede hin. Weitere Studien sollen prüfen, wie stabil diese Unterschiede sind und mit welchen Faktoren sie zusammenhängen.